Syrienkrieg

Die Furcht vor dem IS bleibt – eine Reise durch das befreite Nordsyrien

Cedric Rehmann

Von Cedric Rehmann

Mi, 16. Mai 2018 um 10:45 Uhr

Ausland

BZ-Plus Nordsyrien wurde mit Hilfe kurdischer und arabischer Einheiten von der Terrormiliz IS befreit. Aber auch Monate nach der Befreiung mangelt es an fast allem – eine Reise durch eine zerstörte Region.

Mohammed al-Fahad blickt auf den "Kreisverkehr der Hölle", während er seine Mixer reinigt. Er verkauft Fruchtsäfte an dem Platz im Zentrum von Rakka, wo die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) noch bis vergangenen Oktober die Köpfe ihrer Opfer auf Zaunlatten aufspießte. "Sie haben uns gezwungen, alles mit anzusehen, die Folter, die Hinrichtungen", sagt der Mann aus der ehemaligen IS-Hauptstadt in Syrien. Al-Fahad hat nichts zu tun. Abends wird er die ziemlich leere Kasse einpacken und mit einem Motorroller über die schuttbedeckten Straßen zu seinem Haus in einem Vorort von Rakka fahren. Zwei Kinder und seine Frau warten dort, erzählt er, aber der Vater verdient kaum etwas.
"Mein Kopf war immer auf Reisen, als das passiert ist. Ich war ganz woanders." Mohammed al-Fahad, Fruchtsaft-Verkäufer "Vor dem Krieg war ich Ingenieur", sagt al-Fahad. Er trägt eine lederne Armbanduhr und ein cremefarbenes Leinenhemd. Darin wirkt er wie ein Geist, der sich aus einer besseren Vergangenheit in die Düsternis der Gegenwart verirrt hat. Al-Fahad sieht abwesend aus, als er berichtet, was er erlebte in seiner Stadt, die, so sagt er, der Teufel in Besitz genommen hatte. "Wir waren mal gebildete Leute, wir hatten eine Universität, ein Archäologiemuseum, kulturelles Leben", sagt er, dann spricht er kein Wort mehr. Schweigt lange.

Was die Zukunft bringt? Über die neue Verwaltung unter der Ägide der kurdisch-arabischen "Syrisch Demokratischen Front" (SDF) könne er nicht klagen, meint al-Fahad. Was solle sie angesichts der Verwüstung auch ausrichten, sie könne nur das nackte Überleben sichern. Vielleicht übernehme auch das Assad-Regime die Stadt wieder, meint er, wer wisse das schon. Es ist ihm ohnehin eins. Wenn er nie wieder mit ansehen müsse, wie Schwerter Hälse spalteten, danke er Gott. "Mein Kopf war immer auf Reisen, als das passiert ist. Ich war ganz woanders", sagt er. Auch jetzt, ...

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