Ein Beispiel für gelungene Inklusion

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 04. August 2021

Skilanglauf

Behindertensportler und Langlauf-Kaderathleten zeigen bei der Sommer-Skiolympiade, wie wichtig es ist, Grenzen zu überwinden.

Die Premiere in Sachen Inklusion ist vollauf gelungen. Dieses positive Fazit zieht Stefan Weiss nach zwei Wettkämpfen der baden-württembergischen Kaderskilangläufer mit Startern des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) aus ganz Deutschland in Kirchzarten und am Notschrei. Die Langläufer mit unterschiedlichen Handicaps hielten einen Lehrgang mit Leistungskontrolle im Dreisamtal ab und nutzten gern den zusätzlichen Vergleich mit dem Langlaufnachwuchs der Skiverbände Baden-Württemberg (SBW).

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Los ging's am Freitag auf dem Kirchzartener Sportplatz bei Hitze mit der "Sommer-Skiolympiade" des Deutschen Skiverbands. Mit diesem Angebot will der DSV nach der langen Zwangspause infolge der Corona-Pandemie Kinder in den Skivereinen wieder in Bewegung bringen. Rund ein Dutzend Helfer des SV Kirchzarten hatten fünf Stationen mit Namen wie "Skilanglauf" und "Biathlon" aufgebaut, die auch mit dem Rollstuhl zu bewältigen waren. An den Start gingen 15 Schüler und Schülerinnen zwischen sieben und 14 Jahren sowie knapp 20 Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen, darunter auch alpine Skirennläufer. Es wurden zwei Teams gebildet und zwar bunt gemischt.

"Das war genau das,

was wir wollten."

Stefan Weiss über das Miteinander
Die Mannschaftsmitglieder durften einander gegenseitig helfen, so wurde beispielsweise ein einbeiniger Starter in der "Tretorgel" unterstützt. Viel wichtiger als das Ergebnis war bei allem sportlichen Ehrgeiz das gemeinsame Erlebnis. Stefan Weiss, seit April Landestrainer der U-16-Langläufer, und die zwei anwesenden DSV-Abgeordneten sahen die "Riesenbegeisterung" der Leistungssportler mit und ohne Behinderung: "Alle hatten Freude und es entstand eine richtige Dynamik", berichtet Weiss. Am Sonntag folgte auf dem Notschrei der Vergleich der älteren SBW-Langläufer mit den Para-Sportlern im Skiroller-Wettkampf in der freien Technik. Die Idee dazu war DBS-Langlauf-Bundestrainer Ralf Rombach und Weiss am Olympia-Stützpunkt Freiburg gekommen und der Termin passte in den jeweiligen Trainingsplan. "Das war genau das, was wir wollten", sagt Weiss zufrieden über den sportlichen Vergleich in der so wichtigen Saisonvorbereitung.

Und der bot durchaus eine Überraschung: Im Rennen aller weiblichen Klassen von der U 16 bis zu den Frauen lief die sehbehinderte Leonie Walter vom SC St. Peter über fünf Kilometer Tagesbestzeit. Mit ihrer Zeit von 14:05 Minuten war sie elf Sekunden schneller als Emily Weiss (SV Kirchzarten), die wegen "Abistress" erst wieder seit drei Wochen gezielt trainiert. Leonie Maier (14:18) platzierte sich als Dritte vor ihrer älteren Schwester Milena (beide WSG Feldberg/14:26). "Sie hat sich total gefreut und die anderen waren überrascht", sagt Weiss über Siegerin Leonie Walter.

Bei den Männern dagegen landeten die Para-Sportler über zehn Kilometer hinter ihren Kollegen ohne Handicap. Sie wurden am Notschrei von DBS-Co-Bundestrainer Michael Huhn und Ulrich Zipfel - beides ehemalige Kaderlangläufer des SV Kirchzarten - betreut. Weil die Strecke für die "Rollis" zu schwer gewesen wäre, trainierten diese derweil mit Rombach unten im Dreisamtal. Dass alle aus Thüringen mitgebrachte einheitliche Skiroller benutzen konnten, ermöglichte einen guten Vergleich der Leistungen. Wobei Junior Jonathan Göppert (WSC Breisgau-Staufen) auf einem eigenen - und mutmaßlich schnelleren - Skiroller die Tagesbestzeit von 23:05,05 Minuten erzielte. Hinter ihm platzierten sich Luis Braun (WSG Schluchsee/23:45,06) aus der Altersklasse U 18 und der Spaichinger Florian Winker (Männer/24:17,07) ganz knapp vor Luca Wehrle (SC Hinterzarten/U 18/24:18,04). Als bester der vier Behindertensportler wurde Paralympics-Medaillengewinner Alexander Ehler (SV Kirchzarten/25:43,02) Neunter.

Das erfreuliche Fazit aus Sicht der baden-württembergischen Langläufer: "Wir sind komplett auf Plan." Knapp sieben Wochen vor der Zentralen Leistungskontrolle (ZLK) in Oberhof eine positive Erkenntnis. Nach der gelungenen Erstauflage im Schwarzwald wollen beide Seiten das Inklusions-Projekt fortführen. Im kommenden Jahr soll die WSG Schluchsee als Ausrichter fungieren, kündigte Weiss an.