"Das Zusammenziehen war mein Highlight"

Anika Maldacker

Von Anika Maldacker

Do, 31. Dezember 2020

Freiburg

Die 19-jährige Johanna Wildi hat zum Wintersemester in Freiburg angefangen, digital Biologie zu studieren – und mit ihrem Freund eine Wohnung gefunden.

Reisen, Pläne schmieden, bei den Eltern ausziehen, studieren: Anfang 20 genießen viele junge Menschen ihre neue Freiheit – und haben oft das Problem, sich vor lauter Möglichkeiten nicht entscheiden zu können. Von dieser Flut an Optionen blieb in der Corona-Pandemie wenig. Junge Erwachsene mussten Reisen abbrechen oder traten sie gar nicht an; oder begannen ihr Studium vor dem Computer. Auch Johanna Wildi musste ihren Auslandsaufenthalt im norwegischen Trondheim im März unterbrechen. "Innerhalb von 24 Stunden habe ich mich entschieden, das Land zu verlassen, weil ich Angst hatte, sonst festzustecken", erinnert sie sich. Sie hatte dort auf einer Farm und in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gearbeitet. Die daran anschließende Reise durch Skandinavien mit ihrem Freund war schon nicht mehr möglich. Stattdessen musste die 19-Jährige in der Heimat in Konstanz eine Woche von Eltern und Geschwistern isoliert leben.

Aber nicht alles war schlecht in diesem Jahr. Denn für das Wintersemester 2020/21 bewirbt Johanna Wildi sich an der Uni Freiburg für Biologie – und wird angenommen. Und anstatt im Stress des Freiburger Wohnungsmarkts zu versinken, finden sie und ihr Freund innerhalb kurzer Zeit eine kleine Wohnung zusammen. "Wir haben uns beide mehr oder weniger unabhängig für Freiburg als Studienort entschieden", sagt Johanna. Die beiden haben zunächst eher aus Spaß nach einer gemeinsamen Wohnung gesucht. Nach vier Besichtigungen hat es geklappt. "Das war eines meiner Highlights", sagt Johanna rückblickend. Denn in Zeiten von Quarantäne und Lockdown ist es für sie eine schöne Sache, nicht alleine zu wohnen. "Es klingt natürlich auch spannend, wenn Kommilitonen von großen WGs mit sechs oder sieben Bewohnern erzählen", sagt Johanna, "aber so fühlt es sich auch gut an". Auch wenn sie froh ist, nicht allein nach Freiburg gekommen zu sein, so vermisst sie dennoch das unkomplizierte Kennenlernen von Kommilitoninnen und neuen Leuten. Da das ganze Studium digital läuft, findet auch das gegenseitige Kennenlernen der Erstsemester oft am Bildschirm statt. Mit einer Kommilitonin hat Johanna sich schon getroffen und angefreundet. Mit zwei anderen Freundinnen lernt sie über Zoom Physik. Das hat Auswirkungen: "Meine Bildschirmzeit lag vergangene Woche bei mehr als sieben Stunden", sagt Wildi. Pro Tag.