Der richtige kulturelle Riecher

Martha Weishaar

Von Martha Weishaar

Mo, 14. Oktober 2019

Bonndorf

Bürgerhaus Wellendingen platzt beim neuen Format "Folktreff auf dem Dorf" aus allen Nähten / "High South" überzeugt.

BONNDORF-WELLENDINGEN. Ein Publikumsmagnet war das Folktreff-Konzert von "High South". Ob das nun an der exzellenten Band oder am exklusiven Veranstaltungsort lag? Schwer zu sagen. Die erste Auflage von "Folktreff auf dem Dorf" jedenfalls war für die Kleinkunstinitiative ein Volltreffer. Das Bürgerhaus in Wellendingen platzte aus den Nähten, die Stimmung hätte nicht besser sein können.

Meinungen zum Konzert
Ob der Anteil der Wellendinger unter den mehr als 200 Besuchern ein Drittel oder mehr als die Hälfte ausmachte, wussten derweil nicht mal eingefleischte Wellendinger mit Sicherheit zu sagen. Die Einschätzungen lagen ziemlich auseinander.

Für viele Wellendinger jedoch war es ein Muss hinzugehen, wenn der Folktreff schon mal aufs Dorf kommt. Eine Gruppe aktiver Musiker der Feuerwehrkapelle räumt ein, dass der Konzertbesuch für sie außer Frage stand.

Nach Bonndorf wären sie aber vermutlich deswegen nicht gefahren, die Musiker der Feuerwehrkapelle. Zumal der Folktreff üblicherweise freitags stattfindet, und da haben die Wellendinger Musiker Probentermin. Gut also, dass der Folktreff ausnahmsweise mal am Samstag war. "Diese Musik passt prima aufs Land. Die Atmosphäre hier ist wunderbar entspannt", lobt Brigitte Dietsche den neuen Versuch. Frank Gampp hofft schon mal auf eine weitere Auflage: "Das ist eine schöne Veranstaltungsform für das Bürgerhaus, so was lässt sich hoffentlich wiederholen." Ruth Dilger schließt sich diesem Ansinnen an. "Gut, dass so ein Konzert mal hier ist. Es ist zudem eine gute Gelegenheit, das neue Bürgerhaus einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen." Auch Eckhard Fechtig findet die Idee genial, dass der Folktreff auf die Dörfer geht. "Wer hätte gedacht, dass Nashville sich mal in Wellendingen abspielt? Das Bürgerhaus hat jedenfalls mit dem heutigen Abend seine Feuertaufe bestanden", schwärmt der Stadtrat. Die Jungs von "High South" finden sie alle sehr sympathisch, ihren Sound super.

Das Musikalische
Diese Ansicht scheint der überwiegende Teil der Besucher zu teilen, denn vom ersten Akkord an schwappt Begeisterung durch den Saal. Mit Jamey Garner, Phoenix Mendoza und Kevin Kampos weht der Geist des American Way of Live durch Wellendingen. Mit Pop und Folk vermittelt die Band das Gefühl des California Dream. Ein Hauch von Country, Chicago-Blues oder Mississippi-Swamp fügt sich nahtlos ein. "High South" vereint die vielfältigen Lebensgefühle und Stilrichtungen des Lands der unbegrenzten Möglichkeiten auf geniale Art und Weise. Mit stillen Liebeserklärungen, aufrüttelnd kritischen Texten sowie mitreißenden Rhythmen ziehen sie die Zuhörer in ihren Bann. In herzlicher Offenheit vermitteln die Künstler das Gefühl, dass sie ihre Musik leben – nicht etwa nur "performen". Völlig versunken in ihre Lieder haben diese drei Amerikaner eine unvergleichliche Bühnenpräsenz, zelebrieren eine Musik, bei der man sich selbst spürt. Dementsprechend lässt sich das Publikum mitreißen. Die Songs sind eingängig, vermitteln ein Lebensgefühl, dem man sich kaum entziehen kann. Mit Titeln wie "If You Wanna Go to Heaven", "Now", "Dancing In the Moonlight" oder "Let’s Get High" entführen die Musiker ihr Publikum auch ein bisschen in die 1970-er Jahre. Trotz Schlaghose sind die Songs jedoch kein bisschen angestaubt. Brandaktuell und den momentanen Weltsorgen entsprechend gerät "Make It Better". Die Stimmen der Musiker ergänzen sich perfekt, bravourös auch das Gitarrenspiel. Unvergleichlich geraten die Einlagen von Jamey Garner an der Mundharmonika, und zwar nicht allein beim "Folsom Prison Blues".

Die Band fühlt sich wohl in Wellendingen. Es klingt ehrlich, wenn die Männer sagen: "Danke, dass ihr uns das Gefühl gebt, hier zu Hause zu sein." Der folgende Roadsong passt, auch bei "Every Road Feels Just Like Home" ist es vor allem das einzigartige Mundharmonikaspiel, dass die hektische Bewegtheit auf dem Highway widerspiegelt. Die Band erobert die Herzen ihrer Zuhörer. Das zeigt sich vor allem bei der unplugged Einlage, wo Sänger und Publikum im stillen Miteinander zeigen, was Kleinkunst ausmacht: Echte Musik, bei der alle still werden und sich Künstler und Publikum ganz nahe kommen. Die Jungs machen neugierig auf ihr neues Album, das im März erscheinen wird. Und so, wie diesmal manche Zuhörer einen weiten Weg nach Wellendingen auf sich genommen haben, um "High South" live zu erleben, werden vielleicht manch' neu hinzugewonnene Fans aus Bonndorf die Europatour der Band im kommenden Jahr nutzen, um diese Musik ein weiteres Mal zu genießen.

Neugierig darf man auch darauf sein, wie es mit "Folktreff auf dem Dorf" weitergeht. Kleinkunstfreunde werden sich etwas gedulden müssen, denn erst 2021 ist die folgende Auflage geplant, verrät Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer – darüber mehr vorerst noch nicht.