USA

Der Schamane sitzt hinter Gittern: Kapitol-Randalierer festgenommen

AFP/dpa

Von AFP & dpa

So, 10. Januar 2021 um 21:24 Uhr

Ausland

Bei der Erstürmung des Kapitols stachen einige Eindringlinge besonders ins Auge, etwa ein Mann mit bizarrem Outfit und ein Trump-Anhänger, der das Rednerpult klaute. Beide wurden nun festgenommen.

Nach dem Sturm auf den US-Kongress sind viele der daran beteiligten Anhänger des noch amtierenden Präsidenten Donald Trump festgenommen und erste Anklagen erhoben worden. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat unterdessen dauerhaft Trumps Account gesperrt.

Bei der Erstürmung des Kapitols stach einer der Eindringlinge besonders ins Auge: Bilder des "Schamanen" mit dem Kopfschmuck aus Fell und Hörnern, dem angemalten Gesicht, dem nackten Oberkörper und dem Speer mit US-Flagge in der Hand gingen um die Welt. Am Samstag wurde Jacob Chansley aus Arizona festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft in Washington mitteilte.

Am Freitag sei Adam Johnson aus Florida von der Polizei aufgegriffen worden – er soll das Rednerpult der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses entwendet haben. Auch ein Mitglied des Abgeordnetenhauses von West Virginia, Derrick Evans, sei festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, den drei Männern würden vor einem Bundesgericht illegales Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude sowie gewaltsames Eindringen und ungebührliches Verhalten auf dem Gelände des Kapitols zur Last gelegt. Johnson (36) müsse sich zusätzlich wegen des Vorwurfs des Diebstahls von Regierungseigentum verantworten. Auf einem Foto ist zu sehen, wie ein Mann Pelosis Pult mit sich trägt und in die Kamera winkt.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, Evans habe ein Video von seinem Eindringen ins Kapitol live auf seiner Facebook-Seite gezeigt. Das Abgeordnetenhaus von West Virginia veröffentlichte am Samstag eine Mitteilung des 35-Jährigen, in der dieser seinen Rücktritt erklärte: "Ich übernehme die volle Verantwortung für meine Handlungen und bedauere zutiefst jede Verletzung, jeden Schmerz und jede Verlegenheit, die ich meiner Familie, meinen Freunden, meinen Wählern und meinen Mitbürgern in West Virginia zugefügt haben könnte."

Bereits am Freitag hatte das Justizministerium die Festnahme von Richard B. aus Arkansas vermeldet. Bei ihm soll es sich um den Mann handeln, der sich mit einem Fuß auf dem Schreibtisch stolz in Pelosis Sessel fotografieren ließ.

Derweil hat der Kurznachrichtendienst Twitter den Account Trumps wegen des "Risikos einer weiteren Anstiftung zur Gewalt" dauerhaft gesperrt. Mehr als 88 Millionen Follower erreichte der Präsident mit seinen Botschaften zuletzt direkt über @realDonaldTrump, ohne den Weg über die traditionellen Medien gehen zu müssen. Auch wichtige politische Vorhaben kündigte er auf diese Weise an. 56 571 Tweets hat das Trump-Twitterarchiv verzeichnet, 26 237 davon schickte er als Präsident. In den vergangenen drei Monaten kam Trump im Schnitt auf 30 Tweets am Tag.

Seine letzte Twitter-Botschaft schickte der Noch-Präsident am Freitag um 10.44 Uhr: Darin kündigte Trump an, er werde nicht an der Vereidigung seines Nachfolgers Joe Biden am 20. Januar teilnehmen.