Impfkampagne

Unternehmen in Südbaden bereiten Impfungen durch Betriebsärzte vor

Stefan Ammann, dpa, afp

Von Stefan Ammann, dpa & afp

Fr, 23. April 2021 um 10:03 Uhr

Wirtschaft

In Baden-Württemberg startet das erste Pilotprojekt zum Impfen in Betrieben. Das Interesse bei den Unternehmen ist groß – auch in Südbaden stehen einige schon in den Startlöchern.

In Baden-Württemberg startet nächste Woche das erste Pilotprojekt zur Corona-Impfung im Betrieb. Ab Mai folgen weitere Modellprojekte in Unternehmen. Im Sommer sollen die Betriebsärzte dann neben den Impfzentren und den Hausärzten die dritte Säule der Impfkampagne bilden. Das Interesse bei den Unternehmen ist groß. Auch in Südbaden stehen einige schon in den Startlöchern.

In Sachsen und Rheinland-Pfalz laufen bereits Pilotprojekte: Volkswagen hat schon Ende März erste Mitarbeiter in Zwickau geimpft. Der Chemiekonzern BASF startete in Ludwigshafen vor wenigen Tagen. Baden-Württemberg will nun zügig nachziehen. In der kommenden Woche soll das Impfzentrum des Kranherstellers Liebherr im Alb-Donau-Kreis in Betrieb gehen. Das Unternehmen wird dann in Ehingen zuerst Mitarbeiter ab 60 Jahren impfen.

Im Sommer soll die Impfkampagne unter Volllast laufen

Im Mai solle mit weiteren Modellprojekten der Grundstein für die Impfkampagne in Betrieben gelegt werden, heißt es in einer Pressemitteilung des baden-württembergischen Sozialministeriums. Dazu zählen auch Betriebsärzte in den Justizvollzugsanstalten.

Offene Fragen will das Sozialministerium am 28. April in einem Gespräch mit Unternehmen und Betriebsärzten klären. Spätestens ab Sommer, wenn deutlich mehr Impfstoff erwartet wird, sollen nach dem Beschluss des landesweiten Impfgipfels am vergangenen Freitag alle Teile der Impfkampagne unter Volllast laufen, wie es aus Stuttgart heißt.

Impfreihenfolge bleibt vorerst unangetastet

Die Projekte werden von den Industrie- und Handelskammern (IHK) im Land koordiniert. Bei den Wirtschaftsverbänden stößt die Idee erwartungsgemäß auf großen Zuspruch. "Generell gilt: Möglichst viele, möglichst schnell", sagt Christoph Münzer, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB). Die passende Mischung aus Impfzentren, niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten müsse sich bei großen und kleinen Unternehmen in Stadt und ländlichem Raum pragmatisch und individuell finden, so Münzer. "Wir befürworten das Impfen in den Betrieben sehr", sagt Dieter Salomon, Geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein: "Damit das in der Breite Sinn macht, muss die Priorisierung aber aufgehoben sein."

"Das Ziel im Mai heißt weiter: Schutz für diejenigen Menschen, die ihn am dringendsten brauchen." Sozialminister Manfred Lucha (Die Grünen)
Danach sieht es jedoch zumindest während der Pilotphase momentan nicht aus. "Das Ziel im Mai heißt weiter: Schutz für diejenigen Menschen, die ihn am dringendsten brauchen", betont Sozialminister Manfred Lucha (Die Grünen). Auch wenn im Mai mit mehr Impfstoff zu rechnen sei, werde zunächst weiterhin nach der Reihenfolge geimpft, so der Minister.

Die Deutsche Bahn will Mitarbeiter impfen

Die rund 12.000 Betriebsärzte in Deutschland stünden jedenfalls für die Impfkampagne bereit. Sie könnten pro Monat fünf Millionen Dosen verimpfen, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Betriebsärzteverbandes. An Unternehmen, die gerne ein Impfangebot machen würden, mangelt es ebenfalls nicht. "Wir möchten sofort beginnen zu impfen, sobald Werks- und Betriebsärzte in die Impfkampagne eingebunden werden", sagt ein Sprecher des Pharmakonzerns Bayer. Das Interesse der Mitarbeiter sei hoch und das Unternehmen wolle die Impfungen auch gerne auf andere Firmen ausweiten.

Die Deutsche Bahn mit gut 200.000 Beschäftigten erklärte, sobald ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, sollten systemrelevante Mitarbeitende ein Impfangebot erhalten. Bei der Bahn seien dies mehr als die Hälfte. Der Autozulieferer Continental, der Versicherungskonzern Allianz und der Energieversorger RWE haben ebenso Interesse bekundet.

In Baden-Württemberg bewirbt sich der Elektromotorenhersteller EBM-Papst bereits seit längerem für ein Pilotimpfzentrum in seiner Zentrale in Mulfingen nahe Schwäbisch Hall. "Wir würden gerne Konzepte, Ideen und die Erfahrungen, die wir hier machen könnten, möglichst schnell mit kleinen und mittelständischen Unternehmen teilen", sagt Konzernsprecher Hauke Hannig im Gespräch mit der Badischen Zeitung.

Bei Evonik in Rheinfelden ist das Impfzentrum schon bereit

Auch in Südbaden stehen Unternehmen in den Startlöchern. Der Chemiekonzern Evonik hat in Rheinfelden sogar schon ein kleines Impfzentrum im Betriebsrestaurant eingerichtet, das nach Auskunft von Standortsprecherin Katharina Fraune zeitnah starten könnte, sobald es Impfstoff und grünes Licht aus der Politik gibt. Evonik will dann nicht nur seinen rund 1200 Mitarbeitern am Standort ein Impfangebot machen, sondern auch deren Haushaltsangehörigen.

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Der Waldkircher Sensorbauer Sick steht ebenfalls bereit: "Wenn die Erlaubnis kommt, würden wir gerne loslegen", sagt Sick-Chef Robert Bauer. Die Voraussetzungen und die nötige Erfahrung seien da. So gebe es bei Sick schon seit längerem Grippeimpfungen, sagt Finanzchef Markus Vatter. Auch der Motorenhersteller Maxon in Sexau hofft auf einen baldigen Start: "Der Raum ist vorbereitet, das Impfteam ist startklar. Sobald die Freigabe kommt, sind wir gleich mit dabei", sagt Geschäftsführer Dirk Zimmermann.