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Crypto-Marktplatz Coinbase geht an die Börse

dpa

Von dpa

Mi, 14. April 2021 um 19:06 Uhr

Wirtschaft

Mit Coinbase geht ein Handelsplatz für digitale Währungen wie den Bitcoin an die Börse. Experten trauen der Firma eine hohe Bewertung zu – doch der Kurs wird wie bei den Cryptowährungen volatil sein.

Inmitten der aktuellen Bitcoin-Rekordjagd geht mit Coinbase ein Schwergewicht der Kryptobranche an die Börse. Von Mittwoch an kann die größte US-Handelsplattform für digitale Währungen selbst als Aktie gekauft werden. Die Finanzmärkte fiebern seit Wochen auf das Debüt hin. Für die boomende, aber lange als abenteuerliche Randerscheinung der Finanzwelt abgetane Nische der Cyberdevisen ist es ein Meilenstein.

Die Premiere an der Tech-Börse Nasdaq dürfte gewaltige Dimensionen erreichen: Analysten trauen Coinbase eine Bewertung von mehr als 100 Milliarden Dollar zu. Damit wäre der Kryptohandelsplatz mehr wert als jeder traditionelle Börsenbetreiber weltweit. Zum Vergleich: Die Nasdaq, an der Coinbase seine Aktien per Direktplatzierung – also ohne teure Begleitung durch Investmentbanken und ein vorheriges Preisbildungsverfahren – listen lässt, hat derzeit einen Börsenwert von 26 Milliarden Dollar. Die Nasdaq setzte am Dienstag (Ortszeit) einen Referenzpreis von 250 Dollar für die Coinbase-Aktien an.

"Die Kryptoökonomie beginnt gerade erst" Brian Armstrong
Coinbase ist ein Handelsplatz. Dort kann der Anleger Kryptowährungen kaufen und verkaufen. Für diesen Service verlangt Coinbase Gebühren. Zuletzt sind die Gebühren reichlich geflossen, weil die Nachfrage nach Kryptowährungen gestiegen ist und deren Wert. Es fanden also mehr Geschäfte statt, die zudem noch ein größeres Volumen aufwiesen.

"Die Kryptoökonomie beginnt gerade erst", verspricht Coinbase-Mitgründer und Vorstandschef Brian Armstrong Anlegern vor dem Börsengang. Tatsächlich befindet sich sein Unternehmen auf der größten Erfolgswelle seit der Gründung im Jahr 2012. Allein im ersten Quartal dürfte der Nettogewinn zwischen 730 Millionen und 800 Millionen Dollar gelegen haben, wie Coinbase mitteilte. Das wäre mehr als doppelt so viel wie im gesamten vergangenen Jahr.

Der Kurs von Coinbase bleibt unberechenbar

Beim Umsatz rechnet Coinbase für die drei Monate bis Ende März mit 1,8 Milliarden Dollar, auch dieser Wert würde das Gesamtergebnis von 1,3 Milliarden aus dem Vorjahr deutlich übertreffen. Die Nutzerzahlen stiegen während der jüngsten Kryptorally kräftig und lagen zuletzt bei 56 Millionen. Aber wie steht es um die langfristigen Erfolgsaussichten?

Die Profitabilität des Unternehmens steht und fällt mit den Kursen und Handelsvolumen von Kryptowährungen wie Bitcoin, da es in erster Linie an Gebühren verdient. So gesehen gebe es eine "immanente Unberechenbarkeit", wie Coinbase selbst einräumt. In der Vergangenheit war das Geschäft extremen Schwankungen unterworfen. Während des Kryptocrashes im Jahr 2018 etwa, als der Bitcoin-Preis um über 70 Prozent abstürzte und der anderer Cyberwährungen wie Ethereum noch stärker, brach auch das Geschäft von Coinbase ein. Auch das Folgejahr 2019, als die meisten Kryptoanlagen vor sich hin dümpelten, war für Coinbase wenig lukrativ und wurde mit einem Minus von 30,4 Millionen Dollar abgeschlossen.

"Wir suchen nach langfristigen Investoren, die an unsere Mission glauben" Brian Armstrong
Armstrong ist sich der Risiken bewusst: "Wir könnten Geld verlieren", warnt er Investoren. Ziel des Unternehmens sei es derzeit, in etwa am "break even" zu operieren, also an der Gewinnschwelle. Coinbase habe sich jedoch immer schon langfristig orientiert und gehe davon aus, dass die Kryptobranche ihr Potenzial erst in Zukunft voll entfalte. "Wir suchen nach langfristigen Investoren, die an unsere Mission glauben", erklärt Armstrong.

Experten sehen jedoch nicht nur die heftigen Schwankungen bei Kryptokursen und Handelsvolumen mit Bedenken. Anleger müssen sich auch über regulatorische Risiken im Klaren sein. Jesse Powell, der Chef des Coinbase-Rivalen Kraken, warnte vor einem Durchgreifen von Regierungen gegen digitale Währungen. Überraschend käme dies in der Tat nicht – Bitcoins geraten immer wieder durch illegale Verwendungen in die Kritik und gelten nicht nur in den USA schon lange als aufsichtsrechtliche Baustelle.

Coinbase hat allerdings noch andere Probleme, die im aktuellen Hype leicht untergehen. So steht das Unternehmen, das "ein offenes Finanzsystem für die Welt zu schaffen" als Mission und "mehr wirtschaftliche Freiheit für jede Person und Firma" als Vision beschreibt, immer wieder wegen seines Kundenservices in der Kritik. In Foren auf der Diskussionsplattform Reddit etwa klagten etliche Kunden, dass ihre Accounts ohne erklärten Grund eingefroren worden seien. Zudem gibt es Berichte über gekaperte Nutzerkonten. Die Anschuldigungen haben schon zu mindestens einer Sammelklage geführt.