Waldstück

Die geplante Abholzung für Parkplätze am Keidel-Bad wird zum Aufreger

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 18. August 2019 um 09:46 Uhr

Freiburg

Der Sonntag Bäume sind in Freiburg ein sensibles Thema wie kaum ein anderes und die schlechten Nachrichten zur Entwicklung des Klimas tun da ihr Übriges. Drum hat der anfangs zögerliche Protest gegen das Fällen von Bäumen am Eugen-Keidel-Bad nun richtig Fahrt aufgenommen.

Die Sache benötigte ein wenig Anlauf. Auf die erste Berichterstattung der Badischen Zeitung Ende Juli hin trafen dort einige Leserbriefe ein, am 23. Juli hatte die JPG-Fraktion in ihren letzten Amtstagen eine skeptische Anfrage an die Stadt gestellt: Könne man rechtfertigen, so viele Bäume am Eugen-Keidel-Bad für neue Parkplätze zu fällen? Damit schien sich der Protest zunächst in die Ferienpause zu verabschieden – sollte doch der Gemeinderat im Herbst feststellen, was da im Mooswald los ist.

Dort vor den Toren der Stadt will die Freiburger Kommunalbauten, die wie die Betreibergesellschaft des Keidel-Thermalbades zum Stadtbau-Verbund gehört, rund 200 neue Parkplätze schaffen. Laut Landesbauordnung müsse man 350 Plätze nachweisen, so die Begründung, der Ausbau des Bades verlange noch weitere 50 Plätze. Vorhanden sind aber nur 195, auf denen nicht selten Gedränge herrscht. Realisiert werden sollen die 200 Plätze auf einem angrenzenden Areal – und dafür müssen dort 190 Bäume gefällt werden.

Das ist nicht nur für Baum-affine Freiburger eine gewaltige Zahl, und die Tatsache, dass für diese zu fällenden Bäume schon in den 80er Jahren Ersatz im Rieselfeld gepflanzt wurde – an ihrer Stelle sollte schonmal ein Hotel entstehen –, dämpft den Protest nicht. In der Redaktion des Sonntag trafen diese Woche unter anderem ein: eEin Brief von Altstadtrat Sebastian Müller und ein paar Dutzend weiteren Unterzeichnern, gerichtet an OB Martin Horn. Man sehe das Fällen der Bäume angesichts von Klimawandel, Hitzewellen und steigendem Klimabewusstsein als "eine völlig aus der Zeit gefallene Maßnahme", steht darin, gefolgt von Vorschlägen für eine bessere ÖPNV-Anbindung des Keidel-Bades. Ein weiteres Schreiben mit ähnlichen Argumenten, gerichtet ebenfalls an Martin Horn, kam von der Fraktionsgemeinschaft "Eine Stadt für alle", (Linke Liste, GAF und Unabhängige Frauen). Sie regt unter anderem Gebühren für die bestehenden Parkplätze an und die Umleitung der Besucher auf neue Shuttle-Busse.

Die Wählervereinigung Freiburg Lebenswert bittet, die Stadt solle darüber nachdenken, ob der Bau eines Parkhauses mit mehreren Stockwerken nicht mehr Stellplätze auf weniger Fläche ermöglichen und damit manchem Baum das Leben retten würde. Der Landesnaturschutzverband schließlich kritisierte diese Woche "die Kahlschlag-Politik der Stadt", und von Kahlschlag spricht auch der Freiburger Arzt Josef Rabenbauer, der auf der Plattform Change.org die obligatorische Online-Unterschriftensammlung aufgesetzt hat. Angesichts der Klimakrise seien Abholzungen nicht akzeptabel, sagt Rabenbauer gegenüber dem Sonntag . "Jeder von uns sollte seinen Beitrag leisten, dass wir uns nicht weiter in Richtung der Katastrophe bewegen."

Im Herbst soll es losgehen

Bei der Stadtbau hält man den Parkplatzbau auch nach dem öffentlichen Wirbel dieser Woche für die einzig realistische Möglichkeit, den gestiegenen Besucherströmen und den Ansprüchen der Bauordnung gerecht zu werden. Rund 75 Prozent der Gäste kommen nach hauseigenen Zählungen bei Fahrzeiten von rund einer Stunde aus dem ganzen Umland, 90 Prozent fahren mit dem Auto an. "Vor diesem Hintergrund haben wir über Alternativen nachgedacht", so die technische Geschäftsführerin der Stadtbau, Magdalena Szablewska, gegenüber dem Sonntag . Da die Hauptsaison des Thermalbades im Winter liege, habe man Radverkehr weitgehend ausgeschlossen. Eine Buslinie mit einem Takt von einer halben Stunde gebe es bereits, den PKW-Verkehr hat sie kaum verringert. Und dann seien Besucher eines Thermalbades nicht selten körperlich eingeschränkt. "In diesem Konglomerat glaube ich nicht, dass man ein Mobilitätskonzept aufstellen kann, von dem man realistisch sagen kann, das ersetzt uns 200 Stellplätze", sagt Magdalena Szablewska.

Will der Gemeinderat nach der Sonmerpause doch Alternativen finden, bleibt dafür nicht viel Zeit. Im Oktober will die Stadtbau mit dem Fällen der Bäume beginnen, Anfang kommenden Jahres könnte dann der Bau der Parkfläche beginnen.