Schweigen

Drei Tage lang kein Wort

Leo Sillmann, Klasse SG8A, Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerische Schulen

Von Leo Sillmann, Klasse SG8A, Gewerbliche und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerische Schulen (Emmendingen)

Mo, 29. Juni 2020 um 13:26 Uhr

Schülertexte

Leo Sillmann aus der Klasse SG8A der GHSE hat einen Selbstversuch gestartet und drei Tage lang nicht gesprochen. Seine Erfahrungen hat er für Zischup zusammengefasst.

Im Rahmen des Zischup-Zeitungsprojektes meiner Klasse habe ich mir überlegt, drei Tage lang nicht zu sprechen. Da ich sonst ein sehr kommunikativer Mensch bin, war mir schon im Voraus klar, dass dies für mich eine große Herausforderung werden würde. Am Dienstag, den 2. März 2020 beschloss ich, mein bereits seit Wochen geplantes Selbstexperiment zu starten. Ich war gespannt, wie mein Umfeld auf die besondere Situation reagieren werde. Auch fragte ich mich, welche Schwierigkeiten in diesem Zeitraum auftreten würden, zum Beispiel wie ich mich aus diesen Situationen befreien könne.

Vorab habe ich mir Regeln gesetzt:
- Verbale Kommunikation ist untersagt.
- Jegliche nonverbale Kommunikation ist erlaubt (Gestik, Mimik etc.).
- Schriftliche Kommunikation soll auf das Nötigste beschränkt werden.

Vorbereitung:
Schon vorher hatte ich mich über das Thema Schweigen informiert. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Ich wollte wissen, wie der Alltag organisiert werden kann, wenn hierfür keine Sprache benutzt wird. Natürlich musste ich vorher mein privates Umfeld informieren. Meine Familie, meine Klasse sowie meine Freunde wussten natürlich Bescheid, so dass ich mich nicht ständig erklären musste. Als ich meinem Fußballtrainer, Schlagzeuglehrer und Kieferorthopäde mitgeteilt hatte, dass ich bei meinen Terminen in den folgenden drei Tagen nicht sprechen werde, half nur noch eins ... Warten.

Tag 1, Dienstag:
Meine erste Prüfung bestand darin, meiner Familie keinen "Guten Morgen" zu wünschen. Dann ging es in die Schule. Als ich mit meinen Klassenkameraden am Bahnhof in Denzlingen auf unseren Zug nach Emmendingen wartete, merkte ich erste Anzeichen von dem Verlangen zu sprechen, widersetzte mich jedoch der Versuchung. Als ich mittags nach Hause kam, war ich deutlich erschöpfter als sonst, da mir jeder Gedanke, den ich im Laufe des Tages hatte, im Kopf geblieben war. Am Abend hatte ich noch Fußballtraining, bei dem es mir sehr viel schwerer als in der Schule fiel, nicht zu reden. Ich war sehr glücklich und stolz, als ich dann endlich den ersten von drei Tagen geschafft hatte.

Tag 2, Mittwoch:
Am Mittwoch war ein ganz besonderer Tag, da ich nun, ohne zu sprechen, mir mein Mittagessen außer Haus besorgen musste und in den Schlagzeug- sowie auch Konfirmandenunterricht gehen musste. Der Schulvormittag verlief prächtig, da ich mir nicht einmal mehr Mühe geben musste zu schweigen. Außerdem hatte ich mir eine Strategie ausgedacht, bei der ich mir ohne zu reden einen Döner als Mittagessen kaufen konnte. Ich schrieb einfach einen Zettel auf dem Folgendes stand: "Hallo ich mache einen Selbstversuch für die Schule, bei dem ich für drei Tage nicht rede. Ich bitte um etwas Verständnis und einen Döner mit allem und scharfer Soße... Danke". Ich hatte Erfolg und ließ mir mein Essen schmecken.

Tag 3, Donnerstag:
Am letzten Tag meines Projekts fiel es mir gar nicht mehr schwer zu schweigen. Es war schon fast Routine.
Ich zählte jedoch jede Minute, bis ich endlich wieder reden konnte, da ich wissen wollte, wie es sich anfühlt, nach so langer Sendepause mal wieder einen sprachlichen Ton von mir zu geben.

Fazit:
Das, was ich nach meinen drei Tagen Funkstille mitnehme, ist, dass einerseits Sprechen wichtig ist, da wir schon fast reflexartig drauf los quatschen. Manchmal sollte man einfach kurz überlegen, was man zu sagen hat. Andererseits heißt Nicht-Reden nicht, dass keine Kommunikation stattfindet. Trotz dem großen Schweigen hatte ich doch am Leben und an meinen Mitmenschen teilgehabt. Teilweise war es sogar lustig, wenn Freunde oder Familie versucht haben zu erraten, was ich mit wildem Handgefuchtel oder mit Gesichtsausdrücken gemeint habe.Unsere Gesellschaft wäre manchmal besser dran, wenn wir einander besser zuhören würden und uns mehr über die Ausdruckskraft der Sprache bewusst werden.