Kaufhaussanierung und mehr Grün

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Do, 12. September 2019

Emmendingen

Großer Andrang und viel Zustimmung bei der Vorstellung der neuen Ideen für das Kaufhaus und das Wehrle-Werksgelände.

EMMENDINGEN. Das ehemalige Kaufhaus Krauss soll saniert, die Parkplatzfrage dezentral gelöst, der Mühlbach teilweise geöffnet und mehr Ökologie im Bereich des Wehrle-Werks geschaffen werden. Das sind die wichtigsten Neuerungen des Konzepts für Flächen von Wehrle-Werk und Kaufhaus, die am Dienstagabend in der überfüllten Werkskantine vorgestellt wurden. Und obwohl Detailfragen noch offen sind – insbesondere in der Gestaltung des Bereichs zwischen Unternehmen und Kaufhaus – gab es viel Lob für diese Lösung; auch von ehemaligen Kritikern.
Das Kaufhaus
Das ehemalige Kaufhaus Krauss soll saniert werden – bis auf den Beton ausgekernt. Es solle ähnlich genutzt werden wie für das Großvorhaben "Neuer Markt" geplant; nur eben kleiner, "millimetergenau im Bestand", sagte Projektentwickler Hans-Peter Unmüßig. Aber es werde im Prinzip bestückt wie bisher: Im Untergeschoss ein Rewe-Markt, im Erdgeschoss Fielmann, Apotheke, Restaurant und ein – in den zweiten Stock reichendes – Café. Einzelhandel ("ein Textilit und eine Buchhandlung"; bisher waren New Yorker und Osiander vorgesehen und der DM-Drogeriemarkt. Im zweiten Obergeschoss ein Fitnessunternehmen und über allem Penthousewohnungen. "Löwentor" nennt Unmüßig das Projekt und kommentierte die neue Lösung als "Dienst nach Vorschrift"; fügte aber hinzu: "Wir sind zu allen Schandtaten bereit."

Die nötigen Parkplätze sollen nicht ins Grundwasser – das war ein wichtiger Kritikpunkt vieler Bürger. Unmüßig sagte auch: "Wir müssen das Thema dieses Jahr in trockene Tücher kriegen, sonst wird es eine never ending Story."
Der Emmendinger
Plan Das Wehrle-Werk war mit dem Emmendinger Plan angetreten. Den hat das Unternehmen entwickeln lassen, als sich Unmüßig vom "Neuer Markt" verabschiedet hatte. "Erwarten Sie noch nichts Fertiges, das ist eine Konzeptstudie," dämpft Robert Körner, Marketingchef der Wehrle-Werk AG, die Erwartungen. Doch für den Bereich, den Wehrle allein überplanen kann, sind die Ideen schon recht konkret. Stefanie Burg vom Planungsbüro fsp Stadtplanung machte klar, dass dem Unternehmen eine bessere Durchlässigkeit zur Stadt hin wichtig sei; hermetische Abriegelung durch Zäune sei nur noch im Logistikbereich nötig. Der liegt im Osten zwischen Hochburger- und Moltkestraße und soll künftig nur noch von der Hochburger Straße aus angefahren werden; was umständliche Rangiermanöver mit Schwertransportern verhindere. Die alten Logistikhallen sollen abgerissen und durch eine neue Halle ersetzt werden. Generell soll es mehr Ökologie, weniger Versiegelung geben – durch die Öffnung des Mühlbachs, wo das machbar ist, durch Grünflächen und durch die Öffnung des sogenannten Kastaniengartens (neben Piccola Venezia, bisher nicht öffentlich zugänglich).

Das Parken
Wo jetzt an der Schlosserstraße ebenerdig 120 Mitarbeiterautos Platz finden, könnte ein Parkhaus mit vier Etagen für 260 Autos entstehen, das teils Wehrle, teils die Öffentlichkeit nutzen könnte. Gegenüber wäre Wohnbebauung möglich, und auf dem Parkplatz Markgrafenstraße, der Wehrle gehört, aber öffentlich genutzt werden darf, könnte eine Baulücke geschlossen werden: Handel und Gastronomie unten, darüber Wohnen – "das ist weit genug weg vom Wehrle-Werk", thematisierte Burg den Nutzungskonflikt zwischen Wohnruhe und Produktion.

Wehrle hat weitere 60 Parkplätze an der Schlosserstraße; öffentliche gibt es an der Markgrafenstraße (50) und an der Romaneistraße (20). Letztere könnte man aufstocken. Generell gehen die Beteiligten offenbar auf eine dezentrale Lösung zu. Oberbürgermeister Stefan Schlatterer sagte: "Wir kommen an den Stellplätzen nicht vorbei, bestehen aber nicht auf 250 an der Stelle" (Parkhaus). Man könne sie aufteilen, zum Beispiel durch Aufstockung an der Romaneistraße und beim Parkplatz Rathaus. Auch Radparkplätze sind vorgesehen, Wehrle hat schon heute welche.

Unmüßig sieht im Bereich des Kaufhauses Bedarf an 130 Stellplätzen; deshalb zählt zu seinen Anforderungen, dass entweder das alte Parkhaus (das er unpraktisch findet) "revitalisiert" oder eine "benutzerfreundliche, schöne städtebauliche Lösung" im Bereich zwischen Wehrle-Werk, Kaufhaus und Bebauung Theodor-Ludwig-Straße geschaffen werde. Ein zusätzlicher Garagenneubau im hinteren Bereich des Kaufhauses, aber grundwasserschonend, nutzer- und anwohnerfreundlich, schwebt ihm vor. "Aber ich bin auch damit zufrieden, wenn es erhalten wird – nur muss es für viel Geld saniert werden."

Ein leerer Fleck
Noch wenig konkret sind die Planungen für diesen Bereich, die Gespräche laufen. Auf den Plänen sieht man nur die Fläche und den Bestand. Burg stellte die Anforderungen der drei Partner vor: Dem Wehrle-Werk liegt daran, die Verbundenheit der Firmen- und Stadtgeschichte zu zeigen, weshalb es auch die Kantine (ehemalige Lederwerke Sexauer) erhalten will. Das Unternehmen wünscht sich auf der Fläche ein Miteinander von Industrie, Gastronomie und Handel, will aber auch Raum schaffen für soziale Einrichtungen und Projekte; Vorstandsmitglied Heiner Steinberg nannte die Idee eines Inklusionshotels (Vorbild Green City Hotel Vauban), für dessen Realisierung mit der Beschäftigungsgesellschaft 48 Grad Süd aufgenommen wurden.

Eine Forderung, in der sich alle drei Partner – Wehrle, Stadtverwaltung und Unmüßig – einig sind, ist die: Die Geschäfte im Kaufhaus sollen über die Hochburger Straße beliefert werden; "eingehaust", sagt Unmüßig, um die Belästigung für die Nachbarn gering zu halten. Früher war das Kaufhaus über die Theodor-Ludwig-Straße beliefert worden, die Lastwagen fuhren in die Fußgängerzone. Das Wehrle-Werk behält seine Ausfahrt zur Hochburger Straße. Die Stadt will Fahrradabstellplätze und Grünflächen sowie Wohnbebauung – und den Bau in einer "angemessenen Größe"; war doch die Kubatur des Neuen Marktes ein großer Kritikpunkt gewesen.

Die Reaktionen
Es gab überwiegend Lob – in Form von Beifall, und nach der Veranstaltung im persönlichen Gespräch. "Verblüfft, baff, erfreut" über das Gehörte zeigte sich Peter Epp, Sprecher des Bürgerforums Theodor-Ludwig-Straße. Erhard Schulz lobte, dass es nun keinen Eingriff ins Grundwasser geben und der Kanal geöffnet werde: "Das Wehrle-Werk wird seiner Verantwortung gerecht." Auch Wohnungen seien wichtig. Andreas Hupert, mit seiner Lungenfachpraxis direkter Anlieger, sagte als Nachbar Danke, zeigte sich allerdings beunruhigt, wenn auf den rückwärtigen Wehrle-Flächen doch ein Parkhaus entstünde. Er wies darauf hin, dass der Verzicht auf den Bau im Grundwasser auch die Probleme mit eventuellen Altlasten der Lederwerke verhindere.

Wie geht es weiter?
Alle Sorgen sind sicher nicht ausgeräumt, es gab Kritik an der Gestaltung des Löwentors – ebenso die Meinung, dass das Gebäude doch gut aussehe. Und es gibt neben der Parkplatz-Frage vieles zu klären: zum Beispiel die Durchlässigkeit des Kaufhauses in den Bereich zum Wehrle-Werk. Derzeit ist da nichts geplant. "Aber ein Durchgang für Fußgänger und Radfahrer sollte schon sein", sagte Oberbürgermeister Schlatterer. Und lobte zugleich seine Gesprächspartner: "Man trifft nicht so oft Eigentümer und Bauträger, mit denen man so offen reden kann – das ist sehr ungewöhnlich." Er zeigte sich optimistisch, dass es Lösungen geben werde, sagte aber auch: "Es wird noch viele Bürgerbeteiligungen geben und das Baurecht legt schließlich der Gemeinderat fest."