Görwihl

Diskussion mit einem homosexuellen Pater und einem queeren Lehrer

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Sa, 14. Mai 2022 um 10:04 Uhr

Görwihl

Queer sein in Kirche und Schule ist weiterhin ein brisantes Thema. Der homosexuellen Jesuitenpater Ralf Klein und der queere Lehrer Theo Schenkel stellten sich deshalb in Görwihl einer Diskussion.

Gott ist Vielfalt – zu einer offenen Gesprächsrunde mit dem homosexuellen Jesuitenpater Ralf Klein und dem Lehrer Theo Schenkel, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, hatte die Seelsorgeeinheit St. Wendelinus in die Görwihler Pfarrkirche eingeladen. Pater Klein und Schenkel berichteten über ihre Erfahrungen als queere Mitarbeiter der katholischen Kirche und stellten sich Fragen der Versammelten.

Pater Klein (62) trat im Alter von 25 Jahren dem Jesuitenorden bei und ist seit zwei Jahren Kooperator in der Seelsorgeeinheit St. Blasien. 1999 outete er sich als homosexuell. Theo Schenkel unterzog sich vor zwei Jahren einer Geschlechtsumwandlung.

Nach seinem Referendariat unterrichtet er seit diesem Schuljahr katholische Religion an der Gewerbeschule in Waldshut, allerdings erhielt er vom Ordinariat des Erzbistums Freiburg nur eine vorläufige Lehrerlaubnis. In der ARD-Dokumentation "Wie Gott uns schuf" kamen beide zu Wort. Zudem gehören sie der Initiative OutIn Church an, ein Zusammenschlusses von queeren Menschen in der katholischen Kirche.

Gibt es einen richtigen Zeitpunkt für das Outing?

Warum tut man sich das eigentlich an, und gibt es den richtigen Zeitpunkt für das Outing? Im Zusammenhang mit Outings oft gestellte Fragen, die auch die Moderatorin des Abend, Dorothee Vollmer, Ehrenamtskoordinatorin der Seelsorgeeinheit, ihren Gesprächspartner stellte. Wichtig sei ihm, nicht nur zu sagen, dass er trans sei, sondern auch ein Vorbild, wie er es sich in seiner Jugend gewünscht hätte, zu sein, lautet die Antwort von Schenkel. Den perfekten Moment gäbe es nicht, es sei wichtig, an der Frage dran zu bleib und sich nicht drängen zu lassen, erklärte Pater Klein zur Frage des Zeitpunkts. Und Schenkel ergänzte, das Outing gäbe es ohnehin nicht, er müsse sich bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder outen.

Was bewegt die beiden kirchlichen Mitarbeiter, sich jeden Tag für eine Kirche einzusetzen, die sie, wie Dorothee Vollmer sagte, nicht hundertprozentig annimmt? Wichtig sei ihm die Gemeinschaft mit denen, die Jesu nachfolgten, sagte Pater Klein und wies darauf hin, dass auch Jesus sich der Randgruppen angenommen habe. Und Schenkel fügte an, trotz der Schwachstellen der Institution gelte es, dran zu bleiben, queere Menschen seien keine Gefahr, sondern eine Bereicherung auch für die Kirche.

Theo Schenkel hat bis jetzt nur eine vorläufige Lehrerlaubnis

Die Zuhörer hatten ebenfalls Gelegenheit, Fragen an Pater Klein und Theo Schenkel zu stellen. Dabei interessierte unter anderem die Lehrerlaubnis des jungen Lehrers. Er habe nach seinem vorangehenden Outing die Referendarzeit absolviert, ohne zu wissen, wie es weitergehe und immer mit dem Gefühl, beweisen zu müssen, dass er es verdient habe, zu unterrichten, erklärte Schenkel. Und auch jetzt habe er nur eine vorläufige Lehrerlaubnis – ob er die Missio canonica (Lehrerlaubnis) erhalte, sei offen. Ist es frustrierend, dass Homosexuellen das Sakrament der Ehe vorenthalten wird? Eine Frage, die Pater Klein verneinte. Für homosexuelle Paare gäbe es die Möglichkeit der Segnung. Nicht alles, was in der katholischen Kirche wichtig sei, sei auch ein Sakrament, sagte er dazu und nannte als weiteres Beispiel die Ordensgelübde.

Nach der Ausstrahlung der ARD-Dokumentation wurden Schenkel und Pater Klein mit positiven Rückmeldungen überhäuft. Er habe mehr als 100 E-Mails erhalten, so der Jesuit und das Gefühl gehabt, in einer Scheinwelt zu leben. "Der Tag war surreal", beschrieb Schenkel. Und was seine Schüler betrifft, war seine Geschlechtsumwandlung etwa zwei Wochen lang ein Thema, seither nicht mehr.

"Ich habe nie gezweifelt, dass ich Theo bin." Theo Schenkel
An der Richtigkeit ihres Weges haben die beiden kirchlichen Mitarbeiter nicht gezweifelt. Nach seinem Outing habe es zwar einen Tiefpunkt gegeben, er habe aber beschlossen, zu kämpfen, sagte Pater Klein. "Ich habe nie gezweifelt, dass ich Theo bin" , zeigte sich auch Schenkel von seinem Weg überzeugt.

"Und was können wir tun, damit queere Menschen in der Kirche eine Heimat finden?", wollte die Moderatorin abschließend wissen. Das Outing als Zeichen des Vertrauens wertschätzen und nachfragen, was man an Unterstützung leisten könne, regte Schenkel an. Das Gesicht in den Wind drehen und seine Meinung sagen, gab Pater Klein den Versammelten mit auf den Weg. Ein Weiteres machte er deutlich: "Jede Diskussion kann nur gewinnen, wenn Betroffene daran teilnehmen".