Die Johanneskirche hat ihre Orgel wieder

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Mo, 22. Juli 2019

Weil am Rhein

Die Zuhörer erfahren, was der Restaurator zu beachten hatte und wie er gearbeitet hat.

WEIL AM RHEIN (ysie). "Wir haben die Orgel wieder und sie wird uns schweben lassen!", so begrüßte Christa Grommelt vom Kirchengemeinderat die etwa 30 Gemeindemitglieder der Johannesgemeinde, die die restaurierte Orgel kennenlernen wollten.

Das 1957 gebaute Instrument war erst einmal gereinigt worden, wie Restaurator Jens Steinhoff erklärte. Es stammt vom Unternehmen G.F. Steinmeyer in Oettingen, das von 1847 bis 2011 Orgeln baute und sich heute der Restauration widmet. Die schlichte Orgel in der Johanneskirche mit zwei Manualen und einem Pedal trägt die Seriennummer 1935 und ist mit zwölf Registern klein. Sie reicht aber aus, um den Raum mit ihrem Klang zu füllen.

Bei der Revision wurden die Pfeifen herausgenommen und gereinigt. Auch prüfte Steinhoff, ob sie gut ansprechen. Zwar wurde die Orgel vor einigen Wochen gestimmt, aufgrund der letzten Hitzewochen muss sie aber im Herbst nachgestimmt werden. Neben den musikalischen Aspekten standen jedoch auch technische Fragen bei der Restauration im Zentrum. Zur Bauzeit war es ganz modern, dass die Pfeifen elektrisch und nicht mechanisch angesteuert werden, so dass der Organist an einem eigenen Spieltisch neben dem Instrument sitzt. Aus Sicherheitsgründen musste nun diese Technik erneuert werden, um fatale Kurzschlüsse zu vermeiden. Organist Johannes Fankhauser, zeitweilig begleitet von seiner Schwester Julia an der Flöte, zeigte dem aufmerksam lauschenden Publikum, was alles im Instrument steckt. So bot sich die Gelegenheit, die Register einzeln zu hören und damit die Klangunterschiede zu erfahren - manche sind offen, andere gedeckt, sie basieren auf Holz- oder auf Metallpfeifen, eines imitiert den Klang einer Blockflöte und die Klangkrone bringt den typischen Orgelklang. Natürlich decken sie auch unterschiedliche Tonlagen ab. Das dunkel klingende Register Subbass 16 Fuß spürte man mehr, als dass man es hörte, und das Publikum lachte fast ungläubig bei Tönen, die schon an der oberen Hörgrenze lagen – "anscheinend hören Sie aber alle noch sehr gut!", meinte Steinhoff. Dazu hat die Orgel einige Effektregister: Der Tremulant war schon seit Jahren kaputt, nun aber kann er wieder die Töne in Schwingungen versetzen und Tremoli erzeugen. Eine weitere technische Finesse ist, dass man die Manuale und die Pedale koppeln kann, das sogenannte Superkoppeln, um eine größere Klangvielfalt zu erreichen. Laut Steinhoff ist es auch selten, dass man mit einem Schalter einstellen könne, dass der Ton wie bei der Weiler Orgel gleichzeitig um eine Oktave höher ertönt. Neu ist schließlich, dass man jetzt das Instrument auch aus dem Kirchenraum mit einem Keyboard ansteuern kann.

Bei "Nun ruhen alle Wälder" konnte die Gemeinde einstimmen, und auch beim abschließenden "Was Gott tut, das ist wohl getan" zog Fankhauser dann alle Register. Bärbel Mues fasste zusammen: "Es ist schon ein besonderes Erlebnis, was unsere Orgel alles kann!" Mit einem Apero im neuen Gemeindehaus klang die Veranstaltung aus.