Friedensnobelpreis

Das Welternährungsprogramm versorgt jährlich 100 Millionen Menschen mit Essen

dpa

Von dpa

Fr, 09. Oktober 2020 um 18:17 Uhr

Ausland

Das Welternährungsprogramm der Vereinten bekämpft seit Anfang der 1960er den Hunger. Dafür wurde die Organisation mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Mehr als 17.000 Frauen und Männer im täglichen Kampf gegen den weltweiten Hunger: So groß ist die Zahl der Mitarbeiter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP). Manche arbeiten in Büros in Rom, Genf oder Berlin, entwickeln Konzepte, wie man mit Lastwagen, Schiffen und Geld Millionen Notleidende mit Essen versorgt.

Viele andere packen ihren Rucksack bei Erdbeben, Dürren, Überflutungen. Oder wenn Menschen wieder einmal irgendwo auf der Welt vor Krieg fliehen müssen. Oft leben sie wochenlang in Zelten. Riskieren Gesundheit und Leben. Nun werden sie mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

So lässt es sich als Signal für die Art des Vorgehens dieser UN-Organisation lesen, dass WFP-Chef David Beasley bei der Bekanntgabe der Auszeichnung mit dem wohl wichtigsten politischen Preis der Erde gerade in Afrika unterwegs war. Im Feld, wie die große Masse seiner Leute auch. "Ich bin gerade in Niger. Gestern war ich in Burkina Faso. Dort ist die Situation ziemlich instabil", sagte Beasley dem norwegischen Rundfunksender NRK. "Jemen, die Demokratische Republik Kongo, Syrien. Es gibt so viele Orte. Dutzende Länder haben Probleme wegen Covid-19 und des wirtschaftlichen Rückgangs."

Die "WFP-Familie" sei ohne Unterlass im Einsatz an den "kompliziertesten, komplexen Plätzen" der Welt, sagte Beasley dann noch in einem Video auf Twitter. Der 63-jährige Amerikaner war in den 90er-Jahren Gouverneur des Bundesstaats South Carolina. Beasley ist Republikaner – wie Donald Trump, der US-Präsident, der den Vereinten Nationen häufig gar nichts abgewinnen kann. Beasley hatte 2017 die Führung der größten Hilfsorganisation der Welt zum Kampf gegen den Hunger übernommen.

4,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel

Das WFP versorgt nach eigenen Angaben Jahr für Jahr rund 100 Millionen Menschen mit Essen. 2019 unterstützte das Anfang der 1960er-Jahre gegründete Programm Bedürftige in 88 Staaten. 4,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel wurden zur Verfügung gestellt. Außerdem gab es 2,1 Milliarden Dollar (1,78 Milliarden Euro) als Bargeld und in Form von Gutscheinen an Notleidende. Damit will die UN-Organisation sicherstellen, dass lokale Produzenten nicht durch externe Essenslieferungen behindert, sondern ebenfalls gefördert werden.

Das WFP verfolgt neben der Nothilfe eine längerfristige Entwicklungsstrategie. In den vergangenen zehn Jahren habe die Stützung der lokalen Wirtschaft, etwa durch Bargeldtransfers, stark an Gewicht gewonnen. Das Programm sammelt die Mittel nur aus freiwilligen Zahlungen ein. 2019 konnten die Helfer die bisher höchste Gesamtsumme akquirieren: acht Milliarden Dollar. 60 Länder, auch Deutschland als zweitgrößter Geber, finanzieren die Programme. Firmen und Privatleute können spenden.

Pandemie war ein zusätzlicher Grund für die Entscheidung

Das Nobelkomitee erläuterte in Oslo, Hunger sei eine der ältesten Waffen der Welt. Die Corona-Pandemie sei ein zusätzlicher Grund für die Entscheidung gewesen. Außerdem scheine es derzeit einen Mangel an Respekt vor Multilateralismus zu geben, sagte die Vorsitzende Berit Reiss-Andersen. Namen nannte sie nicht. Das dürfte aber als Fingerzeig in Richtung Trump verstanden werden.

Am Hauptsitz des Welternährungsprogramms außerhalb Roms war der Jubel groß. Dort arbeiten zwar viele wegen Corona nicht im Büro, sondern im Homeoffice. Am Telefon berichtete eine Mitarbeiterin, dass man sich als internationales Team gemeinsam über die "globale Beachtung unserer Arbeit" freue.

"Wenn wir den Hunger bekämpfen, ist das auch ein Weg, Konflikte zu entschärfen. Es ist ein Weg zu mehr Frieden." Bettina Lüscher
In Berlin betonte WFP-Chefsprecherin Bettina Lüscher, man befürchte in diesem Jahr besonders wegen der Pandemie eine Verdoppelung der Zahl der Menschen, die akut Hunger leiden. "Wenn wir den Hunger bekämpfen, ist das auch ein Weg, Konflikte zu entschärfen. Es ist ein Weg zu mehr Frieden", sagte sie. Und die UN-Organisation insgesamt schrieb: "Der heutige Tag ist eine Erinnerung daran, dass gesicherte Ernährung, Frieden und Stabilität Hand in Hand gehen."