Seelbach

Die Seelbacherin Renate Link braucht das Tanzen zum Stressabbau

Endrik Baublies

Von Endrik Baublies

Do, 24. November 2022 um 15:00 Uhr

Seelbach

"Tanzen hat mich schon immer fasziniert." Das erzählt Renate Link, die auf Veranstaltungen in der Stadt, wie der Chrysanthema, regelmäßig ausgelassen vor der Bühne tanzt.

Die diplomierte Sozialarbeiterin hat "mit 14 oder 15 Jahren zusammen mit der Schwester" einen Rock‘ n‘ Roll-Kurs absolviert. Dann war zunächst mal Schluss. Erst im Jahr 2013 fand Renate Link, Jahrgang 1964, wieder zu der Leidenschaft aus der Teenagerzeit zurück. "Tanzen war eine Befreiung", sagt sie. Die Gründe seien persönlich gewesen.

Kontrolle und besonderer Ausdruck

Sie begann erneut, Tanzkurse zu besuchen, unter anderem die Milana-Tanzschule, wo sie – heute in Gengenbach – immer noch trainiert. Andere Kurse besucht sie beim Offenburger Ballettstudio Gründler. Dabei gehe es ihr heute beim Training um Haltung, Ausdruck und die gesamte Beherrschung ihres Körpers, sagt sie. Sie nennt als Beispiel den Flamenco. Da liege das Augenmerk zusätzlich auf der Kontrolle und dem besonderen Ausdruck von Händen und Schritten. Und: "Der Flamenco hat Temperament."

Seit kurzen besucht sie auch Kurse bei "Tanzleben" in Sulz. Da stehen neben dem Ballett auch der sogenannte Lady-Dance im Mittelpunkt. "Ich tanze leidenschaftlich gerne, es macht einfach Spaß", erklärt sie. Link mag den Stil der 1920er-Jahre oder "Burleske". Die Oldtime-Jazz-Band "Papa Klaus" gefällt ihr gut, Bauchtanzen oder Salsa interessiert sie dagegen nicht.

Heute seien Training und ihre Auftritte auch ein Ausgleich zum "alltäglichen Stress".

"Ich tanze gerne in der Öffentlichkeit" Renate Link

Link arbeitet beim Sozialdienst im Lahrer Klinikum, ihr Team betreut unter anderem ältere Patienten, wenn es um die Entlassung, Nachversorgung oder weitere Therapien gehe. Fragen wie: Was machen diese Menschen nach dem Aufenthalt im Krankenhaus?, stünden hierbei im Vordergrund. Der Sozialdienst vermittele Kontakte oder Hilfen bei der Pflege, das Tanzen empfindet sie als gute Ablenkung vom Job. Ihre Auftritte, zuletzt während der Chrysanthema, sind also Teil des Stressabbaus.

"Ich tanze gerne in der Öffentlichkeit", gibt sie zu. Auch, dass sie gerne in eine andere Rolle schlüpfe. Entsprechende achte sie auch auf ihre Outfits. Bei Rock‘ n‘ Roll bevorzuge sie einen anderen Stil, als bei einem Tribut-Konzert für Elton John. Bei einem anderen Auftritt auf der Chrysanthema hatte sie sogar einen Bollenhut auf. Sie erinnert sich, dass das aber eher ein "Bollenhütchen" gewesen sei. Sie habe kein Problem damit, wenn Touristen sie ansprechen, sagt sie.

Eigene Auftritte ohne Verpflichtungen

Die Vorstellung, professionell zu tanzen, hat sie nicht. "Tanzen bleibt mein Hobby." Der Vorteil: "Ich habe nirgends Verpflichtungen." Zudem könne sie so weiter ihren eigenen Stil bei ihren Auftritten pflegen. Sie nennt da wieder den Flamenco: Bei einem Wettbewerben müsste sie Vorgaben und Erwartungen erfüllen. Das jedoch falle alles weg, wenn sie ihre eigenen Auftritte wie beim Gismo-Graf-Trios am letzten Tag der Chrysanthema in diesem Jahr zelebriere. Kleid, Schuhe und ein Tuch habe sie sorgfältig zu dieser Musik zusammengestellt, das Tuch stamme aus Jordanien. Sie habe es auf einem orientalischen Basar in der Seelbacher Katharinenkirche erstanden.

Renate Link wohnt in Seelbach. So tritt sie hin und wieder bei den Seelbacher Freilichtspielen auf. Aber auch da ist ihr wichtig, dass sie dabei Freude haben will. So hat sie hier immer nur kleinere Rollen angenommen. Eine große Bühne sind und bleiben die Auftritte in der Stadt. Als "die Tänzerin" ist sie von vielen Besuchern in diesem Jahr auf der Chrysanthema einfach und passend benannt worden.

"Man muss das Leben tanzen." Renate Link
Zuletzt hat sie einen Wunsch. Es gebe in Lahr keine Ort für reifere Tanzbegeisterte über 50, was sie sehr bedauert. Sie verweist auf den Freiburger Waldsee, wo es mittwochs immerhin den "Move to Groove" gebe. Tanzveranstaltung hin oder her, Renate Links Motto lautet: "Man muss das Leben tanzen."