Das Selbstbewusstsein wächst

dpa

Von dpa

Do, 23. Mai 2019

Eishockey

Nach der besten WM-Vorrunde aller Zeiten wollen die deutschen Eishockeyspieler mehr.

BRATISLAVA (dpa). Schluss mit der Bescheidenheit – Deutschlands Eishockey-Team fühlt sich bei der WM in der Slowakei reif für den Coup. Mit großer Zuversicht und enormem Selbstbewusstsein reiste das Team am Mittwoch mit einem Sonderzug von Kosice nach Bratislava. Dort soll am heutigen Donnerstagabend gegen den zwölfmaligen Weltmeister Tschechien (20.15 Uhr/Sport 1 und DAZN) die Überraschung gelingen. "Ich finde ja, dieses Tiefstapeln sollten wir jetzt ablegen als Deutschland", forderte Kapitän Moritz Müller vor der Abreise. "Warum nicht ins Viertelfinale gehen und sagen: Wir wollen ins Halbfinale! Wir denken auf jeden Fall, dass die Tschechen machbar sind." Zuletzt hatte Deutschland 2010 bei der Heim-WM durch ein 1:0 gegen die Schweiz das Halbfinale erreicht. Die letzte WM-Medaille liegt gar 66 Jahre zurück. Dennoch wächst das bereits unter dem früheren Bundestrainer Marco Sturm gestiegene Selbstvertrauen auch unter Nachfolger Toni Söderholm weiter.

"Wenn wir wieder als kompakte Einheit auftreten wie zuletzt, dann haben wir sicher eine Chance. Das Wichtigste ist jetzt der Glaube an uns selbst", forderte der Finne, der die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds zur besten WM-Vorrunde überhaupt geführt hatte. Fünf Siege in der Vorrunde hatte es noch nie gegeben.

Besonders beeindruckend war dabei die Art und Weise, mit der das deutsche Team den Top-Nationen inzwischen begegnet. Söderholm hat die Spielweise weiterentwickelt und die Abkehr vom Defensiv-Stil zum mutigen Kreativspiel mit mehr Puckbesitz funktioniert. "Wir fangen an, mit solchen Nationen mitspielen zu können. Wir müssen uns einfach nicht mehr hinten reinstellen und hoffen, dass wir mit Glück irgendwie gewinnen. Im Gegenteil: Wir waren teilweise die bessere Mannschaft", sagte Weltklasse-Stürmer Draisaitl nach seiner Gala mit zwei Toren und einer Vorarbeit beim 4:2 am Dienstag gegen Finnland. Durch den überzeugenden Sieg sprang die DEB-Auswahl noch auf Platz drei in der Gruppe A und vermied das Viertelfinal-Duell mit Top-Favorit Russland.

Die WM in der Slowakei, die nach Rücktritten mehrerer Silbergewinner eigentlich ein weiteres Übergangs-Turnier werden sollte, bestätigt schon jetzt den Aufschwung im deutschen Eishockey. In den sieben Vorrundenspielen hatte sich Deutschland nur beim 1:8 am Samstag gegen Kanada eine Auszeit genommen. Danach krachte es. "Ich glaube schon, dass noch mehr geht. Wir werden stärker, wir müssen auch stärker werden. Und dann können wir jeden schlagen", sagte Trainer Söder-holm. Das kommt an. "Wir haben jetzt keine Angst. Im Gegenteil: Wir glauben an uns. Genau wie Toni an uns glaubt", sagte Müller.