Der Dialekt als Identität stiftendes Band

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mi, 19. Februar 2020

Weil am Rhein

Elsässische und alemannische Mundartakteure zu Gast bei VHS und Verein für Heimatgeschichte.

WEIL AM RHEIN. Illustre Gäste aus dem Elsass hatte der Weiler Verein für Heimatgeschichte und Volkskunde gemeinsam mit der Volkshochschule zum "Lichtgang" eingeladen. Damit wolle man, wie Vorsitzender Uwe Kühl sagte, die Bemühungen der Nachbarn um den Erhalt der elsässischen Sprache unterstützen. Der stimmungsvolle Abend "Z‘liecht go" im vollbesetzten Gewölbekeller des Alten Rathauses wurde ein vielstimmiges Plädoyer für die Mundart auf beiden Seiten des Rheins.

Die Sängerin Colette Greder aus Hegenheim, begleitet von Andrej Ichtchenko am Akkordeon, stimmte die Zuhörer mit einem elsässischen Lied über eine Kassiererin ein, in dem es um alte und neue Zeiten ging. Mit Charme unterhielt die Chansonette mit einem Lied auf Baseldütsch über eine Situation, die jeder kennt: das Schlange stehen am Postschalter. In ihrem Element war die zierliche Sängerin mit der großen Stimme auch in hinreißenden Chansons von Edith Piaf.

In einem mit Bildprojektionen illustrierten Vortrag erzählte Yves Bisch aus Sierentz, langjähriger "Schulmeister", von seinem vehementen Einsatz für die elsässische Sprache. Das Elsass bestehe nicht nur aus Geranien, Gugelhupf und Flammenkuchen, räumte er humorvoll mit Klischees auf. Er erinnerte an neun Nobelpreisträger aus dem Elsass, an große elsässische Dichter wie Nathan Katz, verwies auf den drei Kilometer langen "Dichter-Weg", auf dem alle paar hundert Meter ein elsässisches Gedicht zu lesen ist. Bisch erklärte anschaulich, wie er in Kindergärten, Schulen und Seniorenheime geht, damit die elsässische Sprache nicht verschwindet, sondern wieder belebt wird. Er sei sogar mit der "Miss France" in die Schulen gegangen. In Schopfheim habe er mit Schülern im Gymnasium elsässisch geredet, woraufhin einige ebenfalls im Dialekt sprachen: "Die Kinder haben das Alemannische in sich", so Bisch.

Das Alemannische hochleben zu lassen, zu zeigen, was für verschiedene Nuancen die Mundart beidseits des Rheins hat, ist der Dichterin Christa Heimann-Buß aus Kandern ein Herzensanliegen: Drei Länder, eine Sprache. Sie trug ein Gedicht über die "Regio am Rhy" vor, über die Verbundenheit zwischen Elsass, Schweiz und Markgräflerland und den Rhein als verbindendes Element. In "Hebel-Alemannisch" berührte Christa Heimann-Buß mit dem liebevollen Gedicht "Deheim" über ihr Heimatdorf Sitzenkirch, das 900 Jahre alt wird. Für die Dichterin ein Anlass, auf ihre Kindheit, ihre Wurzeln zurückzuschauen. In dem Vers "Alles lätz" erinnerte sie an einen früheren Jänner ohne Schnee und Eis, einen ähnlich warmen Winter wie heuer. Zum Schmunzeln regte ihr Gedicht "Moderne Zit" über eine WhatsApp-Gruppe in der Vogelwelt an. Jahreszeitlich passend amüsierte sie mit einem Gedicht über die Fasnacht im Dreiländereck, Narren im alten Häs, Guggemusik, Buurefasnacht und Morgestraich. Als Reverenz an den alemannischen Dichterfürsten trug zum Schluss Elfi Koppenhöfer in Tracht ein Hebel-Gedicht über einen schneereichen Winter vor.

VHS-Leiter Tom Leischner fand es wichtig, dass der Dialekt gelernt und gelebt wird, und Werner Hagenbach vom Verein ermunterte, im Alltag alemannisch zu "schwätzen".