Wald

Die Gründe für Verbissschäden sind sehr vielschichtig

Thomas Rist, Jäger

Von Thomas Rist, Jäger (Kenzingen)

Sa, 05. September 2020

Leserbriefe

Zu: "Das Leiden der jungen Bäumchen", Beitrag von Andreas Frey (Politik, 8. August)
Es liegt in der Natur der Dinge, dass spezielle Baumarten und Kulturpflanzen von bestimmten Wildarten mehr angezogen und verbissen werden. Eichen gehören mit dazu. Die Gründe hierfür sind sehr vielschichtig und sollten deshalb entsprechend differenziert betrachtet werden.

So wird die Jagd durch das gesteigerte Freizeitverhalten der Menschen in Wald und Flur den Jägern zunehmend erschwert. Waldbauliche und landwirtschaftliche Prozesse wirken sich im Jagdbetrieb vielfach ungünstig aus. Es herrscht in den Wäldern nahezu Dauerbetrieb. Auch das unkontrollierte Springenlassen von Hunden beunruhigt das Wild erheblich. Im Zuge dessen versteckt sich dieses immer mehr und verändert sein natürliches Verhalten. Wildunfälle nehmen bundesweit mitunter deshalb jährlich zu.

Darüber hinaus kann die Anwesenheit größerer Raubtiere wie Luchs, Wolf (auch Wildschweine) örtlich die Verbisssituation begünstigen. Auch ein zu starker Jagddruck durch die Jägerin oder den Jäger kann Einfluss auf Wildschäden nehmen. Das Wild wandert dann ab und taucht anderswo verstärkt auf.

Dass Rehe zu veritablen Killern erklärt werden und mehr oder weniger alle Jäger vom Hochsitz aus Gott spielen, ist überzogen und viel zu pauschal angelegt. Gerne lade ich interessierte Leserinnen und Leser ein und zeige ihnen vor Ort, dass verbissanfällige Baumarten wie Weißtanne und Douglasie auch ohne Zäune und sonstige Maßnahmen schnell heranwachsen. Dies in Einklang mit dem Wild.

Entsprechend dem Jagdgesetz haben wir Jägerinnen und Jäger für einen der Land- und Forstwirtschaft angepassten und gesunden Wildbestand zu sorgen. Doch es ist leider mancherorts immer noch so, dass Jägerinnen und Jäger an alten, elitären Zöpfen wie Wildtier-, Trophäenzucht festhalten. Das hat mit natürlicher Jagd und wildbiologischen Kriterien nichts zu tun und muss gegebenenfalls den zuständigen Behörden angezeigt werden.Thomas Rist, Jäger, Kenzingen