Kandertalbahn

Das Chanderli feiert am Samstag 50 Jahre Museumsbahnbetrieb

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Fr, 25. Oktober 2019 um 20:49 Uhr

Kandern

Seit 50 Jahren verkehrt das Chanderli als Museumszug. Bei einem Festakt am Freitag wurde dessen Bedeutung gewürdigt, am Samstag gibt es Jubiläumsfahrten und ein Bahnhofsfest.

Seit dem 25. Oktober 1969 verkehrt das Chanderli als Museumszug. Dies wurde am Freitag mit einer Jubiläumsfahrt und einem Festakt für geladene Gäste gefeiert, wobei die Bedeutung der Museumsbahn gewürdigt wurde. Am Samstag gibt es Fahrten und ein Fest für die Öffentlichkeit.

Herbstlich geschmückt waren die Lok T3/30, das eigentliche "Chanderli", und die Lok 20, als sie am Freitag um die Mittagszeit den Jubiläumszug mit 86 geladenen Gästen in den Haltinger Bahnhof zogen. Dabei war Fachsimpeln unter den zahlreichen Vertretern anderer Museumsbahnen angesagt. Zurück in Kandern leitete Alexander Meyer, erster Vorsitzender des Vereins Kandertalbahn, den Festakt in der Lokhalle ein. Er erinnerte daran, dass sich in den vergangenen 50 Jahren im Grunde "alles verändert" habe. Stellte damals noch die SWEG Lok- und Zugführer, so werde dies heute komplett von Vereinsmitgliedern übernommen.

Chanderli als "Imageträger" für Kandern

Der Kanderner Bürgermeister Christian Renkert, von Amts wegen Vorsitzender des Zweckverbands, der Mitte der 1980er Jahre mit dem Landkreis sowie weiteren Gemeinden gegründet wurde, den Betrieb der Museumsbahn vom Verein Eurovapor übernahm und diesen heute zusammen mit dem Verein Kandertalbahn sicherstellt, bezeichnete die Kandertalbahn als "Imageträger" der Stadt für Menschen aus nah und fern.
Gefeiert wird auch am Samstag, 26. Oktober mit Jubiläumsfahrten, einem Bahnhofsfest und Führungen im Lokschuppen. Dafür kommt auch die Museumsbahn Rebenbummler aus dem Breisgau zu Besuch. Fahrtzeiten ab Kandern um 9.10, 11.45, 14.30 und 16.50 Uhr (Rebenbummler) und ab Haltingen um 10.15, 11 (Rebenbummler), 13, 15.45 und 18 Uhr.

So sei Kandern vielen Menschen allein wegen des Chanderlis ein Begriff. Wie sehr dieses im Bewusstsein der Jüngsten verankert sei, zeige der Umstand, dass die Schülerinnen und Schüler, die von der Stadt regelmäßig gebeten würden, Motive für den Kinderstadtplan beizusteuern, zu 95 Prozent das "Chanderli" wählten.

"Die Emissionen der Museumsbahnen liegen auf dem Niveau von Fliegendreck."

Hans-Jürgen Credé, VDMT
Für Hans-Jürgen Credé, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Museums- und Traditionsbahnen, gehört die Kandertalbahn zu den "Vorzeige-Museumsbahnen in der Republik". 200 Museumsbahnen gebe es in Deutschland. Alle Bahnen zusammen verzeichneten im Jahr vier Millionen Fahrgäste und 80 Millionen Euro Umsatz, vom kulturellen Wert ganz zu schweigen.

Chanderli als Wegbereiter für eine mögliche S-Bahn

Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzdebatte ging er auch auf die Verbrennung von Kohle ein, die mit dem Museumsbetrieb einhergeht, was auch in Kandern immer wieder für Verstimmung bei Anwohnern sorgt. Credé sagte, dass alle Museumsbahnen in Deutschland zusammen 25 000 Tonnen Kohle pro Jahr verbrauchten, wohingegen allein das Grosskraftwerk Mannheim im Jahr 25 Millionen Tonnen Kohle verbrenne. "Die Emissionen der Museumsbahnen liegen auf dem Niveau von Fliegendreck", sagte er. Trotzdem müssten auch diese "alles Erdenkliche" tun, um die Emissionen weiter zu reduzieren.

Den Landkreis repräsentierte der erste Landesbeamte Ulrich Höhler. Er sagte, dass man durch die Gründung des Zweckverbands habe verhindern können, dass die Gleise abgebaut wurden. Nur dadurch sei es möglich, dass es nun ernsthafte Überlegungen für eine S-Bahn gebe. Gerd Hilligardt, Präsident des Vereins Eurovapor, der die Kandertalbahn im Jahr 1963 von der SWEG übernommen und später an den Zweckverband übergeben hatte, bezeichnete die Kandertalbahn als "Riesenerfolg".

Geschichte der Museumsbahn ist bestens dokumentiert

Der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz überbrachte Grußworte für die Anliegergemeinden und hatte eine Anekdote parat: Sein Großvater sei in Kandern für die Turmuhr zuständig gewesen. Er habe diese stets fünf Minuten vorgestellt – damit die Leute rechtzeitig zum Zügli kämen. "Damals waren die Züge nämlich noch pünktlich", sagte er. Gerlinde Dziedo überbrachte Glückwünsche vom Kanderner Werbering. "Wir leben vom Tourismus, und wir brauchen das Zügle in jeder Hinsicht", sagte sie.

Zum Abschluss demonstrierte Wolfgang Schleef mit seinem Bildvortrag, dass die Geschichte der Museumsbahn auch in Bildern nahezu lückenlos dokumentiert ist. Weil der Erfolg der Kandertalbahn nicht ohne das Engagement der Vereinsmitglieder denkbar wäre, nahm der Vereinsvorsitzende Alexander Meyer zuvor noch die Ehrung langjähriger Mitglieder vor (wir berichten noch).