Einzelhandel

Corona wirbelt die Öffnungszeiten in Freiburgs City durcheinander

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 06. August 2020 um 12:59 Uhr

Freiburg

Die Umsätze sind mau, obwohl rund um die Kaiser-Joseph-Straße so viel los ist wie früher. Viele Geschäfte machen später auf und früher zu, um Kosten zu senken. Für Kunden ist das verwirrend.

Wer früh oder spät in der Innenstadt einkaufen will, sollte sich vorher informieren. Nach dem Lockdown haben die Geschäfte mit verkürzten und individuellen Öffnungszeiten den Neustart gewagt. Sie schließen zwischen 9.30 und 12 Uhr auf und machen zwischen 17 und 20 Uhr zu. Die Umsätze haben längst nicht das alte Niveau erreicht, obwohl die Innenstadt fast so belebt ist wie in Vor-Corona-Zeiten.

"Sommerbekleidung und Bademoden gehen schlecht." Wolfgang Bauer, Sport Bohny
"Wir wussten nicht, wohin es läuft", sagt Wolfgang Bauer von Sport Bohny. Vorsichtig und mit wenig Personal sei das Fachgeschäft in die Phase nach dem Lockdown gestartet. Eine Möglichkeit, die Kosten zu senken, waren Kurzarbeit und um eine Stunde verkürzte Öffnungszeiten. Bohny schließt um 18.30 Uhr. Inzwischen sei wieder jede Etage mit vier, fünf Beschäftigten besetzt, sagt Bauer. Auch wenn es noch schleppend läuft. "Sommerbekleidung und Bademoden gehen schlecht." Hingegen werde das Sortiment für Individualsportarten stark nachgefragt, von der Gymnastikmatte bis zu Laufschuhen. Bauer hofft, dass im September wieder die alten Öffnungszeiten möglich sind.

90 Minuten kürzer geöffnet

Wie Sport Bohny gehört auch das Lederhaus an der Rathausgasse zu den inhabergeführten Geschäften der Initiative "Herzschlag Freiburg". Carolin Riemann öffnet nun von 10 bis 18 Uhr statt 9.30 bis 19 Uhr. Sehr mau laufe das Geschäft, vor allem beim Reisegepäck. Sie hat ihr Sortiment neu gewichtet: Schule, Fahrradtaschen, Einkaufstrolleys. Die Initiative diskutiere zwar gemeinsame Kernöffnungszeiten, doch seien die Branchen zu unterschiedlich betroffen. Sie würde gerne im Herbst zu den alten Öffnungszeiten zurückkehren.

So viel Normalität wie möglich wagt das Kaufhaus Breuninger. Die Großen an der Kajo haben ihre Öffnungszeiten weitgehend beibehalten. "Auch um den Kundenstrom wegen der Hygieneregeln zu entzerren", erklärt Freiburgs Breuninger-Chef Alexander Entov. "Aber natürlich gibt es einen Unterschied zu früher." Da gehe es Breuninger wie allen anderen.

Wie das Bettenhaus Stiegeler am Augustinerplatz hat auch Kindermode Classic an der Schusterstraße den Montag komplett gestrichen. Inhaberin Ulrike Niemann steht derzeit allein in ihrem Laden. Die Stammkunden hätten sie über den Lockdown getragen. Die staatliche Überbrückungshilfe habe sie zurückerstattet, da die Umsätze die Kosten wieder deckten. Doch die Samstage seien völlig eingebrochen, Touristen gäben kein Geld aus, und Frauen hassten es, mit Maske einzukaufen.

Die kommunale Wirtschaftsförderin Hanna Böhme weiß von Gesprächen im Einzelhandel, die Öffnungszeiten wieder zu verlängern und vielleicht auch mehr zu vereinheitlichen. Schließlich pendele sich der Fußgängerverkehr in der Kaiser-Joseph-Straße allmählich auch wieder auf Vorjahresniveau ein. Tatsächlich zeigen Messdaten seit Mitte Juli eine allmähliche Angleichung der Besucherströme in der Fußgängerzone an die Werte des Vorjahres.

"Das Schlimmste wäre, wenn im Herbst die Leute nicht kommen, weil die Infektionszahlen steigen." Ulrike Riemann, Kindermodenspezialistin
Lena-Sutter-Kiefer, Vorstand der Händlergemeinschaft "Z’Friburg in der Stadt" sieht keine Chance auf eine gemeinsame Strategie. Zu unterschiedlich seien die Betriebe. "Sie schauen von Woche zu Woche."

Einzelhandelspräsident Philipp Frese wünscht sich gleichwohl eine Kernöffnungszeit. Die Unterschiede seien schon früher ein Thema gewesen und hätten sich in der Krise verstärkt. Und groß ist die Sorge, dass diese anhält. "Das Schlimmste wäre, wenn im Herbst die Leute nicht kommen, weil die Infektionszahlen steigen", sagt Kindermodenspezialistin Ulrike Riemann. Wolfgang Bauer von Sport Bohny geht es ähnlich. Er hat Angst vor der zweiten Welle.