Absage

Die Badenmesse in Freiburg wird nicht mehr stattfinden

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 16. Januar 2020 um 17:47 Uhr

Freiburg

Einst war sie das stolze Flaggschiff der Messe Freiburg und lockte weit mehr als 100.000 Interessierte: Nach deutlichem Besucherrückgang wird es keine 67. Auflage der Traditionsveranstaltung geben.

Nun ist Schluss – die Badenmesse ist Geschichte. Es wird in diesem Herbst keine 67. Auflage der Traditionsveranstaltung geben, die es im vergangenen Jahr nur noch auf 37.000 Besucher an neun Messetagen gebracht hatte: "Wir können nicht etwas künstlich am Leben erhalten, wovon der Aussteller, aber auch der Besucher nicht mehr überzeugt ist", sagt Messechef Daniel Strowitzki.

1953 fand die erste Badenmesse statt

Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel ist bei den Verantwortlichen die Entscheidung gereift, die nach der Gebrauchtwagenmesse zweitälteste Veranstaltung der Messe einzustellen. Bevor sich der Daumen endgültig nach unten senke, hatte Daniel Strowitzki sogar noch einmal mit seinem Vorgänger Klaus Seilnacht telefoniert, der die im Jahr 1953 zu Wirtschaftswunderzeiten gestartete Badenmesse über mehrere Jahrzehnte begleitet hatte.

Bei den Besucherzahlen war die Kurve in den vergangenen Jahren steil nach unten gegangen. Nachdem die 64 000 Badenmesse-Gäste 2018 schon ein Negativrekord waren, sackte die Zahl 2019 noch einmal um mehr als 40 Prozent ab. Trotz neuen Themen, neuem Auftritt und anderer Bemühungen, wie Strowitzki sagt. Es kamen auch immer weniger Aussteller: Im vergangenen Herbst waren es noch 300 – im Jahr davor hatten noch 450 Aussteller ihre Waren und Dienstleistungen angeboten.

Dabei hatte die Messe Freiburg bei der 66. und nun auch letzten Auflage noch einmal alles versucht: Es wurde der Themenbereich "Gesund & Vital" angeboten, es gab Schnupper-Yoga, Bloggerauftritte, Schlagerclub, hauswirtschaftliche Themen und vieles mehr. Richtig gezogen hat die Mischung nicht mehr: "Es ist uns aus unterschiedlichsten Gründen nicht gelungen, die Besucher zu erreichen. Wir konnten somit auch die Erwartungen der Aussteller nicht erfüllen." Deswegen müsse man nun Konsequenzen ziehen – auch wenn man die Badenmesse mit einem weinenden Auge aufgebe.


Man wolle die Zeit nutzen, mit internen und externen Partnern neue Formate und neue Themen zu erstellen, um mit diesen dann im Herbst 2021 unter einem neuen Namen an den Markt gehen zu können. Das Format Badenmesse sei Geschichte, so Strowitzki. Er spüre aber Erleichterung, dass man nun nach schwierigen Jahren die Entscheidung auch getroffen habe. Wirtschaftlich werde sich das Ende der Traditionsveranstaltung nicht negativ auf das Ergebnis der Messe Freiburg auswirken.

Verbrauchermessen kämpfen auch an anderen Standorten

Strowitzki weist auch darauf hin, dass es im Laufe der Jahre immer wieder Ausgliederungen einzelner Bereiche und Themen aus der Badenmesse gegeben habe – wie etwa die Plaza Culinaria oder die Getec, in der es um Bauen, Renovieren, Wohnen und Energietechnik geht. "Das war alles sehr erfolgreich und war auch der richtige Schritt für die Messe Freiburg – für die Badenmesse war dies aber schwierig", sagt Strowitzki.

Auch an anderen Messestandorten quer durch Deutschland kämpfen traditionelle Verbrauchermessen um ihr Weiterbestehen. Das bestätigt Harald Kötter vom Verband der Deutschen Messewirtschaft AUMA. Zwar gebe es in Deutschland noch einige Verbrauchermessen mit gutem Zuspruch, so in Hannover. Aber der Trend sei klar: Seit einigen Jahren zeigen auf vier bis fünf Messetage ausgerichtete spezialisierte Messen eine bessere Performance. Dennoch zeigte sich Kötter am Donnerstag vom schnellen Ende der Badenmesse überrascht.