Fasnachtsabsagen verschärfen Nachwuchsproblem

sda

Von sda

Mo, 22. Februar 2021

Basel

Dass die "drey scheenschte Dääg" zum zweiten Mal in Folge ausfallen, tragen die Basler Fasnächtler mit melancholischer Fassung.

Die Basler Regierung und das Fasnachts-Comité untersagen an den "drei scheenschte Dääg", die – wäre keine Pandemie – am heutigen Montag, mit dem Morgestraich beginnen würden, Fasnachtsaktivitäten jeglicher Art. Eine Mehrheit der Fasnächtler scheint diese Direktive mit melancholischer Fassung zu akzeptieren.

Anders als die Fasnächtler in den katholischen Gebieten der Schweiz sind die Basler mit ihren spät angesetzten Fasnachtstagen in der Woche nach dem Aschermittwoch bereits zum zweiten Mal zur Passivität gezwungen. Am 28. Februar 2020, vier Tage nach dem noch ausschweifend begangenen Güdismontag in Luzern, hatte die Basler Regierung verkündet, dass die Fasnacht 2020 in Basel nicht stattfinden darf. Als sich im Herbst abzeichnete, dass eine Fasnacht 2021 im gewohnten Rahmen nicht stattfinden kann, suchte das Fasnachts-Comité mit Cliquen nach pandemiegerechten Alternativen – in Betracht gezogen wurde etwa eine Ausweich-Fasnacht in den Quartieren außerhalb der Innenstadt. Davon ist lediglich ein vom Nachwuchs der Stammcliquen künstlerisch gestalteter Fasnachtsspaziergang in der Altstadt übriggeblieben. Auf mehr als 30 Stationen haben die Jungen Garden stille und audiovisuelle Platzhalter geschaffen.

Dazu gehören zum Beispiel ein imposanter Larven-Turm des Nachwuchses der Olympia-Clique am Rhein oder eine Ansammlung von Laternen-Monolithen auf dem Münsterplatz. Die Fasnachtsabsagen verschärfen das Nachwuchsproblem, mit dem viele Cliquen eh schon zu kämpfen haben: "Die fehlende Fasnacht hinterließ direkte Spuren bei der Mitgliederzahl", ist in der Fasnachts-Ersatzzeitung "Diggi Boscht" des Comités zu lesen. Vereinzelte Vereine hätten Austritte zu verzeichnen.

Das bestätigen mehrere Obleute von traditionellen Basler Cliquen. "Wir alteingesessenen Fasnächtler können die Ausfälle zähneknirschend wegstecken, für die Jungen wiegt der fehlende Ansporn durch das fasnächtliche Erlebnis und das Zusammensein während den Übungsstunden aber schwer", sagt Andreas Kurz, Präsident des Stamms der Traditionsclique Vereinigte Kleinbasler VKB.

Das Comité und die Regierung haben mit ihren restriktiven Fasnachtsregeln auch negative Reaktionen ausgelöst. In der "Basler Zeitung" war ihnen "kleinmütiges Verhalten" vorgeworfen worden und auf Facebook rief ein LDP-Großrat auf, trotz allem kostümiert und musizierend "ab uff d’Gass" zu gehen. Das Comité geht aber davon aus, dass eine große Mehrheit der Fasnächtler Verständnis für die spezielle Situation hat und sich entsprechend zurückhalten wird. "Zustände wie beim Menschenauflauf in Einsiedeln sind in Basel nicht zu befürchten", sagt Obfrau Pia Inderbitzin, auch wenn sie pandemiegerechte Überraschungen nicht ausschließen möchte.

Dieser Ansicht schließt sich Kurz an. "Das Trommeln verbieten kann ich den Cliquenmitgliedern nicht", sagt er, fügt aber hinzu, dass ungehorsames Gässeln in der Stadt ja ohnehin keinen Spaß machen würde. Auch die Polizei geht davon aus, dass die meisten Basler ihr solidarisches Verhalten während der Pandemie beibehalten. "Die Kantonspolizei wird mit Dialogteams unterwegs sein und etwaigen Fasnächtlern erklären, weshalb die Fasnacht bedauerlicherweise nicht stattfinden kann", sagt ein Pressesprecher. Klare und wiederholte Verstöße nach Abmahnung würden aber geahndet.