Rückzug

Die Pläne für das Mez-Areal in Freiburg-Ebnet sind erstmal vom Tisch

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 05. August 2020 um 07:30 Uhr

Freiburg

Die Bauvoranfrage für neue Gebäude auf dem Gelände am Ostrand von Ebnet ist zurückgezogen. Ob und wie es weitergeht, ist unklar.

Die umstrittene Neubebauung im Park der Villa Mez am Ortsrand von Ebnet ist vom Tisch: Der Bauherr hat seine aktuelle Bauvoranfrage für zwei Gebäude im Ostteil des Geländes zurückgezogen. Weiterhin möglich wäre jedoch eine frühere Idee: ein Anbau an die denkmalgeschützte Villa. Ob der Eigentümer diese Pläne weiter verfolgt, ist unklar. Er ließ eine Anfrage der BZ unbeantwortet. Auch der in der Villa ansässige Erlebnispädagogik-Anbieter EOS will sich weder zu dem Neubauvorhaben noch zu einer möglichen Nutzung durch EOS äußern.

Die Planungen für die beiden Neubauten am Ostrand des Villenparks hatten vor rund vier Wochen im Ebneter Ortschaftsrat für eine größere Diskussion gesorgt. Am Ende votierte eine knappe Mehrheit dagegen. Entschieden war damals aber noch nichts: Das städtische Baurechtsamt wollte zunächst noch Stellungnahmen von Fachbehörden einholen. Dabei habe sich herauskristallisiert, so erklärt Rathaussprecherin Martina Schickle, dass die Bauvoranfrage wohl abgelehnt werde. Daraufhin habe das Baurechtsamt dem Bauherren empfohlen, seinen Antrag zurückzuziehen – was dieser dann auch getan habe.

Stiftung war "Geburtshelfer" des EOS-Vereins

Der Antrag war eine Modifizierung einer Erweiterungsidee aus dem Jahr 2006, die einen Anbau an die Villa vorsah. Die damals positiv beschiedene Bauvoranfrage ist weiterhin gültig. Zu einer konkreteren Planung und einem tatsächlichen Bauantrag ist es all die Jahre nie gekommen.

Nach einer wechselvollen Geschichte (siehe Info-Box) nutzt seit 2005 der gemeinnützige Verein EOS zwei Flügel der Villa, vor allem als Büroräume für die 40 Mitarbeiter. Zudem gibt es einen Seminarraum. Und, so erklärt Geschäftsführerin Roswitha Merazzi bei einem Rundgang, vieles fände auf dem großzügigen Außengelände statt. Neben der Villa Mez gibt es Standorte am Kaiserstuhl, in der Ortenau und am Bodensee. EOS bietet Ausbildungen und Lehrgänge im Bereich Erlebnispädagogik an, außerdem Klassenfahrten, Feriencamps, Teamtrainings und Freiwilligendienste.

In den Anfangsjahren bekam EOS finanzielle Unterstützung von der Stiftung Mercurial, die ihren Sitz im niedersächsischen Bramsche hat und deren Ziel laut Homepage das "Verwirklichen der sozialen Impulse aus der Anthroposophie sowie Bildung und Erziehung auf Grundlage der Waldorfpädagogik" ist. "Wir waren quasi der Geburtshelfer", erklärt Dieter Pommerening vom Stiftungsvorstand. Im Moment unterstütze die Stiftung EOS nur noch projektbezogen. Die Stiftung sei jedoch weiterhin der Generalmieter der Räumlichkeiten in der Villa Mez, die er an EOS untervermietet habe.

Auch im Ortschaftsrat gab es schon Rätselraten

Unklar bleibt, wie es mit der Idee der Erweiterung der Villa weitergeht und was dort überhaupt genau vorgesehen wäre. Das hatte auch schon im Ortschaftsrat für Rätselraten gesorgt – denn von der Nutzung hänge etwa die Belastung durch zusätzlichen Verkehr ab, meinten einige Räte. In der Bauvoranfrage war von Internats- und Schulungsräumen die Rede.

Der Eigentümer der Villa als Bauherr lässt eine Anfrage der BZ über seine Vorstellungen und das weitere Vorgehen unbeantwortet. Roswitha Merazzi von EOS will sich zu diesem Thema ebenfalls nicht äußern – weder zu den Planungen noch dazu, ob und wie mögliche neue Räumlichkeiten durch EOS genutzt werden sollen oder inwiefern EOS in den Prozess einbezogen ist.

Die Stiftung Mercurial meint auf Nachfrage, dass sich nach Rücknahme der Bauvoranfrage ein weiteres Eingehen auf die Thematik erübrige. Dieter Pommerening teilt lediglich mit, dass "auch in Bezug auf das Neubauvorhaben unsere grundsätzliche Hilfsbereitschaft" bestehe und dass sich die Stiftung gefreut hätte, wenn das Vorhaben eine Chance zur Realisierung bekommen hätte.
Die Villa Mez

Die Villa im Gründerzeitstil am Ortsrand von Ebnet wurde 1912 vom Unternehmer Hans Mez gebaut. Von 1949 bis 1979 war dort ein Teil der Musikhochschule untergebracht. 1982 kaufte die Firma Thomae und Partner das Anwesen, nach deren Insolvenz kam es 2003 zur Zwangsversteigerung.

Seither befindet sich das Gebäude samt mehr als zwei Hektar großem Park in Besitz eines Kinderarztes, der selbst auf dem Gelände lebt. Zudem ist seit 2005 der Erlebnispädagogik-Anbieter EOS in der Villa ansässig und inzwischen alleiniger gewerblicher Nutzer, obwohl ein Schild am Eingang noch auf die Yoga-Akademie Freiburg verweist. Auch der 2007 eingezogene Seminaranbieter "Selfness-Club Refugium" ist nicht mehr auf dem Areal ansässig. Davor hatte in der Villa kurzzeitig das ganzheitliche Zentrum "Lichtquelle" seinen Sitz. Die Liste der zahlreichen früheren Nutzer ergänzt die "Capital Creativ Club GmbH", die 2004 einzog und für Negativschlagzeilen sorgte. Im Frühjahr 2005 ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Anlagebetrugs, damals war die Rede von 250 geprellten Kunden und einem Gesamtschaden von 1,8 Millionen Euro. Die Firma bot Autos für nur 58 Prozent des Listenpreises an, im Gegenzug mussten die Kunden dem Unternehmen für eine gewisse Zeit Kapital zur Verfügung stellen.