Den Handel fit für die Zukunft machen

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Do, 15. April 2021

Bad Krozingen

Bad Krozinger Gemeinderat beschließt neues Einzelhandelskonzept / Diskussion zu Innenstadt-Stärkung und Lebensmittelversorgung.

. Wohin geht die Reise des Bad Krozinger Einzelhandels? Mit Gewissheit kann dies – gerade in Pandemie-Zeiten – niemand sagen. Mit einem am Montag im Gemeinderat vorgestellten Einzelhandelskonzept will sich die Stadt gleichwohl rüsten für die Zukunft. Während Verwaltung und Gutachten ein relativ positives Bild der zurückliegenden Entwicklung zeichneten, sah der Gewerbeverbandschef und Gemeinderat Peter Lob Verbesserungsbedarf. Diskutiert wurden insbesondere die Stärkung des Zentrums und die Lebensmittelversorgung im Süden.

Es ist zunächst mal nur ein Gutachten, eine Orientierungshilfe für die weitere Stadtentwicklung. Das betonte nicht zuletzt Christian Thomann, Leiter des Bad Krozinger Dezernats für Finanzen und Wirtschaftsförderung. Doch aus Sicht der Verwaltung wurde die Standortneubewertung für den Einzelhandel nötig durch verändertes Konsumverhalten, Stichwort Onlinehandel, und die Einwohnerzahl, die seit dem letztmals erstellten Gutachten 2011 um rund 2500 Menschen gewachsen ist. Dazu bildet das Konzept die Grundlage für die städtische Bauleitplanung, die Fortschreibung des Regionalplans und die Ausweisung des zentrenrelevanten großflächigen Einzelhandels.

Wo sind Versorgungslücken, wie entwickeln sich Angebot, Kaufkraft und Bevölkerung, welche Rolle nimmt Bad Krozingen als Versorger zwischen den umliegenden Gemeinden ein? Es sind nur ein paar Fragen des weit gefassten Rahmens, die Markus Wagner von der bundesweit tätigen Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in dem Gutachten aufgreift. "Grundsätzlich ist die Innenstadt hinsichtlich Besatz und Leerstand gut aufgestellt", so Wagner. Und doch befindet sich sehr viel im Wandel.

Die Kaufkraft etwa legte zu, allerdings fließt davon, so Wagner, einiges in den Online-Handel. Peter Lob ergänzte, dass dieser Zugewinn auch mit dem großen Hieber-Markt zusammenhänge, weniger mit der Innenstadt. Dem starken Bevölkerungswachstum kommt, so der Gutachter, gerade die Lebensmittelversorgung nur ungenügend nach und hat Verbesserungsbedarf. Dabei hat die Stadt in diesem Bereich gar nicht mehr die starke Magnetwirkung wie früher, da sich auch in kleineren Orten mehr Lebensmittelhändler niedergelassen haben.

Als anzustrebendes Ziel für eine attraktive Innenstadt nannte Wagner eine Verbindung von Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und einladenden Aufenthaltsmöglichkeiten. Also nicht mehr "nur" Shopping. Wie viel von dieser schön anmutenden neuen "Multifunktionalität" (Wagner) allerdings realistisch ist, wird sich erst zeigen müssen.

Die Sorgen der Gemeinderäte sind eher in der Gegenwart. "Wir bekommen jetzt kaum alle Flächen mit attraktiven Geschäften gefüllt, dazu kommen die neuen Gebäude beim Rathaus und die Pandemie werden manche nicht überstehen – da halte ich es für wichtig, dass wir uns auf die Innenstadt konzentrieren", sagte Ulf Ortner (Grüne) mit Blick auf die Freiburger Straße. Dieser Bereich war von Gutachter Wagner zuvor als Verbindungsstück zwischen den Märkten im Norden und der Innenstadt sowie als "Tor zur Innenstadt" bezeichnet worden. Später präzisierte er, dass der Schwerpunkt zunächst in der Innenstadt liegen sollte. Auch Peter Lob mahnte, dass erst in der Innenstadt die Hausaufgaben mit Parkleitsystem und Fußgängerleitsystem gemacht werden sollten.

Vor allem den Einwand, wonach Verkaufsflächen nicht immer gefüllt werden könnten, wollte Dezernent Thomann so nicht stehen lassen: "Wir haben keinen Leerstand in der Stadt und konnten auch neue Flächen besetzen." Bürgermeister Volker Kieber ergänzte: "Auch für die neue Mitte gibt es zahlreiche Anfragen, auch von Händlern aus Freiburg." Die Gespräche mit dem verantwortlichen Bauträger Wobag verliefen sehr positiv. Dabei wolle man darauf hinwirken, dass in den neuen Gebäuden keine Konkurrenz zu umliegenden Geschäften und Metzgereien entstehen. Zwar goutierten die Räte die positiven Signale, mehrmals aber wurde der Wunsch geäußert, das Gremium möge doch häufiger informiert werden. Auch beim Thema Lebensmittelversorgung befinde sich die Stadt in der richtigen Richtung. "Für das Hieber-Lädele liegen weitere Anfragen vor. Sollte dies rausgehen, wäre morgen ein anderer Händler drin", so Kieber. Die Sorgen von Ulf Ortner, ein neuer Händler im Süden der Stadt nahe des Hieber-Lädeles würden diesen zu sehr unter Druck setzen, konnte der Bürgermeister so nicht teilen.

Einigkeit herrschte bei der Überlegung, im noch weiter südlichen gelegenen Stadtgebiet einen weiteren Lebensmittelhändler anzusiedeln. "Dort sind rund 8000 Menschen ohne eigenen Nahversorger", so Gutachter Wagner. CDU-Fraktionschefin Sabine Pfefferle verwies dabei auch auf die Anschlüsse an Tunsel und Schlatt. Sie drängte auch darauf, dass "endlich der Standort Hausen gestärkt wird". Laut Bürgermeister Kieber wären dort geeignete Flächen vorhanden. Vor der Planung müssten aber Gespräche mit dem Regionalverband stehen.

Auch wenn mit dem Gutachten keine konkreten Beschlüsse verbunden waren, nahm es der Gemeinderat einstimmig zur Kenntnis. Auch Bürgermeister Kieber sieht in dem Gutachten "eine gute Basis" für die weitere Entwicklung. Weitere Gespräche von Verwaltung, Gewerbeverband und Gutachter sollen bald folgen.