Touren mit Kindern

Diese Ausflugsziele bieten ungewöhnliche Perspektiven

Anita Fertl

Von Anita Fertl

Mo, 28. September 2020 um 13:03 Uhr

Südwest

Rätsel lösen, auf Türme klettern, große Augen und Ohren machen oder mit dem Stein summen: Neue Spiel ideen bringen Schwung in den Familienausflug. Zwei Vorschläge, die alle Sinne ansprechen.

Mit Kopf im Stein

"Ooommm. Hm. Ich merk’ überhaupt nix", die Zehnjährige zieht enttäuscht den Kopf aus der Öffnung "Oooomoooomm", summt auch der große Cousin in der Steinhöhle. "Doch, geht. Das schwingt, du musst runter mit der Stimme", rät er, und so ommen und summen die beiden weiter im Steinloch, auf der Suche nach der besten Tonlage fürs Wohlgefühl im Park der Sinne in Badenweiler.

Der Summstein ist nur einer von 20 Stationen in der fünf Hektar großen Spielwiese der Sinne, bei der Kinder mit Riesenohren hören, dem eigenen Ich aus verschiedenen Perspektiven auf die Spur kommen oder mit den Füßen sehen können: Was sich wie Zauberei anhört, sind Sinneswahrnehmungen mit verblüffenden Ergebnissen. Oft sind die Stationen simpel aufgebaut, aber fördern Erstaunliches zutage.

Wollte die Sechsjährige nicht schon immer mal Fakir spielen?

Der Barfußpfad macht’s möglich. Dort angekommen, sind wir Eltern jedoch erst einmal schockiert: Himmel, hier liegen ja lauter Scherben rum! Schnell die Kinder warnen! Doch die lachen uns nur aus, denn ein ganzes Hindernisfeld ist mit den bunten Glassplittern bestückt, deren Enden aber so abgestumpft sind, dass sie die Füße nicht verletzen.

Von Station zu Station flitzen die Kinder, schaukeln sich mit der Partnerschaukel gegenseitig hoch, bringen einen großen Stein zum Schwingen. Sie hören dank Riesenohren das Vogelgezwitscher mal so richtig laut oder sehen sich im Spiegelschwellentor um ein vielfaches dupliziert und aus ungewöhnlichen Perspektiven. "Hierher können wir wieder mal kommen", heißt’s am Ende der Sinnesreise. Kein Wunder. Denn was steht auf dem Eingangsschild? Die Sinne sind unser Tor zur Welt.
Park der Sinne
Badenweiler, Oberer Kirchweg, mit 20 Sinnesstationen, geordnet nach vier Achsen (Seh-, Gleichgewichts- und Tastachse, Resonanz- und Hörachse, Ich-Achse); Freier, kostenloser Zugang; http://mehr.bz/ddd

Über den Wolken

Wir schreiben den 17. Juli 1930: Die weltweit einmalige Großkabinenumlaufseilbahn transportiert erstmals Fahrgäste auf den Schauinsland. Unter Ihnen ist Luise, die den Hinweisen ihres verschwundenen Geliebten Friedrich folgt. 90 Jahre später gehen wir, zwei Erwachsene plus knobelfreudige Söhne, zurück in die Vergangenheit und folgen ihren Spuren, um das Liebesglück zu retten.

So wie damals Luise sitzen wir heute in der Gondel, schweben am Seil gezogen einem Berggeheimnis entgegen, wie die Draußen-Variante des Escape Games heißt. Dabei müssen sich Gruppen nicht in einer bestimmten Zeit aus einem geschlossenen Raum knobeln, sondern an verschiedenen Stationen an der frischen Luft ein Rätsel lösen – allerdings tickt ebenfalls die Uhr.

Die Ausrüstung gibt’s auf der Bergstation, deshalb können wir entspannt bis über die Wolken gleiten. Das muss großartig gewesen sein, 1930 hier hochzuschweben, sinnieren wir. Tatsächlich: Einmal zu schweben, davon hat Luise schon als Kind geträumt, wie uns kurz darauf ein Brief verrät. Der befindet sich im Rucksack zusammen mit zig Schatzkästchen, geheimnisvollen Gegenständen und einem Briefhinweis von Friedrich.

Die Uhr tickt

Und los geht’s, wir müssen schnell sein, denn: "Gruppen ab acht Personen haben’s leichter", hat Organisator Oliver Lohre im Vorfeld verraten. Empfohlen ist das Rätsel ab 16. Doch unsere 14-Jährigen haben zur Vorbereitung Sherlock Holmes geguckt – zum Glück. Denn um die Ecke denken, kombinieren und genau hinschauen ist gefragt: "Ich hab’s, in der Schrift ist ein Code versteckt", kombiniert der eine Sohn, und: "Dieses Schild zeigt die Lösung!", glaubt der andere, beides Mal richtig.

Doch: Tick, tick, tick macht die Uhr, wir kommen ins Schwitzen, hecheln zu Station 2, dem Turm. Die Natur genießen? Fehlanzeige, das muss warten. Oben angekommen, drehen wir uns buchstäblich im Kreis, suchen Hinweise, finden noch mehr Fragen. Was bedeutet der rätselhafte Spruch? Uff, wir stecken fest.

Tick, tick, tick, macht die Uhr, wir wählen die Hilfenummer. Ahso. Mann, das war wirklich knifflig, aber nun nix wie los. Als Team schon eingespielt, finden wir die Hinweise, einer diktiert, der andere öffnet schnell das Schloss. "Und, haben wir’s in der Zeit geschafft?" Nein. Aber Spaß hatten wir trotzdem. Und Luise? Die soll sich einen anderen suchen, beschließen wir, einen, der die Liebesrätsel nicht ganz so knifflig macht.
Berggeheimnis
1930 – Luise & Friedrich, inklusive Berg- und Talfahrt 25 Euro pro Person, Jugendliche bis 14 Jahre sind frei, benötigen jedoch je eine Fahrkarte für 8,50 Euro. Spieldauer: 2 Stunden, dabei zurückgelegte Strecke 2,5 Kilometer. Online-Anmeldung erforderlich unter http://www.berggeheimnis.com

Aussichtstürme
Luftige, neue Perspektiven bieten auch die Aussichtstürme in der Region; ein Überblick inklusive Wegbeschreibung gibt’s unter: http://mehr.bz/tuerme
Bergwerke
Ab in die Tiefe und in die Geschichte der Region geht es in folgenden Besucherbergwerken:
»Teufelsgrund, Münstertal; Infos: http://mehr.bz/teufelsgrund
» Schauinsland, Infos: http://mehr.bz/schaubwerk
» Finstergrund, Wieden, Infos: http://mehr.bz/finstergrund