Forstwirtschaft

300.000 Weihnachtsbäume werden pro Jahr im Ortenaukreis geschlagen

Hubert Röderer

Von Hubert Röderer

Mi, 22. Dezember 2021 um 11:27 Uhr

Offenburg

Christbäume sind in der Ortenau die drittwichtigste Sonderkultur – vor Beerenobst und Erdbeeren. "Der Weihnachtsbaum ist wichtig für unsere Existenz", sagt ein Christbaumbauer aus Durbach.

Die Nordmanntanne ist auch in diesem Jahr klar die Nummer eins unter den Christbäumen. Das bestätigte Josef Gmeiner, Christbaumbauer aus Durbach und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes. Viele der angebotenen Bäume im Ländle kommen aus speziell angelegten Weihnachtsbaum-Kulturen. Diese sind für viele Pflanzer ein wichtiges Standbein. Pro laufenden Meter muss man in diesem Jahr für eine Nordmanntanne "ab 20 Euro hinlegen", so Gmeiner, "für einen Top-Baum auch mal 27 Euro".

Früher wurden auch Blautannen gerne als Weihnachtsbäume gehandelt oder Rotfichten. Doch die Nordmanntanne hat ihnen längst den Rang abgelaufen. Das weiß auch Josef Gmeiner, Mann vom Fach in mehrerer Beziehung. Er betreibt in Durbach, ganz hinten im Wald, einen größeren landwirtschaftlichen Hof. Ein ruhiges, schmuckes Idyll. Der Betrieb steht auf mehreren Standbeinen. Die Brennerei ist eine davon, der Obstbau eine weitere, hinzu kommen die Ferienwohnungen. Besonders wichtig auch der Privatwald, der sich auf zwei Dritteln der Gesamtfläche von gut 40 Hektar ausbreitet, zu der auch die Christbaumkulturen gehören: "Der Weihnachtsbaum ist schon wichtig für unsere Existenz."

Für die Christbäume sind Gmeiner und acht Kollegen aus dem Ort längst bekannt: Sie haben vor Jahren die Interessengemeinschaft der Durbacher Christbaumbauern (IG) gegründet. Man hilft sich, tauscht sich aus, koordiniert Christbaumkaufevents und machte, bis Corona kam, auch mit Glühwein-Aktionen darauf aufmerksam, dass der Kauf eines regionalen Bäumchens nicht nur zur Existenzsicherung der Waldbauern beiträgt, sondern auch zum Schutz der Umwelt: Ein Transport von Bäumen über mitunter Hunderte von Kilometern, etwa aus dem Sauerland oder gar aus Dänemark, entfällt. Jährlich werden, wie es die Homepage des Landesverbandes ausweist, in dem Josef Gmeiner als stellvertretender Vorsitzender mitarbeitet, europaweit bis zu 60 Millionen Weihnachtsbäume produziert.

Deutschland sei mit etwa 19 Millionen Weihnachtsbäumen pro Jahr das wichtigste produzierende Land. Umgekehrt geht der Verband von insgesamt 27 Millionen Bäumen aus, die verkauft werden, Tendenz eher steigend, zumal der Trend zum Zweitbaum offenbar anhält. Dem Landesverband Baden-Württemberg gehören laut Gmeiner 180 Mitgliedsbetriebe an, vom Odenwald bis zum Bodensee: "Der Schwarzwald ist hinsichtlich der Mitgliederzahl die Hochburg, in anderen Regionen sind die Flächen aber größer."

315 Hektar Tannenbäume

Neben Durbach sind laut Gmeiner auch Orte wie Oberkirch-Ödsbach, Berghaupten oder Oberharmersbach Christbaum-Hochburgen. Und wie groß ist konkret die Christbaumfläche in Durbach? "Schwer zu sagen", so Gmeiner, die Zahlen weichen oft voneinander ab, es dürften so um die 50 Hektar sein. Kai Hockenjos, Pressesprecher des Landratsamtes, weiß es für den Ortenaukreis sehr genau. Die Christbaumfläche im Kreis beträgt laut einer Statistik aus dem Vorjahr 315 Hektar. Laut Durbacher IG sollen kreisweit jährlich bis zu 300.000 Bäumchen geschlagen werden. Der Christbaum ist im Ortenaukreis flächenmäßig die drittwichtigste Sonderkultur, nach Kern- und Steinobst (2672 Hektar) und Reben (2571) – noch vor Beerenobst (287) und Erdbeeren (254 Hektar). Landesweit stehen nach Angaben des Amtes für Landwirtschaft in Offenburg auf 1478 Hektar Fläche Christbaumkulturen.

Die Preise haben in den zurückliegenden Jahren nur leicht angezogen. 2017 kostete der laufende Meter Nordmanntanne 18 Euro, jetzt sind es laut Gmeiner um die 20 Euro. Für einen edel gewachsenen Baum müsse man durchaus auch mal 25 oder gar 27 Euro pro Meter hinlegen. Und warum hat gerade die Nordmanntanne die anderen Sorten klar überholt? "Er hat ein dunkles Grün, weiche Nadeln und ist von unten silbern schimmernd."

Dass der Preis für einen Baum gerechtfertigt ist, beteuert Gmeiner: "Man muss bedenken: Pro Hektar Christbaumkulturen investieren wir in deren Pflege pro Jahr bis zu 400 Arbeitsstunden."