Eishockey

Der Kollnauer Philip Rießle war mit Puck und Schläger erfolgreich

Tobias Winterhalter

Von Tobias Winterhalter

Do, 08. April 2021 um 19:00 Uhr

Waldkirch

Der Kollnauer Philip Rießle war Profi und Leistungsträger des EHC Freiburg. Als Assistenztrainer seines Lieblingsvereins möchte er dem Sport nahe bleiben.

Im vergangenen Jahr beendete der Kollnauer Philip Rießle seine Eishockeykarriere beim EHC Freiburg. Viele Jahre spielte er für den Verein in der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL) und war als Kapitän der Leitwolf unter den "Wölfen". Berufliche Gründe bewogen ihn, von der großen sportlichen Bühne abzutreten. Doch ganz kann er von seinem Eishockey nicht lassen. Bei einem Viertligisten und als Assistenztrainer beim EHC möchte er der Sportart nahe bleiben.



Der Weg von der Kabine über den Zambonigang, mit den Schlittschuhen rauf aufs Eis der altehrwürdigen Freiburger Eissporthalle, die seit zwei Jahren offiziell Echte Helden-Arena heißt, den Schläger kurz zum Gruß nach oben gereckt, ein flüchtiger Blick auf die Nordkurve. Eigentlich könnte alles wie immer sein an diesem 13. Oktober des vergangenen Jahres. Wie in seinen 477 Pflichtspielen zuvor, die Philip Rießle als Wölfe Spieler für den EHC Freiburg absolviert hatte.

Doch an diesem Tag war es anders. Zum einen, da wegen der Corona Pandemie nur 400 Zuschauer zugelassen waren und die stimmungsvolle Nordkurve komplett verwaist war. Zum anderen aber, weil Rießle nicht mehr das Wölfe-Trikot mit der Nummer 26 trug. Denn der 33-Jährige hat nach vielen Jahren im Wölfe Dress das Trikot gewechselt. "Es war schon ein etwas komisches Gefühl, plötzlich als Gast aufs Eis zu laufen, dazu vor leerer Nordkurve", erzählt der Ex-Kapitän.

Denn der Eishockeyspieler Philip Rießle, gebürtiger Kollnauer, ist ein echtes Freiburger Eishockey-Urgestein.

Er wuchs die ersten acht Jahre mit seiner Familie in Kollnau auf und hat noch Kontakt ins Elztal. Das Eishockeyspielen lernte er aber in Freiburg. Er durchlief die Jugend und Juniorenteams des EHC Freiburg und kehrte nach einer vierjährigen Unterbrechung für ein Engagement beim bayrischen Club TEV Miesbach als Profi zum EHC Freiburg zurück. In den neun folgenden Profijahren beim EHC machte er sich als nimmermüder Kämpfer und Antreiber, vorbildlicher Anführer mit starker Persönlichkeit bei Fans wie Vereinskollegen gleichermaßen beliebt. In insgesamt sieben Jahren führte Philip seine Wölfe mit dem "C" auf der Brust als Kapitän aufs Eis.

Beim EHC trug er das "C" auf der Brust.

Letztes Jahr entschied sich Rießle aber seine Profikarriere zu beenden, um mehr Zeit für seinen Beruf zu haben. Sein Arbeitgeber, das glasverarbeitende Unternehmen Caleoglas aus der March, machte ihm ein Jobangebot als Produktionsleiter. "Diese berufliche Chance wollte ich nutzen. Ich weiß nicht, ob ich diese nochmal bekommen hätte", erklärte Rießle. Aber "Eishockey ist mein Leben" bekräftigte er. Dementsprechend schwer fiele es ihm, wenn er die Jungs spielen sehe. Rückblickend betrachtet ist er mit seiner Entscheidung aber zufrieden.

"Eishockey ist mein Leben."

Doch ganz auf seinen geliebten Sport zu verzichten, kann Rießle nicht. Deshalb war er froh, dass die Baden Rhinos Hügelsheim, die in der Regionalliga Südwest spielen, ihm letzten Sommer die Chance gaben, weiterhin "ambitioniert Eishockey zu spielen, ohne jedoch jeden Tag auf dem Eis zu stehen." Deshalb wolle er mithelfen, beim badischen Viertligisten als Führungsspieler etwas aufzubauen. "Ich möchte gerne noch ein paar Jahre spielen, solange mein Körper mitmacht und es sich mit meiner Lebensplanung und der Arbeit unter einen Hut bringen lässt."

Im vergangenen Herbst startete er mit den Hügelsheimer Rhinos in die Saison. Doch bevor sie richtig begann, war sie für den Rhino-Neuzugang nach dem Freiburg Testspiel schon wieder vorbei. Corona hatte zugeschlagen und sorgte im Amateureishockey für einen baldigen Saisonabbruch.



Für Rießle ergab sich dadurch eine weitere Chance. Bereits zuvor hatte ihn der aktuelle Wölfe Coach Peter Russell, der sein gutes Spielverständnis schätzt, gefragt, ob er sich ein Job als Co-Trainer vorstellen könne. Auf dieses Angebot kam der 33-Jährige Ende des vergangenen Jahres gerne zurück und unterstützt seitdem das Trainerteam um Peter Russell und Jack Hartigan.

Nachdem er zuerst sein Trikot gewechselt hatte, wagte er nur den Sprung hinter die Bande. "Ganz ohne Eishockey geht es nicht", ergänzt Rießle lächelnd. "Ich bin bei allen Heimspielen dabei und bei Auswärtsspielen, wenn es nicht mit dem Beruf kollidiert." Dort lernt der gebürtige Elztäler das Trainergeschäft näher kennen. Ob er sich später mal als professioneller Eishockeycoach sieht, weiß er noch nicht. "Dafür bräuchte ich den Trainerschein, ich habe mich noch nicht wirklich damit befasst, aber man soll niemals nie sagen." Eine Stelle mit kaufmännischem Hintergrund, wie zum Beispiel als "sportlicher Leiter", hält Rießle für reizvoll. "Ich bin da völlig offen, aktuell bin ich aber in meinem Beruf sehr zufrieden."

In der neuen Saison, falls wieder gespielt werden kann, möchte Rießle wieder für die Hügelsheimer selbst aufs Eis gehen und dort seine Ziele als Spieler weiterverfolgen. Somit kann er den Beruf mit seinem geliebten Sport vereinen. Als Eishockeyprofi hatte er eine Doppelbelastung, die er aber mehr als erstaunlich gut hinbekam. Auf die Frage, wie er das schaffte, erklärt er: "Ich habe es immer mehr als Chance gesehen, denn als Druck oder Belastung. Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekomme, beides kombinieren zu können und sehe es mehr als Motivation. Mein Ziel ist etwas zurück zu geben, als Spieler wie auch als Trainerassistent."

Vor der Nordkurve des Eisstadions würde sich Rießle gerne von den Fans verabschieden.

Seinem aktuellen Team, dem EHC Freiburg, traut Rießle in dieser Saison noch einiges zu. In den anstehenden Playoffs, für die sich der EHC qualifiziert hat, sieht er gute Chancen. "Die Mannschaft hat alles, was man braucht, Peter Russell puscht das Team ans Limit. Warum sollen wir nicht um die Meisterschaft spielen können?" Auf die Playoffs freut er sich besonders. Als Spieler blieben ihm diese in der DEL2 aufgrund unglücklicher Umstände leider verwehrt. 2017 beim ersten EHC-Playoff Auftritt musste er wegen einer schweren Gesichtsverletzung pausieren. Die zweite Playoff Teilnahme fiel im Vorjahr der Corona Krise zum Opfer. Für Rießle doppelt bitter, denn er musste nicht nur um die spannenden Ausscheidungsspiele verzichten, auch sein Karriereende kam somit unvorhergesehen abrupt und er konnte sich nicht vor den EHC Fans für seine sagenhafte Spielerkarriere feiern lassen.

Er würde sich freuen, zusammen mit Vereinskollege Tobi Kunz, der ebenfalls aufhörte, sich nochmal von der Nordkurve verabschieden zu lassen. Denn an besagtem Gastauftritt beim Testspiel im Oktober blieb die Nordkurve coronabedingt leer. Nach fast 500 Spielen wäre es auch für die Fans ein Highlight, ihren Ex-Captain noch mal anfeuern zu können.