Nachruf

Der BZ-Mitarbeiter Paul Berger aus Zell ist gestorben

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Mi, 02. Dezember 2020 um 17:33 Uhr

Zell im Wiesental

Der BZ-Mitarbeiter Paul Berger ist mit 74 Jahren gestorben. Der Mann aus Zell-Riedichen war fast 50 Jahre lang mit Block und Foto im Oberen Wiesental unterwegs. Ein Nachruf

Mit großer Betroffenheit ist die Nachricht im Oberen Wiesental aufgenommen worden, dass Zeitungsreporter Paul Berger nach schwerer Krankheit gestorben ist. Er war fast 50 Jahre lang als freier Journalist und Fotograf im Einsatz und vielen Menschen bekannt als der Mann von der Zeitung. Dabei hatte er einen anderen Hauptberuf gelernt und bis zum Jahr 2010 ausgeübt.

Fotografieren und Filmen waren schon früh das Hobby von Paul Berger, der auf einem Hof in Zell-Henschenberg aufgewachsen ist.

Davon zeugen heute noch zahlreiche Super 8-Filme, die er damals mit der Familie gedreht hat. In Zell besuchte er die Realschule, der sich eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Lörrach anschloss. Später arbeitete er in den Sparkassenfilialen in Atzenbach und Hausen. Zur Zeitungsarbeit kam er durch den Kontakt mit Hubert Döbele, dem damaligen Leiter der BZ-Redaktion in Zell. Zu jener Zeit wurden die Fotoaufnahmen noch bei Foto Schmittel in Zell entwickelt und in der Redaktion die maschinengeschriebenen Berichte abgegeben, erinnert sich seine Frau Rosa Berger. Das Paar war 43 Jahre verheiratet.

Verlässlich auch am späten Abend

Nach Feierabend war Paul Berger für die Aufträge der Badischen Zeitung da. Ob Konzerte, Vereinsversammlungen, Feste oder Pressegespräche: Auf Paul Berger konnte man sich verlassen, auch wenn die Ereignisse einmal länger dauerten oder sich in den späten Abend hinzogen. Er schaute genau hin und hörte sich unvoreingenommen alles an. Manchmal übernahm er mehrere Aufträge an einem Wochenende und stellte sicher, dass sich alles Wichtige in der Zeitung wiederfand.

In Erinnerung bleiben auch seine gekonnten Porträtfotos, Gruppenbilder und Landschaftsaufnahmen. Zuweilen kämpfte er in der Redaktion für seine Bilder, wenn der Platz dafür knapp war; nicht aus Eitelkeit, sondern weil er die Motive von hier als bedeutsam und informativ für den Lokalteil empfand.

Auf winterlichen Bergstraßen im Einsatz

Geschont hat er sich für seine Leidenschaft nie. Selbst wenn es auf winterlichen Straßen Termine in Aitern, Wieden oder Präg gab, Berger setzte sich unverdrossen ins Auto und fuhr dorthin, wo etwas los war und Menschen etwas zu sagen hatten. Dabei war es ihm gleich, welche Stellung ein Mensch hatte: Vereinsmusiker, Kirchengemeinderäte, Dirigenten, Bürgermeister, Leute von nebenan und Abgeordnete – sie wurden von ihm alle mit demselben Respekt und derselben journalistischen Distanz behandelt. Sich bei Konflikten auf eine Seite zu schlagen, war nicht seine Sache – es ging ihm vielmehr um eine ausgewogene Darstellung.

Eines von vielen Beispielen für Paul Bergers Tatkraft spielte sich vor drei Jahren am Belchen ab: Eine Sonnenaufgangswanderung zu seinem Lieblingsberg war kurzfristig abgesagt worden, doch die Teilnehmerinnen und Teilnehmern erfuhren davon erst am Treffpunkt. Für den Rentner kein Grund aufzugeben: Er marschierte mit seiner Frau im Dunkeln einfach ohne Wanderführer hoch auf den 1414 Meter hohen Berggipfel und brachte der Zeitung eine toll bebilderte Geschichte mit. Wanderungen zählten ebenso zu seinen Hobbys wie Politik, Geografie und Religion. Er war belesen und reiste gerne mit seiner Frau, nach dem Rentenantritt waren sie häufiger in Nordeuropa und den USA unterwegs.

Elf Jahre als Ortsvorsteher von Riedichen engagiert

Paul Berger übernahm auch selbst Verantwortung in der Kommunalpolitik: Von 1989 bis 1999 hatte er für die CDU einen Sitz im Gemeinderat der Stadt Zell. Er war außerdem elf Jahre lang Ortsvorsteher in seinem Wohnort Riedichen (1984 bis 1995). In seine Amtszeit fällt unter anderem die 550-Jahr-Feier von Riedichen mit einer neuen Präsentation der Skulptur Maria mit Jesus (Pieta) in einer Natursteingrotte, die heute noch den Dorfplatz in dem Bergdorf aufwertet.

Hier wuchs auch Sohn Klaus auf. Auf ihn und dessen vier Kinder war Paul Berger besonders stolz; einmal die Woche war bis vor kurzem "Enkeltag" in Merzhausen angesagt. Das war übrigens der einzige Tag, an dem Berger für die BZ grundsätzlich Terminwünsche absagte. Darüber hinaus war er bis zum Sommer im Einsatz zwischen Hausen und Todtnau, Riedichen und Wiedener Eck.

Nach einer schweren Krankheit ist Paul Berger am 27. November im Alter von 74 Jahren verstorben. Er wurde am Mittwoch im Kreis von Familie und Freunden auf dem Friedhof in Atzenbach beigesetzt.