Stadtgestaltung

Der Emmendinger Plan für das Kaufhaus Krauss und das Wehrle-Werk ist fertig

Sylvia-Karina Jahn

Von Sylvia-Karina Jahn

Di, 10. September 2019 um 22:15 Uhr

Emmendingen

Eine Sanierung des alten Kaufhauses, eine dezentrale Lösung für die Stellplätze, eine Öffnung des Wehrle-Werks zur Stadt hin, alles ökologischer als bisher – sogar Kritiker loben den Emmendinger Plan.

Das ehemalige Kaufhaus Krauss soll saniert, die Parkplatzfrage möglichst dezentral gelöst werden, der Mühlbach teilweise geöffnet und mehr Ökologie im Bereich des Wehrle-Werks geschaffen werden. Das sind die wichtigsten Neuerungen des Konzepts für das Areal des Wehrle-Werks und die Bebauung auf dem Kaufhaus-Areal, die am Dienstagabend in der überfüllten Werkskantine vorgestellt wurden.

Und obwohl Detailfragen noch offen sind – insbesondere in der Gestaltung des Bereichs zwischen dem Unternehmen und dem Kaufhaus sowie der Bebauung Theodor-Ludwig-Straße – gab es viel Lob für diese Lösung; auch und gerade von ehemaligen Kritikern.

Das Kaufhaus

Das ehemalige Kaufhaus Krauss soll saniert werden – bis auf den Betonbau ausgekernt und dann ähnlich genutzt werden, wie es Projektentwickler Hans-Peter Unmüßig für das Großvorhaben "Neuer Markt" geplant hatte; nur eben kleiner. Aber es wird im Prinzip bestückt wie bisher: Im Untergeschoss ein Rewe-Markt, im Erdgeschoss Fielmann, Apotheke, Restaurant und ein – in den zweiten Stock reichendes – Café. Einzelhandel ("ein Textilit und Buchhandlung"; bisher waren New Yorker und Osiander vorgesehen), Drogeriemarkt und darüber im zweiten Obergeschoss ein Fitnessunternehmen und über allem Penthousewohnungen. "Löwentor" nennt Unmüßig das Projekt, das im Bestand entstehen soll. Die nötigen Parkmöglichkeiten sollen nicht ins Grundwasser gebaut werden – das war ein wichtiger Kritikpunkt vieler Bürger. Unmüßig sagte auch: "Wir müssen das Thema dieses Jahr in trockene Tücher kriegen, sonst wird es eine never ending Story."

Der Emmendinger Plan

Das Wehrle-Werk war mit dem Emmendinger Plan angetreten. Den hat das Unternehmen entwickeln lassen, als sich Unmüßig von dem Großprojekt "Neuer Markt" verabschiedet hatte. "Erwarten Sie noch nichts Fertiges, das ist eine Konzeptstudie," dämpft Robert Körner, Marketingchef der Wehrle-Werk AG, die Erwartungen. Doch für den Bereich, den Wehrle allein überplanen kann, sind die Ideen schon recht konkret. Stefanie Burg vom Planungsbüro fsp Stadtplanung machte klar, dass dem Unternehmen eine bessere Durchlässigkeit zur Stadt hin wichtig sei; eine Abriegelung durch Zäune sei nur noch im Logistikbereich nötig. Der liegt im Osten zwischen Hochburger- und Moltkestraße und soll künftig nur noch von der Hochburger Straße aus angefahren werden; was umständliche Rangiermanöver mit Schwertransportern verhindern soll. Die alten Logistikhallen sollen abgerissen und durch eine neue Halle ersetzt werden. Generell soll es mehr Ökologie und weniger Versiegelung geben – durch die Öffnung des Mühlbachs, wo das machbar ist, durch Grünflächen und durch die Öffnung des sogenannten Kastaniengartens (neben Piccola Venezia, bisher nicht öffentlich zugänglich).

Parken

Wo jetzt ebenerdig geparkt wird, könnte ein Parkdeck mit vier Etagen entstehen, das teils dem Werk, teils der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen könnte. Gegenüber wäre Wohnbebauung möglich. Auf dem Parkplatz Markgrafenstraße, der Wehrle gehört, aber öffentlich genutzt wird, könnte eine Baulücke geschlossen werden. Handel und Gastronomie unten, darüber Wohnen sind hier angedacht – "das ist weit genug weg vom Wehrle-Werk". Wehrle hat derzeit 120 eigene Plätze auch für Fahrräder, weitere 60 an der Schlosserstraße, öffentliche gibt es an der Markgrafenstraße (50) und an der Romaneistraße (28). Letztere könnte man aufstocken und auf der ebenerdigen Fläche könnten rund 260 Stellplätze entstehen. Generell gehen die Beteiligten auf eine dezentrale Lösung zu. Oberbürgermeister Stefan Schlatterer: "Wir kommen an den Stellplätzen nicht vorbei, bestehen aber nicht auf 250 an der Stelle. Man könnte sie in verschiedene Flächen aufteilen, zum Beispiel auch durch Aufstockung an der Romaneistraße und beim Parkplatz Rathaus."

Unmüßig sieht im Bereich des Kaufhauses Bedarf an 130 Stellplätzen; deshalb zählt zu seinen Anforderungen, dass entweder das alte Parkhaus (das er unpraktisch findet) "revitalisiert" oder eine "benutzerfreundliche, schöne städtebauliche Lösung" im Bereich zwischen Wehrle-Werk, Kaufhaus und Bebauung Theodor-Ludwig-Straße geschaffen werde. Ein zusätzlicher Garagenneubau im hinteren Bereich des Kaufhauses, aber grundwasserschonend, nutzer- und anwohnerfreundlich, schwebt ihm vor. "Aber ich bin auch damit zufrieden, wenn es erhalten wird – nur muss es für viel Geld saniert werden."

Die "gelbe Fläche"

Wenig konkret sind die Planungen für diesen Bereich, die Gespräche laufen und es wird diskutiert. Auf den Plänen sieht man nur eine gelbe Fläche. Burg stellte die Anforderungen der drei Partner vor: Dem Wehrle-Werk liegt daran, die Verbundenheit der Firmen- und Stadtgeschichte zu zeigen, weshalb es auch die Kantine (ehemalige Lederwerke Sexauer) erhalten will. Das Unternehmen wünscht sich auf der Fläche ein Miteinander von Industrie, Gastronomie und Handel, will aber auch Raum schaffen für soziale Einrichtungen und Projekte; Vorstandsmitglied Heiner Steinberg nannte die Idee eines Inklusionshotels (Vorbild Green City Hotel Vauban), für dessen Realisierung mit der Beschäftigungsgesellschaft 48 Grad Süd aufgenommen wurden.

Eine Forderung, in der sich alle drei Partner – Wehrle, Stadtverwaltung und Unmüßig – einig sind, ist die: Die Belieferung für die Geschäfte im Kaufhaus soll über die Hochburger Straße erfolgen; "eingehaust", sagt Unmüßig, um die Belästigung für die Nachbarn gering zu halten. Früher war das Kaufhaus über die Theodor-Ludwig-Straße beliefert worden, mit allen Problemen von Lastwagen in der Fußgängerzone. Das Wehrle-Werk behält seine Ausfahrt zur Hochburger Straße. Die Stadt will Fahrradabstellplätze und Grünflächen sowie Wohnbebauung – und alles in einer angemessenen Größe; die Kubatur des Neuen Marktes war ebenfalls ein Kritikpunkt gewesen.

Die Reaktionen

Es gab überwiegend Lob – auch in Form von Beifall, und später im Gespräch der Bürger untereinander nach der Veranstaltung. "Verblüfft, baff, erfreut" über das Gehörte zeigte sich Peter Epp, Sprecher des Bürgerforums Theodor-Ludwig-Straße. Erhard Schulz lobte, dass es nun keinen Eingriff ins Grundwasser geben und der Kanal geöffnet werde: "Das Wehrle-Werk wird seiner Verantwortung gerecht." Auch Wohnungen seien wichtig. Andreas Hupert, mit seiner Lungenfachpraxis direkter Anlieger, sagte als Nachbar Danke, zeigte sich allerdings beunruhigt darüber, wenn auf den rückwärtigen Wehrle-Flächen doch ein Parkhaus entstünde. Er wies darauf hin, dass der Verzicht auf den Bau im Grundwasser auch die Probleme mit eventuellen Altlasten der Lederwerke verhindere.

Wie geht es weiter?

Alle Sorgen sind sicher nicht ausgeräumt, es gab Kritik an der Gestaltung des Löwentors – und auch die Meinung, dass das Gebäude doch gut aussehe. Und es gibt neben der Parkplatz-Frage vieles zu klären: zum Beispiel die Durchlässigkeit des Kaufhauses in den Bereich zum Wehrle-Werk. Derzeit ist da nichts geplant. "Aber ein Durchgang für Fußgänger und Radfahrer sollte schon sein", sagte Oberbürgermeister Schlatterer. Und lobte zugleich seine Gesprächspartner: "Man trifft nicht so oft Eigentümer und Bauträger, mit denen man so offen reden kann – das ist sehr ungewöhnlich." Er zeigte sich optimistisch, dass es Lösungen geben werde, sagte aber auch: "Es wird noch viele Bürgerbeteiligungen geben und das Baurecht legt schließlich der Gemeinderat fest."