Podiumsdiskussion

Die Linke liegt bei Schülerinnen und Schülern des Lahrer Scheffel-Gymnasiums vorn

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Mi, 22. September 2021 um 07:00 Uhr

Lahr

Der Gemeinschaftskundekurs an der Lahrer Schule veranstaltete eine Podiumsdiskussion mit sechs Bundestagskandidierenden. Bei einer anschließenden Umfrage lag die Linke klar vorne.

Welche Antworten hat die Politik auf die Fragen junger Menschen? Um das zu klären, lud der Gemeinschaftskundekurs des Scheffel-Gymnasiums die Kandidierenden der großen Parteien zu einer Podiumsdiskussion ein. In der Mensa der Schule diskutierten sie am Dienstagvormittag mit Yannick Bury (CDU), Johannes Fechner (SPD), Heike Dorow (Grüne), Tino Ritter (FDP), Imke Pirch (Die Linke) und Thomas Seitz (AfD).

Schüler und Schülerinnen bringen durch Fragen selbst ein

Die rund anderthalbstündige Diskussionsrunde war gut besucht. Rund 100 Schüler und Schülerinnen verfolgten den verbalen Schlagabtausch in der Mensa der Schule interessiert – und brachten sich durch Fragen teils selbst ein. Die Veranstaltung begann mit einem Fragenhagel und einem Faktencheck. Für den Fragenhagel bekamen die Kandidaten und Kandidatinnen je einen roten und einen grünen Zettel. Per Handzeichen konnten sie so auf Fragen antworten wie: "Sind Sie für die Legalisierung von Marihuana?" oder "Haben Sie schon einmal ein Gesetz gebrochen?".

Für Gelächter sorgte SPD-Kandidat Johannes Fechner, als er seinen grünen Zettel zerriss und beide Hälften in die Höhe hielt, um die Frage "Haben Sie Kinder?" mit nonverbal mit "Zwei" zu beantworten. Schmunzeln mussten einige auch, weil Linken-Kandidatin Imke Pirch zögerte, als es darum ging, ob sie gerne an ihre Schulzeit zurückdenke.

Kandidierende stellen sich Fragenhagel und Faktencheck

Beim anschließenden Faktencheck zeigten sich die Schüler und Schülerinnen des Gemeinschaftskundekurses sehr gut informiert und vorbereitet. Sie wollten von den Kandidierenden beispielsweise wissen, wie viel der Liter Benzin derzeit im Schnitt kostet, wie hoch die Arbeitslosenquote in Deutschland im August war oder wie viele Menschen in Deutschland seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben sind. Lob bekam Grünen-Kandidatin Heike Dorow vom Moderatorenteam, als sie die vorbereiteten Blätter für ihre Antworten umweltbewusst mehrfach verwendete.

Um die inhaltliche Diskussion verschiedener Themen wie Klimaschutz, Finanzen, Wirtschaft, Verkehr und Wohnen ging es im Anschluss. Während der Christdemokrat Yannick Bury betonte, wie wichtig es sei, den öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern, sagte FDP-Kandidat Tino Ritter, dass es nicht möglich sei den gesamten Individualverkehr auf den ÖPNV umzulegen.

Beim Thema Klimaschutz argumentierte AfD-Kandidat Thomas Seitz gegen einen Kohleausstieg ohne einen "tragfähigen Ersatz". Er und Ritter waren sich jedoch einig, als es um die Ablehnung der Vermögenssteuer ging. "Irgendwer hat dafür gearbeitet", so Seitz. Auch Bury ist gegen eine solche Steuer, da sie den Mittelstand kaputt mache.

Kein Platz für Hetze und Rassismus

Die Politiker bekamen viel Raum für ihre Antworten. Sich an die vorgegebene Redezeit zu halten, fiel einigen aber dennoch schwer. Noch bevor die Diskussionsrunde begann, schickten die Moderatoren eine klare Botschaft in Richtung Thomas Seitz. Es gelte eine Nulltoleranzpolitik für jegliche Form von Hetze oder Rassismus. Sollte sich jemand nicht daran halten, werde demjenigen die Redezeit entzogen. Trotz dieser Ansage musste Seitz ermahnt werden, als er andeutete, Drogendealer, die in Zügen aufgegriffen würden, hätten in der Regel einen Migrationshintergrund.

Dennoch fiel die Bilanz der Schüler und Schülerinnen positiv aus: "Ich fand es toll, dass sich die Kandidaten und Kandidatinnen die Zeit genommen haben", sagte eine Elftklässlerin. Für sie habe die Diskussionsrunde einen echten Mehrwert gebracht. Das zeigten auch die Umfrageergebnisse. Vor und nach der Diskussion konnten die Anwesenden am Smartphone abstimmen, welche der Parteien sie wählen würden. Sie diskutierten eifrig miteinander, bevor sie ihre Antworten abschickten.

Klarer Sieg für Imke Pirch

Nach der Diskussion konnte Pirch ihren ersten Platz deutlich ausbauen. Nahezu jeder oder jede Zweite würde sie wählen. Den zweiten Platz belegte Fechner – doch erst nach der Veranstaltung. Er gewann zehn Stimmen dazu und lag damit vor Ritter. Dorow und Bury konnten weniger überzeugen und halbierten ihre Umfragewerte. Seitz gewann eine Stimme dazu, spielte aber laut der Umfrage für die junge Generation dennoch kaum eine Rolle. Mit seinen Aussagen kam er weniger gut an.

Die gesamte Berichterstattung zur Wahl unter: mehr.bz/btw2021-em-la