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Die Stachelbeere wird aufwändig geerntet – derzeit im Markgräflerland

Christine Speckner

Von Christine Speckner

So, 05. Juli 2020 um 18:14 Uhr

Efringen-Kirchen

Spritzig, fruchtig und mild säuerlich: Die Stachelbeere kann auf der Zunge prickeln. Ihre Ernte ist wegen der Stacheln aufwändig. Der Obsthof Brändlin hat mit einer Sorte eine Marktnische gefunden.

Vorsicht, stachelig. Ein falscher Griff kann schmerzhaft sein. Deshalb tragen die Erntehelfer Handschuhe, um sich vor den Dornen der Stachelbeersträucher zu schützen. Von Anfang Juni bis Mitte Juli wird alle zwei bis drei Tage geerntet beim Obsthof Brändlin in Efringen-Kirchen, Ortsteil Huttingen. Der Betrieb baut fünf verschiedene Sorten auf einer Fläche von 2000 Quadratmetern an. Darunter Invicta, eine frühe Sorte, mit grüner Farbe. "Der Anbau dieser Sorte ist seit Jahren rückläufig, der Kunde greift lieber zu Farbe Rot", weiß Obstbauer Kevin Brändlin. Diesen Eindruck bestätigt auch der Obst- und Gemüsevertrieb Südbaden GmbH OGS. Zudem gibt es immer weniger Stachelbeer-Produzenten, gerade weil das Pflücken mit hohem Arbeitsaufwand verbunden ist.

Rote Stachelbeer-Sorten lassen sich besser vermarkten

Während grün-gelbe Beeren eher ein Auslaufmodell sind, lassen sich die roten, süßeren Sorten noch gut vermarkten. Sei es als "Snackfrucht" für den Direktverzehr oder zur Weiterverarbeitung. "Keine Sorge, die heutigen Sorten schmecken nicht mehr rau auf der Zunge", sagt Brändlin, der mit der roten Sorte Xenia eine Marktnische gefunden hat. 80 Prozent seiner Beeren bestreitet er mit dieser relativ großen, formschönen Beere. Sie ist weniger anfällig für Mehltau, angenehm im Geschmack, er erinnert ein wenig an Kiwi. Geerntet wird die Frucht, solange sie nicht überreif ist, da sie kaum lagerfähig ist.

Vor den stacheligen Sträuchern, die Kevin Brändlin auf fast zwei Meter Höhe kultiviert, hat auch er Respekt. Zwar gibt es heute auch Züchtungen ohne Stacheln, die maschinell geerntet werden. Doch sind die ausschließlich für die industrielle Weiterverarbeitung bestimmt, etwa zur Herstellung von Marmelade. "Wir dagegen verkaufen Tafelware, also zum Sofortverzehr oder für die Weiterverarbeitung in kleinen haushaltsüblichen Mengen. Da ist beim Pflücken immer noch Handarbeit angesagt", so Brändlin. Ganz ohne Maschinen geht es trotzdem nicht. Bevor die Früchte in den Handel kommen, werden sie auf dem Obsthof in drei verschiedene Größen und Preisklassen millimetergenau vorsortiert.

Stachelbeersträucher sollten geschnitten werden

Stachelbeeren enthalten Weinsäure, Fruchtsäure, fruchteigenen Zucker und viel Vitamin C. Wer sie nicht frisch essen, sondern lagern möchte, sollte sie zügig zu Kompott und Konfitüre verarbeiten oder in Gläser einmachen. Stiele und Blütenreste müssen vorher entfernt werden. Auch in der Tiefkühltruhe lassen sich die Beeren konservieren. Die aufgetauten Früchte sind jedoch leicht matschig und eignen sich nur noch für Kompott oder als Kuchenbelag und weniger zum roh essen.

Mit dem diesjährigen Ertrag ist der Obstbauer zufrieden. Trotz der Frühfröste rechnet er mit einem durchschnittlichen Ertrag. Für eine gute Ernte müssen Stachelbeeren aber auch regelmäßig geschnitten werden. "Viele Hobbygärtner schneiden nie, das ist ein Fehler", weiß Brändlin. Bei seiner Anlage bleiben bei jedem Strauch nur drei Äste stehen. Alle sechs bis sieben Jahre werden sie bodentief abgeschnitten, damit junge Triebe nachwachsen können.

Eine Spezialität des Betriebs ist der eigene Stachelbeer-Secco. "Das war eigentlich eine Erfindung aus der Not heraus", erinnert sich Brändlin. Im heißen Sommer 2018 gab es sehr viele rote und für den Verkauf zu reife Früchte, so entstand erstmals die Idee ein neues Produkt zu kreieren: Ein roséfarbener Secco, aus Beeren gepresst, mit Kohlensäure angereichert, der ebenfalls über die OGS vertrieben wird.
Rezept für Stachelbeerkuchen

Zutaten:
1kg frische Stachelbeeren; Mürbteig: 250g Mehl, 125g Butter, 1 Ei, 80g Zucker; Guss: 3-4 Eigelb, 200g Zucker, 100g geschälte, geriebene Mandeln, 3EL Sauerrahm, geriebene Zitronenschale, Eischnee aus dem verbliebenen Eiweiß

Zubereitung:
Teig: Zutaten vermengen und zu einer Kugel kneten, abgedeckt 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen; Guss: Zutaten vermengen, anschließend den Eischnee unterheben; Teig in eingefetteter Springform verteilen, dabei einen kleinen Rand hochziehen; Stachelbeeren darauf verteilen und mit Guss gleichmäßig bedecken; im vorgeheizten Backofen (200 Grad Ober- und Unterhitze) eine Stunde backen.

Es können auch unreifen Stachelbeeren genommen werden, deren Häute zarter sind. Dann sollte die Menge an Zucker und Sauerrahm leicht erhöht werden.