Online-Festival

Die Macher der "We Live"-Konzertreihe in Lahr sind zufrieden – äußern aber auch Kritik

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Di, 11. August 2020 um 16:00 Uhr

Lahr

Mit dem Konzert der Hard-Rock-Band Oil ist das Festival im Lahrer Schlachthof zu Ende gegangen. Insgesamt präsentierte die badische Zeitung sechs Filme als Stream – mit großem Erfolg.

Dort, wo die aufwändigen Filme entstanden sind, treffen sich die Produzenten, Bekannte und einige der Protagonisten, um den letzten Film gemeinsam anzuschauen. Auf der Schlachthof-Bühne ist eine Leinwand aufgebaut. Bis vor wenigen Wochen spielten dort noch die fünf Bands und Pianist Pervez Mody ihre Auftritte in der leeren Halle ein. Eingefangen von zehn Kameras und unter den wachsamen Augen der Brüder Maik und Pirmin Styrnol vom Punchline Studio, die sich gemeinsam mit der Rockwerkstatt um den Vorsitzenden Wolfgang Richter das Festival-Format "We Live" ausgedacht haben, um in der Corona-Zeit den Menschen Musik in die Wohnzimmer zu bringen.

Am Ende fliegen die Funken

Es wird ein feuriges Finale. Denn die Hard Rocker von Oil haben nicht nur kreischende Gitarren, wummenden Bass, krachende Drums und energiegeladenen Gesang auf Lager. Auf der Bühne sind brennende Ölfässer zu sehen, am Ende regnet es gar Funken. "Das ist Rock’n’Roll", ist immer wieder zu hören, während der Stream auf der Facebook-Seite der Badischen Zeitung über die Leinwand flimmert.

Öl, Feuer, Hitze – das passt zu den Temperaturen am Sonntag. Trotzdem schauen fast durchgängig um die 100 Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig zu, wie sich Gert Endres (Gesang/Gitarre), Marc Vetter (Drums/Gesang) und Rainer Jauch (Bass/Gesang) auf der Bühne verausgaben. Das Video generiert fast 37 000 mindestens dreisekündige Aufrufe (Stand: Dienstag 13 Uhr). Damit wird es zum erfolgreichsten Konzert der Reihe.

Filme werden tausendfach angeschaut

Zusammen kommen alle sechs Filme auf gut 155 000 mindestens dreisekündige Aufrufe – ein sehr guter Wert. Hinzu kommen mehrere Tausend Aufrufe auf den Social-Media-Seite der Künstler, auf dem Youtube-Kanal des Studios und Hunderte Gefällt-mir-Angaben. Entsprechend zufrieden sind Produzenten, Helfer und die Bands. Diese Freude ist am Sonntagabend allen Beteiligten anzusehen. "Es war eine anstrengende Zeit, aber wir haben keine Sekunde bereut", sagt Maik Styrnol vom Punchline Studio.

Kosten sind noch nicht ganz gedeckt

Auch für seinen Bruder Pirmin Styrnol steht fest: "Es war absolut mega." Zwischen all der Euphorie ist er aber auch Realist. Die Produktion ist teuer, die sechs Filme kosten insgesamt 18 000 Euro. "Beim Preis sind wir an der alleruntersten Grenze geblieben", sagt der Regisseur. Ganz gedeckt sind die Kosten noch nicht. Über eine Crowdfunding-Kampagne kamen fast 5000 Euro rein, gut 8000 Euro schossen Sponsoren aus der Region dazu. "Dafür vielen Dank! Es ist nur schade, dass es nicht mehr wurde. Immerhin sind die Kameraleute, die einen tollen Job gemacht haben, bezahlt. Es wäre aber schön gewesen, wenn etwas mehr für die Künstler und die Produktionsfirma übriggeblieben wäre", sagt Styrnol. Zumindest hätten die Musiker nun einen Film, mit dem sie für sich und ihre Kunst Werbung machen können.
Die sechs Konzertfilme von den Bands Umleitung, Qult, Von Welt, No Authority, Oil und Pianist Pervez Mody gibt es auf der neuen Internetseite des Festivals unter http://www.welive-festival.com

Mehr Unterstützung, das betonen alle Akteure, hätten sie sich von der Stadt Lahr gewünscht. Pirmin Styrnol: "Es hätte ja nicht unbedingt Geld sein müssen. Aber zumindest hätte die Stadt sich etwas mehr dafür einsetzen und mehr Werbung machen können. Es ist erst etwas gekommen, nachdem wir mehrmals angefragt haben. Dabei waren wir lange Zeit die Einzigen, die überhaupt ein Kulturangebot in Lahr auf die Beine gestellt haben."

Normalerweise kostet ein Film 10 000 Euro

In der Summe überwiegen aber die positiven Gedanken, wie Wolfgang Richter und Pirmin Styrnol unterstreichen. Die Resonanz von Künstlern, auch über die Region hinaus, sei immens. Wie stehen also die Chancen auf eine Fortsetzung von "We Live"? "Wir und die Rockwerkstatt wären sofort bereit dazu", sagt Pirmin Styrnol, "es ist eine reine Geldfrage. Auf dem bisherigen Weg können wir uns das nicht leisten." Normalerweise koste der Dreh eines einzigen Films dieser Qualität an die 10 000 Euro, so der Regisseur.
Weitere Informationen zur Crowdfunding-Kampagne gibt es hier:http://www.startnext.com/welive