Integration: Viele Akteure engagieren sich

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Mi, 13. November 2019

Efringen-Kirchen

Flüchtlingsbeauftragte Johanna Hartmann sieht Betreuung Zugewanderter in Gemeinde auf gutem Weg / 85 Prozent haben einen sicheren Aufenthaltsstatus.

EFRINGEN-KIRCHEN. Ehrenamtliche, Asylkreis, Gemeinde, Vereine, Kindergärten, Schule, Ärzte – alle Akteure würden vor Ort tolle Arbeit leisten, die dazu beitrage, die Flüchtlinge in Anschlussunterbringung zu integrieren. Dieses positive Fazit zog Integrationsbeauftragte Johanna Hartmann im Gemeinderat. Dennoch gebe es Herausforderungen für die Zukunft.

Im April 2016 zog die erste Familie dauerhaft in die Gemeinde. Heute sind es 59 Zuwanderer, die außerhalb der Gemeinschaftsunterkunft in der Gemeinde leben – rund die Hälfte davon im neu erstellten Wohnhaus an der Hunnsgasse. Die Zusammensetzung der Flüchtlinge, die die Reblandgemeinde aufgenommen habe, sei eher untypisch, so Johanna Hartmann. Von einer Mehrzahl alleinstehender junger Männer könne keine Rede sein, denn 86 Prozent der Flüchtlinge leben in einer Familie, 39 Prozent seien minderjährig und das Verhältnis der Geschlechter sei ausgeglichen. Als Integrationsmanagerin verfolge sie stets das Ziel, durch individuelle Betreuung "Hilfe zur Selbsthilfe" zu leisten. Als Integrationsbeauftragte koordiniere sie die Arbeit der ehrenamtlichen und professionellen Akteure, indem sie Netzwerk- und Vermittlungsarbeit leiste.

85 Prozent der Zuwanderer, die überwiegend aus Syrien und Afghanistan kommen, verfügen über einen gesicherten Bleibestatus, bei den Übrigen sei über das Asylgesuch noch nicht entschieden oder sie besitzen eine Ausbildungsduldung. Diese ermöglicht es den Flüchtlingen, ihre Ausbildung abzuschließen und dann auch noch zwei Jahre im Beruf zu arbeiten. Danach haben sie meist fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt und die Möglichkeit, eine Niederlassungsduldung zu beantragen.

Bei den Kindern und Jugendlichen könne die Sprachförderung gar nicht früh genug einsetzen, so Hartmann, der weitere Freiwillige, die sich etwa in der Hausaufgabenbetreuung engagieren, willkommen wären. Alle Flüchtlingskinder hätten einen Platz im Kindergarten gefunden, jedoch nicht alle in einer Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten. Fünf Flüchtlingsmütter von kleinen Kindern könnten derzeit keinen Sprachkurs besuchen, weil sie ein Kind rechtzeitig im Kindergarten abholen müssen, führte Hartmann ein Manko an. Auch sei es für die Flüchtlinge – zwölf haben eine geregelte Arbeit, vier weitere arbeiten bereits parallel zum Sprachkurs, zehn sind noch in Sprachausbildung – "wahnsinnig schwierig, vor Ort eine Wohnung zu finden", appellierte sie an potenzielle Vermieter, auch Flüchtlingsfamilien in Betracht zu ziehen.

Nur fünf erwachsene Flüchtlinge seien derzeit beschäftigungslos, häufig wegen psychischer Probleme wie Konzentrations- oder Schlafstörungen, sagte Hartmann. Die psychiatrische Versorgung Geflüchteter sei leider unterentwickelt, bedauerte die Flüchtlingsbeauftragte. Hier würden die örtlichen Ärzte engagiert in die Bresche springen.

Hartmann war überzeugt, dass über die junge Generation die Integration am effektivsten gelinge. Hier gebe es vielversprechende Ansätze einer Teilhabe über die Vereine und das Jugendzentrum.