Ausbildung

Das Busliniennetz muss Guiseppe Baccelieri aus Kollnau im Kopf haben

Tobias Winterhalter

Von Tobias Winterhalter

Fr, 08. November 2019 um 13:09 Uhr

Waldkirch

Busfahrer sind rar, umso froher ist die Südbaden Bus, wenn sich Auszubildende engagieren: Guiseppe Baccellieri aus Kollnau freut sich auf den Beruf.

"Einmal von Freiburg nach Elzach bitte", sagt ein älterer Herr am Freiburger Omnibusbahnof (ZOB) in Freiburg. "Das wären dann 5,70 Euro", antwortet Guiseppe Baccellieri und setzt für den Reporter hinzu: "...eine Fahrt durch drei Zonen nach Elzach in der Preisstufe drei. Dieser Fahrschein gilt dann drei Stunden". Baccellieri ist 25, kommt aus Waldkirch-Kollnau, und ist Auszubildender bei der Südbaden Bus GmbH.

Erste Station im Kundencenter

"Die Arbeit im Kundencenter der Südbaden Bus GmbH (SBG) beim Freiburger Hauptbahnhof ist abwechslungsreich und ein sehr guter Einstieg in den Ausbildungsberuf des Berufskraftfahrers im Personenverkehr beziehungsweise Berufskraftfahrers für Personenbeförderung", erklärt Xaver Koszczyc, einer der Ausbilder bei der SBG. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Guiseppe Baccellieri verkauft im Kundencenter Fahrscheine, berät Fahrgäste über Tarife, Zonen und Abfahrtszeiten, gibt telefonische Auskunft, verteilt Fahrpläne und nimmt Beschwerden entgegen. So bekommt er Einblick in Fahrpläne, Busse und Tarife im gesamten Gebiet der SBG, die im gesamten Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF) und darüber hinaus in Südbaden für den Busverkehr zuständig ist. "Die Beratung von Kunden und die Arbeit mit Kollegen im Kundencenter ist abwechslungsreich und macht mir sehr viel Spaß", erklärt Baccellieri.

Zweite Station im Betriebshof

Das Kundencenter ist nur einer von vielen Arbeitsbereichen in seiner Ausbildung. Einen weiteren hat der 25-Jährige mit italienischen Wurzeln im ebenfalls schon kennengelernt: Im Betriebshof, der Werkstatt der SBG, lernt der Auszubildende alles über die Funktion der Busse und deren Technik. In den klassischen Mechaniker-Overall gekleidet, beschreibt er seine Tätigkeiten so: "Wir pflegen, warten und reparieren die Busse, machen die Abfahrtskontrolle, Ölwechsel, Reifenwechsel oder bereitet die Busse für den TÜV vor." "Dieser Teil der Ausbildung ist sehr wichtig, denn man muss neben dem Fahren auch die Technik und die Busse kennenlernen. Es gibt auch einen technischen Teil der Prüfung am Ende Ausbildung", erklärt sein Ausbilder.

Erst mal Bus fahren lernen

Im SBG-Betriebshof ist alles eine Nummer größer als in einer normalen Autowerkstatt, denn die SBG führt neben normalen Bussen mit zwölf Metern Länge auch Dreiachser und Gelenkbusse, die 15 und 18 Meter lang sind. Die größte Herausforderung stellt damit logischerweise das Fahren da, die zentrale Arbeit eines Berufskraftfahrers im Personenverkehr. Dafür braucht man den speziellen Bus-Führerschein der Klasse D/E für Busse und Busse mit Anhänger. "Diesen erwirbt jeder Auszubildende während der Lehrzeit bei uns und er wird von uns bezahlt", sagt Koszczyc. Das Mindestalter dafür ist 18 Jahre, wobei man bereits ein Jahr den Pkw-Führerschein haben muss. "Man kann die Ausbildung auch schon früher beginnen, aber es ist von Vorteil, wenn man den Pkw-Führerschein der Klasse B bei Beginn der Ausbildung schon besitzt."

Direkt im Kundenkontakt

Baccellieri ist bereits 25 und fährt Auto, den Busführerschein aber hat er noch nicht. Deshalb freut er sich schon sehr darauf, diesen zu erwerben, um selbst fahren zu können. "Auf das Busfahren freue ich mich am meisten, ich bin früher oft mit meinem Vater und meinem Opa, die Lkw-Fahrer sind, mitgefahren. Das fand ich spannend und hat mich letztlich animiert, selbst Fahrer zu werden. Am liebsten aber im Busverkehr, denn ich mag es, im Kontakt mit Menschen zu arbeiten."

Der 25-Jährige wurde in Waldkirch geboren, lebte dann aber mit seiner Familie zunächst in Süditalien. Vor vier Jahren entschied er sich, ohne seine Familie zurück nach Kollnau zu kommen, um hier eine Ausbildung zu machen und zu arbeiten. "Da ich einige Jahre im Service in der Gastronomie gearbeitet habe, ist der Berufskraftfahrer der perfekte Beruf für mich, denn ich kann meine Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit meiner Leidenschaft, dem Fahren, kombinieren." Bis es allerdings soweit ist, ist Guiseppe erst noch Beifahrer: Vor der eigenen Fahrpraxis lernt er zuerst die Abläufe und den Alltag im Busverkehr kennen. "Es ist wichtig, die Strecken, Fahrpläne, Linien und Haltestellen zu kennen. Ein Navi, wie man es aus dem Auto kennt, haben wir im Bus nicht." Auf dem Display des Fahrkartendruckers steht die Haltestellenfolge, auch der Dienstplan ist dort hinterlegt. Die Betriebszeiten reichen von circa 4.30 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts. Da alle Zeiten abgedeckt sein müssen, arbeitet man in Schichtbetrieb in einer 38,5-Stunden-Woche. In der Werkstatt, dem Kundencenter und im Büro gelten die gewöhnlichen Geschäftszeiten.

Nach der Ausbildung möchte Baccellieri auf jeden Fall hier in Deutschland, am besten bei der SBG, Busse fahren, sagt er.

Mehr Infos zum Beruf unter www.bahn.de/suedbadenbus oder auf dem Betriebshof in Freiburg.