Tarifreform

Das Ein-Euro-Ticket für Lörrach soll im Sommer kommen

Willi Adam

Von Willi Adam

Mo, 25. März 2019 um 19:30 Uhr

Lörrach

Lörrach will den Öffentlichen Verkehr attraktiver machen: Anfang August startet das neue Ein-Euro-Ticket für den Stadtbus. Die Stadt sieht sich mit der Tarifreform als Vorreiter.

Das neue Lörracher Ein-Euro-Ticket kommt voraussichtlich ab 1. August. Einen Block mit vier Fahrten gibt es dann für vier Euro. Diese vergünstigten Fahrscheine werden ausschließlich in Lörrach verkauft und gelten auch nur innerhalb des Stadtgebiets. Um dem Regio-Verkehrsverbund Lörrach (RVL) entgegenzukommen, wird die Verwendung der Ein-Euro-Tickets im morgendlichen Berufsverkehr nicht möglich sein. Oberbürgermeister Jörg Lutz sprach bei einem Mediengespräch am Montag dennoch von einem "Quantensprung" für den Öffentlichen Verkehr.

Es hatte einen gewissen Überraschungseffekt, als Oberbürgermeister Jörg Lutz mit der Vorlage seines Etatentwurfs für 2019 in der Vorweihnachtszeit die Idee präsentierte, für weniger als 200.000 Euro im Jahr einen günstigen Fahrschein für das Lörracher Stadtgebiet einführen zu wollen. Zum Start der Sommerferien soll der Plan Wirklichkeit werden. An speziellen Verkaufsstellen in der Stadt wird es dann eine Lörracher Version der "ViererCard" genannten Mehrfahrtenkarte des RVL geben. Allerdings wird dieser Block mit vier Fahrten in Lörrach nicht mehr acht, sondern nur noch vier Euro kosten.

Allerdings gibt es dafür auch Einschränkungen im Vergleich zur RVL-ViererCard: Der neue Citytarif gilt nur in Lörrach – und die Tickets werden nur an bestimmten Stellen in der Stadt verkauft. Das wird die Rathaustheke sein und die Touristinformation in der Unteren Wallbrunnstraße. Möglicherweise kommen noch andere Verkaufsstellen wie Kioske hinzu. Auch hofft der Oberbürgermeister darauf, dass der Lörracher Einzelhandel solche Karten der Kundschaft spendiert. In Bussen und an den Fahrscheinautomaten wird es das spezielle Lörracher Angebot jedoch nicht geben.

Ein-Euro-Ticket nicht im Berufsverkehr

Weil der RVL nicht von seiner auf Zeitkarten ausgelegten Strategie abweichen will, ist die Stadt Lörrach dem Verbund bei der Geltungsdauer des Citytarifs entgegengekommen. Damit es keinen Kannibalisierungseffekt hinsichtlich der Monatskarten gibt, ist die Verwendung der neuen Karten in den Spitzenzeiten des Berufs- und Schülerverkehrs ausgeschlossen. Werktags dürfen die günstigen Karten erst ab 9 Uhr verwendet werden. Trotz dieser Einschränkungen spricht OB Jörg Lutz von einem "Meilenstein". Lörrach betrete "Neuland" und stehe im Fokus der Nachbarstädte, die sich ähnliche Modelle überlegen und schauen, welche Erfahrungen in Lörrach gesammelt werden.

Ein Euro für eine Fahrt – damit hofft Lutz zusätzliche Nutzer in Busse und Bahnen zu bekommen. Dies sei ein wirklich guter Preis, schließlich handle es sich bei Lörrach nicht "um eine ganz kleine Stadt". Lutz selbst könnte sich noch weitergehende Tarifreformen vorstellen, beispielsweise ein Monatsticket für nur eine Zone, somit auch für das Stadtgebiet Lörrach. Doch Reformen am Tarifsystem seinen immer schwierig, weil es sich um ein komplexes System handle.

Mehr Menschen im öffentlichen Nahverkehr

Beim Ziel, mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bringen, müsste neben den Tarifen auch das Angebot stimmen. Vor diesem Hintergrund verteidigt Lutz auch die Neuerungen beim Lörracher Stadtbus. Die Linie 9, die den Salzert mit der S-Bahn in Stetten verbindet, habe mit etwa 200 Fahrten täglich für eine Zubringerlinie eine gute Auslastung. Den Sinn dieser Linie macht er nicht an der weitgehend ungenutzten Schleife durch Stetten-Süd fest.

Damit widerspricht OB Lutz vor der Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag auch den Freien Wählern, die die Linie 9 wieder einstellen wollen. Auch die verbesserten Angebote auf der Linie 8 würden passabel angenommen. Die neuen Haltestellen im Wölblin-Quartier, die auf Verlangen angefahren werden (Anrufsammeltaxi) seien eine kleine Verbesserung.

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