Glaube to go

Die Bibel wird jetzt mit Playmobil-Figuren in Szene gesetzt

Alexander Dick

Von Alexander Dick

So, 18. Oktober 2020 um 10:31 Uhr

Panorama

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik will eine neue Initiative starten, mit der es die Bibel unters Volk tragen will. Wohl so ähnlich, wie die Fastfoodketten das Essen und den Kaffee.

Am Wochenende waren wir auf einer Konfirmation eingeladen, die schon im Mai hätte stattfinden sollen und aus bekannten Gründen verschoben werden musste. Schönes Fest, die Gäste waren um Einhaltung der Hygieneregeln bemüht. Und die Kirche um Jugendlichkeit. Zum Einzug der acht Konfirmandinnen und Konfirmanden spielte der Organist "We Are The Champions", und auch sonst war alles ganz locker auf der Konfi.

Konfi? Ja, das ist offenbar die korrekte neue hypercoole Sprachregelung, mit der die Pfarrerinnen und Pfarrer zeigen, dass sie nicht von gestern sind. So wie auch das GEP. Das ist die Abkürzung für Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. Dieses hat jetzt bekanntgegeben, dass es eine neue Initiative startet, mit der es die Bibel unters Volk tragen will. Wohl so ähnlich, wie die Fastfoodketten das Essen und den Kaffee. Die Aktion jedenfalls trägt den Titel "Die Bibel to go".

Das klingt ein bisschen, als bekäme man am Kirchen-Drive-in ein paar Evangelien und Psalmen in einem Pappbecher, rühre kräftig um, stelle das Gefäß dann in die dafür vorgesehene Halterung seines SUVs und schlürfe alle paar Kilometer ein paar Verse aus dem Buch der Bücher.

Ist natürlich ganz anders. "Die Bibel to go" ist ein Work-in-Progress des Autors Michael Sommer. Der will mit putzigen Playmobilfigürchen binnen eines Jahres die Essentials aus der Bibel in Youtube-Videos nachspielen – "verplaymobilisieren" nennt das GEP das. Fürwahr ein schönes Wort. Und eine schöne Aktion. Sommer hat Erfahrung im Verlegen großer Literatur in die Welt der Plastik-Klickies aus Fürth. Hatte er doch schon die Klassiker analog inszeniert und für seinen Weltliteratur-Kanal 2018 sogar den Grimme Online Award bekommen – also sozusagen den "Grimme to go".

Mal sehen, wie es wird, wenn Playmobil-Kain den Playmobil-Abel erschlägt. Die Ergebnisse werden auf den Kanälen "Sommers Weltliteratur to go" und "evangelisch.de" zu bewundern sein. Und sicher bald auch bei jeder Konfi.