Gelebte Freundschaft

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 07. April 2019

Südwest

Der Sonntag Freiburger Delegation mit OB Horn und Uni-Rektor Schiewer in Ghanas Hauptstadt Accra.

Diese Reise war ein Erfolg: Begeistert klingen die Kommentare von Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, Uni-Rektor Hans-Jochen Schiewer und Politikprofessor Andreas Mehler nach ihrem Besuch ins Ghanas Hauptstadt Accra in dieser Woche. Vertiefte Beziehungen zwischen den Städten deuten sich an.

Beeindruckt zeigte sich Martin Horn knapp zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Afrika in mancher Hinsicht. Etwa von der besichtigten riesigen Recyclinganlage, die in der Lage ist, 200 000 Tonnen Müll am Tag zu verarbeiten. Oder von der Geschwindigkeit, die die Politiker der Hauptstadt vorlegen. "Innerhalb eines Jahres will der Oberbürgermeister jetzt einen Klimaaktionsplan entwickeln." Solche Sachverhalte machen die Millionenstadt Accra für Horn interessant, zumal er es für sinnvoll erachtet, in der Zusammenarbeit zwischen Städten Schwerpunkte festzulegen, etwa in Bezug auf Umweltpolitik oder Verkehr.

Die Reise hat offensichtlich unter einem guten Stern gestanden. Da ergab es sich, dass Christoph Retzlaff, der deutsche Botschafter vor Ort, in Freiburg studierte und so gleich einen guten Draht zu der Delegation fand. Und der erste Manager der mittlerweile vielen Start-up-Unternehmen Accras stammt ursprünglich aus Lahr. Zu einem Treffen von Start-up-Unternehmen im Mai in Freiburg sollen nun auch Gäste aus Ghana nach Freiburg kommen.

Offensichtlich gut funktioniert haben muss auch die erste gemeinsame Reise von einem Freiburger Oberbürgermeister mit dem Universitätsrektor der Stadt. Jedenfalls waren alle Seiten gleichermaßen voll des Lobes. "Es war wirklich sensationell, wie gut das gepasst hat, wie gut diese Vertreter so unterschiedlicher Generationen miteinander harmonierten und sich die Bälle zugespielt haben.", meinte Andreas Mehler, in dessen Arnold-Bergsträsser-Institut ein Afrika-Zentrum entstehen wird und das zugleich beim Aufbau eines internationalen Forschungskollegs auf dem Gelände der Universität von Accra Pate stand ( Der Sonntag berichtete). Auch Rektor Schiewer ist das aufgefallen: "Wir haben prima Doppelpass gespielt." Schiewer hat die Reise darin bestätigt, dass er die Universität von Ghana – eine der renommiertesten und auch schönsten in ganz Afrika – für eine strategische Partnerschaft gewinnen will. "Accra soll unsere Schlüsselpartnerschaft, unser privilegierter Partner in Afrika werden." Ähnliche Schlüsselpartner hat die Uni Freiburg bereits in Asien, Amerika und Australien. Gefreut hat Schiewer zudem, dass in Accra ähnlich wie in Freiburg Forschung nach dem Reallabor-Konzept betrieben wird. Was heißen soll, dass ein problemorientiertes Zusammenarbeiten zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Fächern (Interdisziplinarität) unter Teilhabe der Gesellschaft angestrebt wird.

Am längsten weilte Andreas Mehler in Accra. Schließlich interessierten ihn die Fortschritte an dem von seinem Institut gemeinsam mit dem Freiburger Pendant Frias aufgebauten Forschungszentrum. Mehler nahm an einem Exekutivratstreffen des Miasa (Institute für Advanced Studies in Africa) teil und beobachtete angetan die Brücken, die vom Miasa etwa in Form von Lesungen bereits in die Gesellschaft geschlagen wurden.

Kann Accra über die universitären Verbindungen hinaus zur neuen Partnerstadt werden? Martin Horn gibt sich zurückhaltend, wohl auch im Wissen, dass sich manche Freiburger Gruppen und Stadträte lieber eine Brücke in ein afrikanisches Land wünschen würden, das Entwicklung notwendiger hätte als das vergleichsweise moderne Ghana. "Generell wünschen wir uns den Aufbau vielschichtiger lebendiger Beziehungen zu einem afrikanischen Partner, etwa in Bildung, Kultur und Sport." Ihm gehe es weniger um ein unterschriebenes Dokument als um die gelebte Freundschaft.