Tourismus

Das Elsass buhlt auch in New York um Weihnachtstouristen

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Do, 07. November 2019 um 15:32 Uhr

Elsass

Vier Millionen Besucher kommen in jedem Advent nach Straßburg und Umgebung. Werbung dafür wird in aller Welt gemacht – etwa durch einen elsässischen Weihnachtsmarkt mitten in Manhattan.

Weihnachten ist das stärkste Zugpferd der Tourismusbranche im Elsass. Vor rund 20 Jahren erfand sich Straßburg als Hauptstadt des adventlichen Tourismus neu und holte dafür auch die anderen Städte zwischen dem Sundgau und Wissembourg ins Boot. Inzwischen strömen jährlich vier Millionen Besucher in den Adventswochen ins Elsass. Da liegt es nahe, das erfolgreiche Image weiter in die Welt zu tragen. Jetzt geht es nach New York.

Elsässische Weihnachtsmärkte gab es vielfach in Asien

Die Wertschöpfung aus dem Ansturm auf die Weihnachtsmärkte beziffert die Tourismus-Agentur der Region Grand Est auf eine halbe Milliarde Euro. Um das noch zu steigern wurden schon in Japan (Tokio 2009 und 2010), in Russland (Moskau 2012 und 2013), China (Peking 2015), Taiwan (Taipeh 2016) und Südkorea (Seoul 2017) elsässische Weihnachtsmärkte aufgestellt. Diese Länder sind touristisch wichtige Märkte.

Auch die USA gelten bei der elsässischen Tourismusbehörde als interessant. Bisher sind amerikanische Touristen im Elsass zwar noch eine kleinere Gruppe, aber sie wächst. Nach langer Vorarbeit wird nun ein elsässischer Weihnachtsmarkt am 6. Dezember in bester Lage in Manhattan eröffnet: vor dem Bowling Greene Park am südlichen Broadway. "Der Standort ist strategisch äußerst günstig", sagt Marie-Reine Fischer, Vorsitzende der Tourismus-Agentur. Die Wall Street ist nicht weit.

Ein nettes Schmankerl ist zudem, dass der Schöpfer der New Yorker Freiheitsstatue, Auguste Bartholdi, in Colmar geboren wurde. In der Ferne werden die Besucher der Stände auf dem Weihnachtsmarkt die berühmte Lady entdecken können. Die Holzbuden sowie die gebotenen Spezialitäten und Produkte stammen zu 100 Prozent aus dem Elsass, versichert Patrice Geny, Geschäftsführer des Office de Tourisme Straßburg. Derzeit befänden sie sich auf dem Seeweg, in zwei Containern auf einem Frachtschiff im Nordatlantik.

Der Verkaufserlös ist nicht das wirtschaftliche Ziel der Operation, für die eine Reihe privater und öffentlicher Partner – darunter die Region Grand Est – insgesamt 1,2 Millionen Euro in die Hand nehmen. Für den elsässischen Winzerverband (CIVA) beispielsweise lohne sich die Investition, weil die USA der drittwichtigste Absatzmarkt für Weine aus dem Elsass sei, betont Nicole Bott vom Verwaltungsrat des CIVA. Der "Genuine French Christmas Market" ist ein Marketinginstrument erster Güte. Die Weihnachtsmärkte von Straßburg und Colmar rangieren bei Onlinebewertungen in den vergangenen Jahren stets ganz vorne.

1,1 Millionen Menschen bei Weihnachtsmarkt in Peking

2016 zog der elsässische Weihnachtsmarkt in Taipeh 900.000 Besucher an, jener in Peking 1,1 Millionen. New York bietet im Advent zudem den Vorteil, dass dort nicht nur Einheimische unterwegs sind und bei Glühwein und Lebkuchen Gefallen an dem Reiseziel Elsass finden könnten. Die Stadt selbst ist ein vorweihnachtliches Reiseziel, das Besucher aus aller Welt anlockt. Diese können bis zum 22. Dezember einen Weihnachtsbaum bestaunen, der zwar nur halb so groß wie der Straßburger von etwa 30 Metern Höhe ist. Dafür schmücken ihn Dekorationen aus dem Stoff, der alljährlich für den Weihnachtsmarkt in Mulhouse von einer Künstlerin neu entworfen wird.
Rückblick: Im vergangenen Jahr war der Straßburger Weihnachtsmarkt der Schauplatz eines Terroranschlags; drei Menschen starben, zwölf weitere wurden verletzt.

An den vorweihnachtlichen Holzbuden liegen Töpferwaren aus Soufflenheim und Betschdorf, Lebkuchen, Weihnachtsgebäck und geröstete Maronen aus. Elsässische Weine, Glühwein, Bier und Champagner gibt es zu verkosten – kein Stilbruch, schließlich liegen die Champagne wie das Elsass in der Region Grand Est.

Mit einem Glas in der Hand dürfen die New Yorker Marktbesucher allerdings nicht flanieren. Der Ausschank von Alkohol wird – so will es das US-amerikanische Gesetz – hinter ein Absperrgitter verbannt und dieses von Sicherheitsleuten bewacht.