Quellwasser

Die Gemeinde Eichstetten hält ihre alten Quellen in Schuss

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Di, 24. März 2020 um 11:22 Uhr

Eichstetten

Der Geologe Bernhard Grimm erkundet alte Quellfassungen und Brunnen im Kaiserstuhl. Auch bei Eichsteten gibt es solche über hundert Jahre alte Anlagen, die zum Teil noch genutzt werden.

Wie ausgeklügelt einst die Wasserversorgung von Eichstetten angelegt war, dafür ist Bernhard Grimm ein Experte. Im späten 19. Jahrhundert wurde unter Nutzung mehrere Quellen ein e Wasserversorgung für die Gemeinde aufgebaut, als die Versorgung aus den alten Hausbrunnen alleine nicht mehr genügte. Eine Gruppe von gut 15 Teilnehmern führte der Geologe zu alten Brunnenschächten und Quellfassungen im Pfaffental und Rippachtal. Die Veranstaltung des Naturzentrums Ihringen vergangene Woche war wegen des Coronavirus nicht abgesagt worden, fand sie doch gänzlich im Freien statt, wo die Teilnehmer problemlos Abstand zueinander halten konnten.

Startpunkt war das alte Rückhaltebecken unweit des Eichstetter Samengartens. In dieses münden Gräben aus den beiden Tälchen, aber auch Wasser aus Grundwasserquellen. Solches Quellwasser wurde einst zu den Hochbehältern über dem Dorf geleitet. Der älteste wurde vor Jahren abgetragen, der zweite wird nicht mehr genutzt, er hatte auch Wasser von einem um 1930 angelegten Tiefbrunnen bezogen.

Heute sind die Quellen vom Trinkwassernetz abgehängt

Der neueste Hochbehälter, südlich vom Oberdorf gelegen, bezieht sein Trinkwasser ausschließlich aus dem in den 1990er Jahren angelegten Tiefbrunnen im Gewann See. Zwar führt noch eine Leitung aus dem Gebiet der alten Quellfassungen zu diesem Hochbehälter, nur wird ihr Wasser nicht mehr ins Trinkwassernetz eingespeist. Die Nitratbelastung als Folge der Düngung in den Weinbergen und auf den Feldern sei dafür zu hoch, erklärte Grimm.

Insgesamt sind auf Eichstetter Gebiet zwölf Quellen mit unterirdischen Leitungen gefasst, hinzu kommen noch fünf weitere Quellen. Am ganzen Kaiserstuhl hat Grimm 220 Quellen gezählt, dazu noch 51 Sammelschächte, in denen Leitungen das Wasser verschiedener Quellen zusammenführen. Diese Schächte, ebenso wie die einzelner Quellen, sind heute noch gut an den schweren Eisendeckeln zu erkennen, welche die meist nur wenige Zentimeter aus dem Erdboden aufragenden Schachtfassungen abdecken. In diesen verlaufen meist in etwa vier Metern Tiefe die Quellleitungen.

In alten Schächten laufen mehrere Quellen zusammen

Dieses Netz wurde in den 1880er Jahren angelegt, um Grundwasser zu erschließen. Mal sind es gelochte Rohre, in die das Grundwasser auf einer längeren Strecke einsickert. Es gibt aber Schächte, in denen ein Rohr das dort fließende Grundwasser direkt ansticht. Ein solcher Quellaufbruch findet sich bei der sogenannten Römerquelle im Gewann Kaltenbrunnen. Vier Meter tief ist der Schacht, drei weitere Meter führt ein Zementrohr in die Tiefe, aus dem das dort angestochene Grundwasser austritt. Diese Quelle, die mit einigen weiteren am Kaiserstuhl von der Landesanstalt für Umweltschutz kontrolliert wird, habe eine Schüttung von zwei bis drei Litern pro Sekunde. Seit den trockenen Sommern der vergangenen drei Jahre aber gebe sie nur noch gut einen Liter ab.

Dass die Eichstetter im 19. Jahrhundert Grundwasserquellen anzapfen und damit ihre Laufbrunnen und das Leitungsnetz im Dorf versorgen konnten, haben sie den geologischen Besonderheiten des Ostkaiserstuhls zu verdanken. Dort liegt überall Löss, in den Eiszeiten bis vor rund 12.000 Jahren abgelagerter, extrem feiner Flugsand. "Der Löss ist wie ein riesiger Schwamm, der Wasser speichert und gleichmäßig abgibt", erklärte Grimm. Unter dem Löss liegen tertiäre Sedimente, mehr als 20 Millionen Jahre alt. Auf ihnen staut sich das Grundwasser, so dass dort angezapft werden kann. Oder es tritt von selbst an die Oberfläche, wenn diese die Grenzschicht anschneidet.

Der Löss speichert Wasser wie ein Schwamm

Auch im Löss selbst kann es solche wasserstauenden Zwischenschichten geben, an denen Quellwasser austritt. Weiter oben, wo sich der Wald zur Eichelspitze hinzieht und die Hänge steiler sind, findet sich Vulkangestein, zwischen 16 und 20 Millionen Jahre alt. Dort gibt es nur kleine Quellen, die bei längerer Trockenheit auch versiegen können.

Welchen Untergrund ein Quellwasser durchlaufen hat, erkennt Grimm mit einem Messgerät, das die Leitungsfähigkeit des Wassers misst, denn diese ist je nach seinen mineralischen Spuren, die es enthält, verschieden. Auch die Temperatur gibt Hinweise. Ein echte Grundwasserquelle hat ganzjährig immer 12 bis 13 Grad kühles Wasser. Oberflächenwasser in Gräben oder solches, das eine längere Strecke durch bodennahe Leitungen lief, ist im Winter kälter, im Sommer dafür wärmer. Wo der seitliche Überlauf eines Quellschachtes in einen kleinen Wassergraben ins Pfaffental mündet, führte Grimm eine solche Messung vor.

Diese Messungen, dazu Hinweise von älteren Einwohnern und den örtlichen Wassermeistern hat Grimm zusammengetragen und mit seinen Forschungen in Archiven abgeglichen. Das Ergebnis dieser jahrelangen Arbeit, die er neben seinen Aufgaben im geologischen Landesamt betrieb, will er für den ganzen Kaiserstuhl noch in diesem Jahr veröffentlichen.

Die alten Hausbrunnen sind noch ein Forschungsziel

Aber auch dann bleibt noch manches zu entdecken: Grimm will auch gerne noch Wissenswertes zu den einstigen Hausbrunnen herausfinden, die es früher in fast jedem Eichstetter Hofanwesen gab.

Voll des Lobes ist Grimm für die Gemeinde Eichstetten und ihre Wassermeister. "Sie pflegen noch die Quellschächte und Brunnenfassungen, das ist nicht überall so am Kaiserstuhl", erklärte er. Und ein Teil des Wassers wird auch bis heute von Landwirten und Wintern genutzt: Die Zapfstelle beim alten Rückhaltebecken wird von dem Quellwasser gespeist. Bevor die Tour dort endete, führte sie noch am historischen Steinbruch im Meisensatz vorbei. Er öffnete, wie durch ein Fenster, einen Blick in die Zeit des aktiven Kaiserstuhlvulkans.