BZ-Check

Das Verkehrsproblem treibt viele in Offenburg um

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 11. September 2021 um 14:00 Uhr

Offenburg

Die ersten Zwischenergebnisse des "BZ-Check Südliche Ortenau" liegen für die Stadt Offenburg vor. Die Zufriedenheit mit der Lebensqualität ist groß, Kritik gibt es dagegen am Verkehr.

Der BZ-Check der Badischen Zeitung in der südlichen Ortenau hat in der ersten Woche bereits eine sehr große Resonanz gefunden. Rund 1200 Menschen haben teilgenommen und ihre Kommunen bewertet, davon 149 aus Offenburg. Es zeigt sich bei notwendiger Kritik, dass eine große Zufriedenheit mit der Lebensqualität in Offenburg vorherrscht. Hauptthema kritischer Kommentare ist die Verkehrssituation.

Hohe Lebensqualität
"Ich bin sehr zufrieden", "Alles ziemlich gut!" "Seit acht Jahren bin ich in einer Mietwohnung in der Innenstadt und dabei sehr zufrieden!" "Nicht weitersagen ... Offenburg ist toll :-)" oder "Ich fühle mich in der Ortenau sehr wohl und genieße es jeden Tag." Solche Aussagen von Teilnehmenden an der BZ-Umfrage zeigt, wie hoch die Lebensqualität grundsätzlich eingeschätzt wird. Klar, dass es dennoch Verbesserungsbedarf gibt.
Wie funktioniert der BZ-Check?

Die Umfrage "BZ-Check in der Ortenau" dauert noch bis zum 26. September. Die Online-Umfrage ist freigeschaltet unter http://mehr.bz/bzcheck-ortenau

Weitere Informationen darüber, wie der BZ-Check funktioniert, stehen unter http://mehr.bz/bz-check

BZ-Check am BZ-Mobil: An den Dienstagen, 14. und 21. September, 10 bis 14 Uhr steht das BZ-Mobil mit der Möglichkeit, vor Ort an der BZ-Umfrage teilzunehmen, vor dem Offenburger Rathaus.

Verkehrssituation
Verstopfte Straßen, Lärm, Gestank, zugeparkte Rad- und Gehwege, die Qualität der Fahrradwege, die Radschutzstreifen ... Zu diesen Themen landeten die meisten Kommentare in der ersten Woche bei uns an. Dass Stadtverwaltung und Gemeinderat den Masterplan Verkehr als große Zukunftsaufgabe angepackt haben, spiegelt die Dringlichkeit des Themas wider. Vorschläge wie "dezentrale Parkhäuser mit optimalem Pendelverkehr", mehr Ladestationen für E-Autos, Busse raus aus der Hauptstraße, besseres Radwegenetz zeigen das starke Problembewusstsein. Die immer noch virulente Kritik an den Radschutzstreifen, die trotz wenig auffälliger Unfallhäufigkeit offenbar dem Sicherheitsbedürfnis vieler Radler entgegenstehen, ebbt nicht ab.

Wohnen
"Bezahlbarer Wohnraum ist kaum zu bekommen und eine Seniorenwohnung, die ich bezahlen kann ist in absehbarer Zeit erst recht nicht zu bekommen. In den Außenbezirken von OG mag ich nicht wohnen." Es braucht dringend mehr bezahlbaren Wohnraum, schreiben Leserinnen und Leser der Stadt ins Stammbuch.

Gesundheit
Die Krankenhausschließungen durch den Kreistag werden in der Umfrage kritisiert, auch die Qualität der Patientenversorgung in den Offenburger Kliniken. Kritik gibt es auch am Schutz der Kinder in Betreuungseinrichtungen und Schulen vor der Infektion mit dem Coronavirus.

Einzelhandel und Gastronomie
Ein Fehlen von Delikatessen- und Feinkostgeschäften sowie von Geschäften für hochwertige Geschenkartikel, wird kritisiert. Mehr Lebensmittelhandel in der Stadt, lautet eine Forderung. Es fehle an guten Cafés, an gehobener Gastronomie, an Vielfalt im Einzelhandel. Mehr "richtige Bio-Läden und Informationen dazu", wünscht sich ein Teilnehmender.

Politik
Mehr Transparenz wünschen sich Teilnehmende beim Verwaltungshandeln, andere, "dass Offenburgs Rathaus mehr an die Bürger der Stadt als an Gastronomen, Ladenbetreiber und Gewerbe denken."Bürgerinteressen wie Verkehrsberuhigung, Lärmreduzierung et cetera, finden kein offenes Ohr", heißt es. Es fehle ein ganzheitliches Konzept für die Bürger, aus dem hervorgeht, wie die Stadt in 20 Jahren hinsichtlich Verkehr, Lärm, Klima, Versorgung, Nachhaltigkeit aussehen wird. Hier sollten allerdings der Masterplan Verkehr und die städtebaulichen Maßnahmen für die Landesgartenschau 2032 Verbesserungen bringen. Die Mentalität der Menschen in Offenburg sei zu sehr vom hierarchischen Denken geprägt, lautet eine andere Kritik. Etwas mehr Gelassenheit wäre manchmal gut am Platze, sowohl kommunalpolitisch als auch journalistisch.

Junges Offenburg
Zur Familienfreundlichkeit in Puncto Kinderbetreuung und Schule gibt es positive Rückmeldungen. Allerdings seien für junge Menschen die Kommune und das Umland leider wenig attraktiv. "Unsere erwachsenen Kinder leben jetzt mit oder ohne Familien in Lübeck, Hamburg, Düsseldorf und London", klagt eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer.

Sicherheit
Dringenden Handlungsbedarf sieht ein/e Teilnehmer/in im Bereich des Bahnhofes und Busbahnhofes. Dort "sind ich und Familienmitglieder immer wieder mit unangenehmen Situationen konfrontiert worden. Polizei oder Überwachung fehlen hier völlig. Hilfe bei Übergriffen wird kaum gewährt. Gleiches gilt für die Innenstadt. Weiterhin sollten Schulen besser vor Vandalismus und Vermüllung geschützt werden. Abends halten sich häufig Männergruppen auf den Pausenhöfen auf, konsumieren Alkohol und Drogen und vermüllen diese Bereiche."
Lob und Kritik für die BZ

Auch zur Berichterstattung der BZ haben sich manche Teilnehmenden in Kommentaren geäußert. Dabei reicht das Spektrum vom großen Lob "Badische Zeitung TOP" bis zu Kritik am Umfang, an Schwerpunktsetzung der Berichterstattung der Redaktion Offenburg sowie an der Zustellung im Abonnement. "Ich bin froh an der Badischen Zeitung, hätte aber gerne mehr Infos aus Offenburg und Umgebung", ist ein Beispiel. Auch die mit der Pandemie einhergehende temporäre Umfangeinschränkung wird kritisiert: "Die Abschaffung der regionalen Kulturseite finde ich sehr bedauerlich und halte sie für einen Fehler." Grundsätzlich wird die redaktionelle Linie der Lokalredaktion gut geheißen: "Badische Zeitung berichtet kritisch, das sollte so bleiben. Die journalistische Qualität der Lokalredaktionen ist sehr wichtig. Hier sollte nicht gespart werden." Ein Appell zu "mehr Gelassenheit" ist auch dabei, "sowohl kommunalpolitisch als auch journalistisch" – und die Klage eines Abonnenten, dass die Zustellung zuweilen zu spät stattfindet.