Basler Konjunkturforscher

Der Schweiz droht keine Rezession

Barbara Schmidt

Von Barbara Schmidt

Do, 24. Oktober 2019 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Trotz Handelskonflikten und einem weltweiten Abschwung in der Industrie droht der Schweiz nach Ansicht führender Ökonomen keine ernsthafte Wirtschaftskrise. Ein Grund ist die starke Pharmabranche.

Die Ökonomen bei der Herbstprognosetagung des Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics in Basel am Donnerstag waren sich einig: Der Schweiz droht keine Rezession. Hauptgründe sind ein stabiler Arbeitsmarkt und die Stärke der Pharmaindustrie.

Was für Deutschland die Autoindustrie ist, ist für Schweizer die Pharmabranche: Beide prägen in ihren Ländern die wirtschaftliche Entwicklung. Während die Automobilhersteller jedoch in einer Krise stecken, wirkt die Pharmaindustrie in der Schweiz als Stabilisator. So stiegen die Ausfuhren im Chemie- und Pharmabereich seit dem ersten Quartal 2018 um fast 15 Prozent, wie Alexis Bill-Körber vorrechnete. Der Leiter der Makroforschung bei BAK Economics erwartet für die Region Basel, in der viele Pharmaunternehmen ansässig sind, in diesem Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um drei Prozent und im nächsten Jahr um 2,2 Prozent.

Damit bleibt Basel an der Spitze. Ihre Prognose für die Gesamtschweiz senkten die BAK-Forscher um Chefökonom Martin Eichler auf 0,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,3 Prozent 2020. Im Frühjahr waren sie noch von 1,1 und 1,8 Prozent ausgegangen.

Wegen Handelsstreit, Brexit und geopolitischer Risiken, wie sie sich zuletzt im Angriff auf eine saudi-arabische Ölraffinerie zeigten, stellen viele Unternehmen Investitionen zurück und ordnen ihre Lieferketten neu. Schließlich wollen sie in Ländern produzieren, denen sie vertrauen. Das schwächt die Industrie, "ihre stützende Wirkung könnte fallen", warnte Bill-Körber. Hoffnungsvoll stimmt den Konjunkturforscher aber, dass die Schwäche bisher nicht auf den Arbeitsmarkt durchschlägt: "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist noch nicht zum Stillstand gekommen." Das stärkt den privaten Konsum, denn wer nicht um seinen Job bangt und eine Lohnerhöhung bekommt, gibt bereitwilliger Geld aus. Insgesamt beurteilte Bill-Körber die Aussichten daher "verhalten optimistisch und weit entfernt von einer Rezession".

"Wenn wir die starke Pharmaindustrie und den stabilen Arbeitsmarkt nicht hätten, dann hätten wir eine Rezession." Karsten Junius, Chefökonom der Sarasin-Bank in Basel

Und selbst wenn die Schweiz irgendwann in eine schwere Wirtschaftskrise rutschen sollte, "haben wir im Bundeshaushalt und auch in vielen Kantonen noch fiskalischen Spielraum", versicherte Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern. Der Bund könnte also Geld ausgeben, um die Wirtschaft anzukurbeln.

"Wenn wir die starke Pharmaindustrie und den stabilen Arbeitsmarkt nicht hätten, dann hätten wir eine Rezession", sagte Karsten Junius, Chefökonom der Sarasin-Bank in Basel. Doch weil Arbeitgeber wüssten, dass die demografische Entwicklung den Arbeitskräftebedarf treiben wird, hielten sie ihre Belegschaften. Ähnliches beobachtet Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, in Deutschland. Die Lage in beiden Ländern ähnelt sich. Allerdings: "Die Schwäche im Industriebereich ist in Deutschland ausgeprägter."