Konzert

Hornquartett bringt Stadtpark zum Klingen

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 08. Juni 2021 um 10:00 Uhr

Lahr

Das Konzert des Naturensembles Hornklang im Lahrer Stadtpark war ebenso lehrreich wie kurzweilig – und hätte mehr Besucher verdient gehabt. Nur 50 statt der erlaubten 250 Gäste waren da.

Drei Hornistinnen aus der "Kaderschmiede" von Christiane Vosseler an der städtischen Musikschule Lahr haben am Sonntagabend ein Konzert im Stadtpark gegeben. Mit dabei: Stefan Berrang, Solohornist des Nationaltheaters Mannheim und Spezialist für Naturhorn. Damit eröffnete das Naturhorn-Ensemble "Hornklang" die Konzert- und Workshopserie rund um Naturtöne und Hörner aller Art, die das musikalische Programm der "Villa Jamm Artists" im Juni prägen wird.

Ein abwechslungsreiches Programm

Rund 50 Zuhörer hatte das Konzert im Stadtpark – erlaubt gewesen wären 250. Schade, denn das gut einstündige Konzert war ebenso lehrreich wie kurzweilig. Stefan Berrang, Elsa Böhme (vormals Schindler), die mittlerweile als Solohornistin im Philharmonischen Orchester Magdeburg arbeitet, Miriam Zimmermann, die als Hornlehrerin an der städtischen Musikschule in Esslingen unterrichtet, und die 16-jährige Apollonia Maier aus Schuttertal, die sich dieses Jahr nicht nur einen ersten Preis bei Jugend musiziert, sondern auch einen Platz im Bundesjugendorchester erspielt hat, hatten ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Es begann mit dem berühmten Jägerchor aus Carl Maria von Webers "Freischütz" und endete mit dem jazzigen Sound der "Fripperies" von Lowell Show. Dazwischen gab es nicht nur Kostproben aus dem klassisch-romantischen Hornrepertoire, sondern auch noch eine unterhaltsame Geschichtsstunde über die Entwicklung des Instruments, das zwar uralt ist, aber erst in den 1830er- Jahren den Weg ins Orchester fand.

Vogelstimmen zur "Arie der Nachtigall"

Auf historischen Naturhörnern ohne Ventil erklangen der Marche de Cerfs (Hirschmarsch) von Débuché de Paroy, ein französischer und ein österreichischer Marsch. Immer ist der Bezug zur Jagd noch hörbar, doch als reine Signalübermittlung können diese mitreißenden, zuweilen auch romantisch verklärenden Stücke nicht gewertet werden. Dass die vier Instrumentalisten zu Beginn dem Publikum den Rücken zukehrten, war kein Affront. Viel zu sehr freuten sie sich, zum ersten Mal wieder vor echten Zuhörern zu spielen. Doch wenn der Klangtrichter nach vorne zeigt, sind vor allem die alten Hörner besser zu hören.

Die Instrumentenbauweise wechselt und auch der Klang ändert sich. Von den zuweilen nasalen, mit der Faust im Schalltrichter geformten Zwischentönen bis hin zum reinen und deutlich lauteren Klang der modernen Hörner. Rossinis "Le Rendez-vous de Chasse” beginnt mit einem klassischen Solo-Ruf, der gefolgt wird von einem treibenden Reiterrhythmus. Die Dynamik der Musik und des Jagdgeschehens wird in Tempo und Lautstärke nachgeformt – ein mitreißendes Stück! Und so geht es weiter, mit Anton Richters Hornquartetten und ihrer volksliedhaften Anmutung bis hin zu Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, die natürlich in einem solchen Programm nicht fehlen darf.

Die vier Instrumentalisten wechselten sich in Haupt- und Nebenstimmen ab, es erklingen kleine Preziosen wie der "Choer dansé" des russischen Komponisten Alexander Tscherepnin, der sehr beschwingt interpretiert wird, bis hin zum verträumten Jazz-Standard "Besame mucho" das passenderweise auf die "Arie der Nachtigall" einer Oper von Enrique Granados zurückgeht. Ob Nachtigallen im Stadtpark auch dabei waren bei den vielen Vogelstimmen, die sich ins Konzert mischten? Auf jeden Fall zwitscherte und gurrte es aus allen Ecken, auch noch, als das Publikum sich begeistert zwei Zugaben erklatschte.

Weitere Konzerte mit Hörnern

An den kommenden Wochenenden gibt es weitere Konzerte, unter anderem auch mit Alphörnern.

Angefangen hat alles mit einem gemeinsamen Spaziergang, erklärte Kulturamtsleiterin Cornelia Lanz am Sonntagabend vor dem Hornkonzert im Stadtpark. Sie war mit Franz Schüssele unterwegs, dessen Hörnersammlung derzeit in einer Ausstellung in der Villa Jamm zu sehen ist. Er bläst in alles, was Töne macht, und ist ein Netzwerker in Sachen Naturtöne. Mit seinen Kontakten füllt er einen Großteil des musikalischen Programms der "Villa Jamm Artists" im Juni.

» Samstag, 12. Juni, 9.30 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Villa Jamm, Schnupperkurs Alphorn
S
onntag, 13. Juni, 11 bis 16.30 Uhr, Villa Jamm, Konzert Alphorn und Weisenbläser, 17 Uhr, Konzert mit einer Alphorn Großformation
» Sonntag, 19. Juni, 9.30 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Villa Jamm, Alphornkurs für Fortgeschrittene und Blechbläser
Freitag, 25. Juni, 17 Uhr, Villa Jamm, Konzert mit dem Ensemble AuA-Horns
» Samstag, 26. Juni, 17 Uhr, Villa Jamm, Konzert mit dem Ensemble FraPapEpi
Sonntag, 4. Juli, 17 Uhr, Villa Jamm, Konzert mit dem Ensemble "Schlääzig ond löpfig". Volksmusik mit Maultrommeln.
Info: Anmeldung zu den Workshops und Platzreservierung für die Konzerte beim Kulturbüro, Tel. 07821/950210, der Eintritt ist frei. Die im Gesamtprogramm aufgeführten Kurse zum Jodeln-Lernen, Obertonsingen und Maultrommel-Spielen können nach derzeitigem Stand der Corona-Verordnung nicht stattfinden.

Weitere Informationen unter http://www.populahr.de