Lebensmittel

Die Lieferung von Obst- und Gemüsekisten boomt in der Pandemie

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 21. März 2021 um 10:49 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Der Sonntag Seit Beginn der Pandemie ist die Nachfrage nach der Lieferung von Obst- und Gemüsekisten hoch. Mancherorts sind sogar Wartelisten nötig, weil so viele Menschen mit Lebensmittel beliefert werden wollen.

Immer mehr Kunden wollen nachhaltig produzierte Lebensmittel frisch, zeitsparend und ohne Einkaufsrummel direkt vor die Haustür geliefert bekommen: Seit der Pandemie erleben die Obst- und Gemüsekisten der Biobranche einen Boom. Zu Hause kochen, weil man nicht mehr einkehren kann, geliefert bekommen statt in Supermärkten oder auf Märkten selbst einzukaufen: Corona führte auch dazu, dass viele Menschen das Angebot von Gemüsekisten schätzen. "So heftig wie damals im März ist es nicht weitergegangen. Da sind wir an unsere Grenzen gestoßen. Aber nach wie vor ist die Nachfrage sehr gut", sagt Betriebsleiter Markus Hurter vom Hof Dinkelberg in Schopfheim.

Den hofeigenen Biolieferdienst namens Dreilandkiste gibt es seit 2011. Wie der Name sagt, liefert der Betrieb von Müllheim, dem kleinen Wiesental und Todtnau im Norden bis nach Dornach sowie Liestal im Süden und damit in die Schweiz. Das französische Saint-Louis ist der westlichste Punkt.

Aus Gemüse- werden inzwischen vielseitige Lebensmittelkisten

Die Schweizer Warteliste konnte mittlerweile abgearbeitet werden, aber auf deutscher Seite sind Neuaufnahmen nach wie vor nur begrenzt möglich. "Gegenüber vor einem Jahr haben wir jetzt etwa 350 bis 400 Kunden mehr", schätzt Hurter. Pro Woche liefert der Betrieb rund 1000 Dreilandkisten aus und beschäftigt dabei 25 Mitarbeitende. Aber mit Gärtnerei, Sozialtherapie, Landwirtschaft und Verwaltung sowie dem Programm für soziale und berufliche Reintegration kommen 45 Beschäftigte zusammen.

Doch nicht nur Obst und Hofgemüse wandern in die Kisten: Brot, Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Käse, Getränke und vieles mehr runden das Angebot ab. Dass aus den ehemals reinen Gemüsekisten mittlerweile Lebensmittelkisten werden, liegt an geänderten Kundenbedürfnissen. Während es Beziehern der Abo-Kisten anfangs darum ging, den regionalen Biobauern zu unterstützen und sich von ungewöhnlichen Gemüsesorten überraschen zu lassen, sieht das heutzutage anders aus: "Wenn Schwarzwurzeln oder Topinambur in der Kiste sind, kann ich das zwar kochen, dann essen das meine Frau und ich – aber unsere Kinder nicht", sagt Frank Dehring, der gemeinsam mit Kollegin Angelique Müller den im Januar neu gegründeten Waldkircher Biolieferdienst Brokkolise leitet. "Deswegen muss man das Angebot auch immer wieder anpassen."

Neukunden müssen erstmal auf die Warteliste

Hinter Brokkolise steckt die ehemalige Endinger Distelkiste und die Gärtnerei Distel. Weil sich die Geschäftsführer ausschließlich auf ihre Gärtnerei konzentrieren wollten, suchten und fanden sie mit Dehring und Müller geeignete Nachfolger – und diese ein neues Konzept. Denn neben dem bewährten Distelkistenteam packen zum Beispiel auch Menschen mit Behinderung die etwa 200 Kisten pro Tag. "Seit Mitte Februar arbeiten wir Wartelisten ab und nehmen aktuell wieder Kunden auf", sagt Müller. Doch die Nachfrage sei ungebrochen groß und so könne es sein, dass man wieder Wartelisten einführen müsse. Allerdings stehe im Sommer ein Umzug in größere Räumlichkeiten an, so dass Neuaufnahmen permanent möglich würden.

Den Schritt in größere Räumlichkeiten hat die Freiburger Regionalwert Frischekiste bereits hinter sich, sie ist vom Stühlinger Werkshof in die Ziegelhofstraße 202 umgezogen. "Weil es nach dem ersten Lockdown einen Ansturm von Neukunden gab, haben wir unseren Jahresumsatz von 2019 auf 2020 fast verdoppelt, und seit März vergangenen Jahres mehr als 700 Neukunden aufgenommen", sagt Geschäftsführer Valentin Oswald, der das Sortiment seit 2017 sukzessive vergrößert: "Wir möchten gerne ein Bioladen auf Rädern sein." Schon heute können etwa Waschmittel oder Windeln bestellt werden.

Auf größerer Fläche bestücken Oswald und sein gut 20-köpfiges Team pro Woche rund 800 Kisten mit einem immer flexibler werdenden Angebot: Der Kunde kann wöchentlich als Dauerbestellung sowie nach Bedarf aus Kistentypen wählen. Oder individuell per Mausklick befüllen – ein Angebot, wie es ähnlich übrigens auch die anderen Dienste anbieten. Persönliche "Schreckgespenster" können abgewählt, die Kiste durch Naturkost und Shopprodukte ergänzt werden. "Wir sind gerade dabei, Rapunzel Naturkost als Lieferant aufzunehmen. Da werden sicher nochmal 100 Produkte dazukommen", sagt Oswald. Doch nach wie vor fänden sich mit bis zu 70 Prozent mehrheitlich Obst und Gemüse in der Kiste.
Weitere Infos: In Südbaden gibt es zahlreiche Anbieter solcher Gemüsekisten. Hier die in Text und Bild genannten Lieferanten:
http://www.hof-dinkelberg.de
http://www.brokkolise.de
regionalwert-frischekiste.de
http://www.piluweri.de
klosterhof-gundelfingen.de