Hilfe in Not

Deutsche Städte wollen Flüchtlinge aus Moria aufnehmen – auch Freiburg

dpa

Von dpa

Do, 10. September 2020 um 23:05 Uhr

Ausland

Zehn deutsche Städte haben sich bereit erklärt, Menschen aus dem griechischen Lager Moria aufzunehmen. Auch Freiburg hat den Brief an die Bundesregierung unterzeichnet.

"Wir sind bereit, Menschen aus Moria aufzunehmen, um die humanitäre Katastrophe zu entschärfen", heißt es in einem Schreiben der Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister von Hannover, Potsdam, Freiburg, Oldenburg, Düsseldorf, Göttingen, Gießen sowie Köln, Bielefeld und Krefeld. Der Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) lag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag) vor.

Darin heißt es demnach, dass die 13 000 Menschen aus dem Lager Moria nun auch noch ihr letztes Dach über dem Kopf verloren hätten. Die Bundesregierung müsse nun vorangehen und dürfe nicht weiter auf eine gesamteuropäische Lösung warten. Europaweit seien Kommunen zur Mithilfe bereit. Dies müsse ermöglicht werden. Seehofer hatte sich bisher geweigert, bereitwilligen Kommunen diese Möglichkeit zu eröffnen.

Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn schrieb dazu öffentlich auf seiner Facebook-Seite:"Die Stadt Freiburg hat heute erneut die Aufnahmebereitschaft von Flüchtlingen im Rahmen der Initiative ’Städte Sichere Häfen’ signalisiert. Ich appelliere an die Bundesregierung, hier endlich eine Lösung zu finden, denn Freiburg und viele andere Städte in Deutschland und Europa sind aufnahmebereit!"

Union: EU-Staaten sollen 5000 Flüchtlinge aufnehmen

Norbert Röttgen, CDU-Außenpolitiker und Kandidat für den Parteivorsitz, warb im ARD-"Brennpunkt" für die Forderung von 16 Unions-Abgeordneten, 5000 Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. "Jeder Flüchtling, der im Dreck in Moria sitzt, zum Teil seit Jahren, hat die gleiche Menschenwürde wie wir hier in Europa", sagte Röttgen. Wenn 5000 Flüchtlinge in Deutschland und anderen europäischen Staaten aufgenommen würden, sei dies eine "wirkliche Entlastung" für die Lage vor Ort. Es handle sich auf Lesbos um "nackte, menschliche Not". Röttgen hatte den Vorstoß der Unions-Abgeordneten ebenfalls unterzeichnet.

Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron hatten nach dem Feuer im griechischen Flüchtlingslager Moria auf Bitten Griechenlands angekündigt, zusammen mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. Die Zahl gilt für alle teilnehmenden Länder – wie viele davon Deutschland übernehmen würde, stand am Donnerstag zunächst nicht fest, wie es hieß. Später wurde bekannt, dass sich auch die Niederlande bereit erklärten, 100 Flüchtlinge aufzunehmen.