Bemerkung

Die Schopfheimer Bauamtsleiterin fühlt sich missverstanden

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Sa, 15. Februar 2020 um 07:12 Uhr

Schopfheim

Karin Heining bezieht Stellung zu dem von ihr im Gemeinderat geäußerten Satz zur Berechnung von Projektkosten. Die Intention des Gesagten sei nicht korrekt wiedergegeben worden.

Nachdem eine Äußerung von Bauamtsleiterin Karin Heining am Montag im Gemeinderat aufhorchen ließ und Bürgermeister Dirk Harscher am Donnerstag dazu Stellung bezog, hat sich nun auch Karin Heining selbst zu dem von ihr geäußerten Satz zu Wort gemeldet. Heining hatte am Rande der Sitzung gesagt, dass "der Gemeinderat manche Dinge ja nicht beschließt", wenn die Verwaltung "ganz brutal" – sprich: schonungslos – die zu erwartenden Kosten auf den Tisch lege. Dabei war der Eindruck entstanden, dass die Bauverwaltung in der Vergangenheit Projektkosten nicht realistisch berechnet hatte, damit der Gemeinderat zustimmt. Dirk Harscher hatte daraufhin in einer Stellungnahme betont, dass unter seiner Regie im Rathaus keine Kostenberechnungen in irgendeiner Form angepasst worden seien.

Karin Heining spricht nun von einem "Satz am Rande der Diskussion in der Gemeinderatssitzung, zu dessen Klarstellung leider keine Diskussion stattfand". Es sei eine "verzerrte Wahrnehmung der Tatsachen reflektiert und die Intention des Gesagten nicht korrekt wiedergegeben" worden. Seit ihrem Antritt als Leiterin des Fachbereiches Bau und Technik bei der Stadt Schopfheim habe ihre Abteilung die Kostenschätzung für ein anstehendes Bauvorhaben "so korrekt wie nur möglich aufgrund der vorhandenen Zahlen und Daten" abgebildet. Sie gehe davon aus, dass dies auch bei den Bauvorhaben Schulcampus und Halle Wiechs (beide Projekte waren Gegenstand der Diskussion im Gemeinderat) geschehen ist, "obwohl ich bei beiden Projekten an der ursprünglichen Kostenplanung und Präsentation noch nicht beteiligt war".

"Der Fluch der ersten Zahl"

"Wie von der BZ richtig zitiert wird, handelte es sich bei der Bemerkung über die schonungslose Offenlegung um die zu erwartenden Kosten, und nicht um die zum Zeitpunkt der Kostenschätzung tatsächlich kalkulierten Kosten", so Heining. Bei der Diskussion über Projekte spreche man oft vom "Fluch der ersten Zahl" und meine damit eine Kostenexplosion zwischen Vorstellung der ersten Kostenschätzung und der Bauabnahme beziehungsweise der Schlussrechnung des Projektes. "Bei vielen großen und komplexen Gebäuden ist dies nicht unüblich. Allgemeine Erfahrungswerte belegen, dass in der heutigen Zeit bei solchen Projekten eine Kostensteigerung von etwa 20 bis 25 Prozent zu erwarten ist", schreibt Heining.

Grund seien etwa nachträgliche Wünsche von Nutzern, Trägern öffentlicher Belange, Gesetzesänderungen, Gutachten, die aufgrund unerwarteter Verhältnisse vor Ort beauftragt werden müssen. "Um Kostenexplosionen zu vermeiden, kann man solche Erfahrungswerte bereits bei der ersten Beschlussvorlage zu einem Projekt einkalkulieren", schreibt die Bauamtsleiterin. "Die Diskussion im Gemeinderat über die Einstellung von den zu erwartenden gegenüber denen zum Zeitpunkt der Kostenschätzung tatsächlich kalkulierten Kosten wird sicher lebhaft und kontrovers geführt werden."