Kontakt-Verfolgung

Die Gesundheitsämter in Südbaden brauchen Verstärkung

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Von Max Schuler, Jonas Hirt, Marius Alexander & Ralf Burgmaier

Di, 29. September 2020 um 20:58 Uhr

Deutschland

Das Infektionsgeschehen ändert sich: Gesundheitsämter in Südbaden können zwar noch alle Infektionsketten nachverfolgen, arbeiten aber am Anschlag. Das Personal soll aufgestockt werden.

Die Gesundheitsämter in Südbaden haben mit der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten alle Hände voll zu tun. Bis vor zwei Wochen hatten die Ämter vor allem mit Reiserückkehrern zu tun. "Das waren für uns übersichtliche Recherchen. Meist mussten wir die Menschen überprüfen, die zusammen gereist sind", sagte Oliver Kappert, Leiter des Gesundheitsamts für Freiburg und den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Doch im Moment ändert sich das Infektionsgeschehen in Südbaden. Inzwischen gebe es "ein massives Fallaufkommen vor Ort unter anderem auch in Kindereinrichtungen und Schulen". Dabei gebe es auch nicht mehr so ganz klare Infektionsketten und Ansteckungsquellen, sagt Kappert. "Wir haben bis zu 30 Kontaktpersonen, die wir pro Fall kontaktieren müssen. Zu Zeiten des Lockdowns waren es dagegen meist nur der Familienverbund oder die direkten Kollegen am Arbeitsplatz."

Kein Landkreis kann Forderung des Landes erfüllen

Im Landkreis Lörrach müssten sich im Gesundheitsamt 57 Vollzeitstellen um die Kontaktverfolgung kümmern. Diese Zahl nannte die Leiterin des Gesundheitsamts, Katharina von der Hardt, am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Hintergrund sei eine Berechnung des Landes Baden-Württemberg, wonach pro 20.000 Einwohnern fünf Mitarbeiter für die Kontaktverfolgung zuständig sein sollten, erläuterte Landrätin Marion Dammann.

"Das ist in keinem Landkreis umsetzbar. Der Fachbereich in Lörrach verfügt momentan über 22,5 Stellen. Dennoch gelinge die Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten, sagte die Leiterin des Gesundheitsamts. "Wir schaffen das derzeit gut." Das sei aber nur durch Überstunden und Wochenendarbeiten möglich. Die Corona-Warn-App sei bislang keine große Hilfe für das Gesundheitsamt.

Die Behörde entscheide flexibel, wie viele Mitarbeiter zur Kontaktverfolgung nötig seien. Zudem würden Beschäftigte von ihren Aufgaben im Fachbereich für die Pandemiebekämpfung abgezogen. Die Landrätin hält es für möglich, dass die Gesundheitsämter wieder Studierende als Verstärkung bekommen könnten.

Immer mehr Kontaktpersonen pro Corona-Fall

Die Zahl der Menschen, die potenziell mit Corona-Infizierten in Kontakt standen, ist nach Aussage von Armin Dietz, dem Leiter des Emmendinger Gesundheitsamts, stark angestiegen. "Hinsichtlich der individuellen Ermittlung und Einstufung von Kontaktpersonen resultiert eine zunehmende Belastung bis hin zu drohender Erschöpfung der Kapazitäten", sagte Dietz.

Bislang jedoch sei eine "vollständige Ermittlung aller engen Kontaktpersonen" und deren "rechtzeitige Information und Quarantänisierung" gelungen. Seit Anfang September setze sich jedoch der Trend fort, dass immer häufiger die Quelle oder Ursache einer Infektion nicht festgestellt werden könne. Zwar seien die Anfragen an das Gesundheitsamt wegen Testmöglichkeiten "sehr selten" geworden, dafür nehme die Zahl von Nachfragen wegen einer Beratung von Reiserückkehrern oder Reisewilligen "exorbitant zu".

Verstärkung wird dringend erwartet

Beim Gesundheitsamt des Ortenaukreises seien derzeit 15 zusätzliche Personen für die Kontaktverfolgung zuständig, sagt Evelyn Bressau, Leiterin des Gesundheitsamts. "Wir versuchen die Mitarbeiterzahl allerdings weiterhin an die Situation und den Bedarf anzupassen, weshalb sich beispielsweise Medizinstudenten gerne melden dürfen, um uns hierbei zu unterstützen", sagt Bressau weiter: "Wir sind froh, dass Bund und Land sich um mehr Personal bemühen und unseren Bedarf anerkennen, leider ist bis jetzt jedoch nur ganz wenig spürbar bei uns angekommen. Wir erwarten dringend die angekündigte Verstärkung durch das Land."

Aus diesen Gründen sei das Landratsamt in Vorleistung getreten, um die Lageentwicklung abzufangen, sowohl durch Neueinstellungen als auch durch Bündelung von Personal aus anderen Ämtern des Hauses.