Coronaregeln

Deutsche Basel-Besucher müssen nicht in jedem Fall in Quarantäne

Savera Kang

Von Savera Kang

So, 28. Februar 2021 um 16:01 Uhr

Basel

Ab Montag gibt es in der Schweiz Lockerungen. Menschen aus Lörrach oder Weil dürfen zwar in Basel spazieren gehen. Wenn sie den Tierpark besuchen, müssen sie aber in Quarantäne.

Ab Montag, 1. März treten in der Schweiz erste Lockerungen in Kraft, Geschäfte und Museen etwa dürfen wieder öffnen. Für Basel mit seiner besonders hohen Dichte an Museen ist dies ein wichtiger erster Schritt hin zu einem gewohnten Alltag.

Für Bewohner der Grenzregion gilt jedoch weiterhin, dass sie sich für 24 Stunden mit triftigem Grund in der Schweiz aufhalten dürfen, ohne danach in Quarantäne zu müssen. Und so darf man zwar beispielsweise von Lörrach aus in die Langen Erlen zum Spazieren gehen – ohne Quarantäne. Läuft man dort aber eine Runde durch den Tierpark, ist Quarantäne angesagt.

Mutationen auch in der Schweiz verbreitet

"Die epidemiologische Situation ist weiterhin sehr fragil", sagte Guy Parmelin, der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung. Coronavirus-Mutationen verbreiten sich auch in der Schweiz und die Inzidenzen steigen wieder an. Da sei ein "Gleichgewicht von kontrollierten, schrittweisen Öffnungen und Schutzmaßnahmen" der Weg, den die Schweiz gehen wolle. Ab dem heutigen Montag, 1. März, werden darum zunächst neben allen Geschäften auch Museen ihre Tore wieder öffnen dürfen. Ebenso Bibliotheken, Lesesäle und Archive sowie – sofern sie sich im Freien befinden – Sportanlagen und Freizeitbetriebe.

Restaurants, Bars und Clubs bleiben vorerst zu

So verkündet etwa der Basler Zoo, Besucherinnen und Besuchern Rabatt zu gewähren, da diese nun wieder auf die Außenanlagen dürfen, in die Tierhäuser jedoch noch nicht. Auch der Tierpark Lange Erlen ist wieder zugänglich und der Botanische Garten öffnet ebenfalls die nicht überdachten Bereiche. Außerdem können ab heute wieder Märkte stattfinden, wie das Basler Präsidialdepartement schreibt. "Dies betrifft auch die Flohmärkte auf dem Petersplatz und Barfüsserplatz sowie den Neuwarenmarkt auf dem Barfüsserplatz", heißt es. Auf den Quartiermärkten sind zudem wieder Non-Food-Artikel zugelassen. Vor Ort dürfen auf Märkten angebotene Speisen weiterhin nicht verzehrt werden, nur Take Away ist erlaubt. Auch Restaurants, Bars und Clubs dürfen in diesem ersten Schritt noch nicht wieder eröffnen.

Die Museen haben in der Regel montags geschlossen und werden darum mehrheitlich erst am morgigen Dienstag, 2. März, "mit einer gemeinschaftlichen Aktion" wiedereröffnen, wie die Museumsdirektorenkonferenz Basel in einer Pressemitteilung schreibt. Einige Häuser wollen "freien oder ermäßigten Eintritt, erweiterte Öffnungstage oder -zeiten sowie spezielle Eröffnungstage für neue Ausstellungen" anbieten. Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten weiterhin, zudem könne auf Anmeldesysteme und weitere Maßnahmen zur Corona-Eindämmung zurückgegriffen werden.

Doch: Darf man beispielsweise aus Lörrach einfach an der Wiese entlang nach Basel spazieren und dann, vielleicht spontan, einen Abstecher ins Historische Museum (HMB) machen? Andreas Mante, der auch für die Museumsdirektorenkonferenz spricht, sagt, dass unangemeldete Besuche in den meisten Häusern willkommen sind. Je nach Auslastung müsse man jedoch etwas Wartezeit mitbringen. Und rechtlich: Gilt ein solcher Ausflug in die Nachbarschaft schon als Tourismus?

Rein ja, raus nur mit Quarantäne

Aus Sicht des schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG) steht dem Ausflug nach Basel nichts im Weg. Auf Nachfrage heißt es, dass Menschen aus Lörrach oder Weil, die ein Basler Museum besuchen wollen, dies tun können, solange keine Einreisebeschränkungen für die Einreise in die Schweiz bestehen. "Im Moment ist dies so", schreibt BAG-Sprecher Daniel Dauwalder. Man könne auch, zum Beispiel entlang der Wiese, nach Basel spazieren – und dann weiter, zum Beispiel in den Botanischen Garten. Aber: "Bei der Rückreise nach Deutschland gelten die deutschen Regeln."

Von baden-württembergischer Seite gelten im Grenzraum nach wie vor die Regeln des kleinen Grenzverkehrs: Für bis zu 24 Stunden dürfen Menschen aus Frankreich und der Schweiz aus angrenzenden Kantonen und Départements mit triftigem Grund weiterhin über die Grenze einreisen, ohne Quarantänepflicht, wie das Staatsministerium auf seiner Webseite schreibt. In die entgegengesetzte Richtung gilt das gleiche, auch betreffend (tages-)touristische Reisen und Einkäufen: Seit dem 23. Dezember 2020 muss sich, wer aus den betreffenden Gebieten nach Baden-Württemberg einreist respektive von einer solchen Reise zurückkehrt, in Quarantäne begeben und kann sich frühestens nach fünf Tagen testen lassen.

Keine Grauzone, sondern ein Regelverstoß

Für Touristen aus Deutschland gilt für die Schweiz, Stand Freitag, weiterhin die Einstufung als Risikogebiet, da im Landesschnitt in den zurückliegenden sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnende gemeldet wurden. "Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Schweiz wird aufgrund hoher Infektionszahlen gewarnt", schreibt das Auswärtige Amt denn auch auf seiner Webseite.

Wer beim kleinen Grenzverkehr auf eine Grauzone hofft, wird enttäuscht: Vom zuständigen baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration gibt es eine klare Ansage: Der Besuch eines Museums oder Zoos ist eine "übliche touristische Handlung", teilt Ministeriumssprecher Markus Jox auf Anfrage mit. "Daher ist im Rahmen der 24-Stunden-Regelung eine quarantänefreie Rückreise nach einem Besuch in einem Basler Museum nicht möglich."

Zwischenstopps sollten vermieden werden

Auch, wer zum Arbeiten in die Schweiz fährt, darf nach Feierabend nicht einfach noch ins Museum, bevor er die Rückfahrt antritt: "Im Sinne eines effektiven Infektionsschutzes sollte stets die direkteste und schnellste Strecke zwischen Wohn- und Arbeitsort gewählt werden" – ohne vermeidbare Zwischenstopps, erklärt Jox.

Der grenzüberschreitende Wiese-Spaziergang immerhin stellt nicht automatisch einen Verstoß gegen aktuelle Regelungen dar: "Spaziergänge und ähnliche sportliche Betätigungen wie Joggen oder Fahrradfahren sind im Rahmen der 24-Stunden-Regelung weiterhin quarantänefrei möglich", so Jox. Wichtig hierbei ist, dass "die Bewegung an der frischen Luft im Vordergrund steht und man sich dabei noch im näheren Umfeld zum Wohnort bewegt". Eine Nähe zum Wohnort ist nicht mehr gegeben, wenn "zum Zwecke der Bewegung an der frischen Luft Anfahrten mit dem Auto zum Zielort angetreten werden". Dann können Spaziergänge als "Besichtigung fremder Naturlandschaften" gewertet werden.

Mutationen sorgen für weitere Unsicherheiten

Übrigens würde die 24-Stunden-Regelung auch dann außer Kraft gesetzt, wenn die Schweiz als Virusvarianten-Gebiet eingestuft würde. Ab wann dies geschieht? Das Robert-Koch-Institut, auf dessen Webseite die derzeitigen Virusvarianten-Gebiete aufgelistet sind, verweist in dieser Frage an das Bundesministerium für Gesundheit, von dem es auf Nachfrage lediglich heißt: "Maßgeblich für die Einstufung eines Staates als besonderes Risikogebiet aufgrund des Auftretens einer Virusvariante ist die Verbreitung einer Virusvariante (Mutation), welche nicht zugleich im Inland verbreitet auftritt und von welcher anzunehmen ist, dass von dieser ein besonderes Risiko ausgeht." Konkrete Zahlen, ab welchen Werten das Auftreten einer neuen Variante als Risiko eingeschätzt wird, sind nicht zu erfahren. Klar ist: Überträgt sich eine Mutation schneller, verlaufen Infektionen mit dieser schwerer oder scheint eine Schweizer Variante nicht auf Impfungen zu reagieren, könnten auch unter einer Inzidenz von 50 neue Maßnahmen greifen.

Am 12. März will die Schweizer Regierung wieder zusammenkommen und über mögliche weitere Öffnungsmaßnahmen beraten. In einem zweiten Schritt könnten dann ab frühestens 22. März auch Theater für ein Live-Publikum öffnen und weitere Veranstaltungen wie Konzerte wieder möglich werden. Bei der Pressekonferenz des schweizerischen Bundesrats am Freitag sprach sich Martin Ackermann, Präsident der "National Covid-19 Science Task Force", aber dafür aus, zwischen den Lockerungsschritten mindestens vier Wochen vergehen zu lassen, um keinen "Jo-Jo-Effekt" zu riskieren, wie er sagte.