Der private Planungshorizont für uns alle wird auf unter einen Tag heruntergeschraubt

Georg Klugermann

Von Georg Klugermann (Schopfheim)

Do, 07. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Grenzverkehr im Südwesten eingeschränkt", Agenturbeitrag (Politik, 23. Dezember)

Jetzt reicht’s! Der Anti-Corona-Aktionismus hat eine neue Qualität. Am 23. Dezember verkündet Herr Lucha, dass der Grenzverkehr zu unseren Nachbarn weiter eingeschränkt wird, und zwar ab 23. Dezember. Vorlaufzeit: null Tage.

Ich war bisher ein Befürworter der Corona-Maßnahmen, obwohl diese meine persönlichen Rechte stark einschränken. Doch jetzt ist meine Akzeptanz auf Null gesunken. Es kann nicht sein, dass jegliche Planung für Dinge und Angelegenheiten, die am Vortag noch galten, einfach per Erlass unmöglich gemacht werden. Der private Planungshorizont für uns alle wird auf unter einen Tag heruntergeschraubt. Ich muss jetzt 24 Stunden am Tag Nachrichten verfolgen, um zu wissen, was ich in den nächsten Stunden noch darf und was nicht. Das hat nichts mehr mit rationalem Handeln und Planen zu tun. Das ist kopfloses Handeln und Entscheiden unserer (Landes-)Regierung.

Es geht mir darum, dass ich selbst keine Entscheidungsfreiheit mehr habe, was ich noch darf oder nicht. Planung für Vorhaben, privat oder geschäftlich, sind seit Monaten nicht mehr möglich. Wir sitzen zu Hause und warten auf die Entscheidung, wann Schulen oder Unis wieder öffnen oder wann wir wieder geschäftliche oder berufliche Aktivitäten aufnehmen können. Wie lange das noch so weitergehen wird, steht in den Sternen. Einer Corona-Notverordnung folgt die nächste.

Warum begreifen unsere Politiker nicht, dass die ganzen Corona-Maßnahmen ein Schuss in den Ofen sind? Die Infektionsrate sinkt nicht und wird auch weiterhin nicht gravierend sinken. Wir müssen über ein Leben mit Corona, mittel- und langfristig, nachdenken und unsere Handlungen darauf ausrichten. Wir werden durch die getroffenen Maßnahmen nicht alle retten können, aber Schülern, Studierenden, Lehrlingen und Arbeitnehmern die Zukunftsaussichten auf lange Zeit einschränken.

Das Grundübel sei hier nochmals genannt: die Überlastung unseres Gesundheitssystems. Diese ist das Produkt einer von allen akzeptierten Sparpolitik der letzten 30 Jahre, getarnt als wirtschaftliches Handeln im Gesundheitswesen. Pflege, Krankheit, Heilung sind nie wirtschaftlich. Georg Klugermann, Schopfheim