Waldbrände

Ein Gesichtspunkt fehlt hier aber

Jürgen Welke

Von Jürgen Welke (Freiburg)

Di, 29. September 2020

Leserbriefe

Zu: "In den Flammen verenden die Tiere", Beitrag von Philipp Lichterbeck (Politik, 19. September)
Das Desaster und seine Hintergründe sind richtig beschrieben. Ein Gesichtspunkt fehlt aber – wie in fast allen Artikeln, die in Deutschland zu diesem Thema erscheinen: der deutsche und europäische Anteil daran. In dem Artikel wird ja gesagt, dass einer der Hauptgründe für die vielen Brandstiftungen die Erweiterung der Wiesen und Felder ist – um Soja und andere Produkte für den Weltmarkt anzubauen und noch mehr Rinder zu züchten. Da kommt dann unsere Verantwortung ins Spiel: Wir sind die Abnehmer vor allem von Soja für unsere Rinder- und Schweinezucht, die längst nicht mehr durch einheimische Futtermittel befriedigt werden kann. Wenn diese Nachfrage aus Deutschland und vielleicht sogar aus der gesamten Europäischen Union (EU) wegfallen würde, wäre der Anreiz zur Brandrodung längst nicht mehr so groß.

Wenn wir auf den Einsatz von Soja als Futtermittel verzichten würden, hätte das sogar noch weitere Vorteile für die Umwelt. Inzwischen ist der große Anfall von Nitraten bei der Schweinezucht eine Gefahr für das Grundwasser. Zudem wird das zu viel produzierte Fleisch mit EU-Subventionen auf dem Weltmarkt und vor allem in die Entwicklungsländer verkauft. Das ist eine Bedrohung für die Kleinbauern in den Entwicklungsländern. Ein Wegfall der Gründe würde vielleicht dazu führen, dass es weniger Wirtschaftsflüchtlinge gibt. Eine ähnliche Problematik gibt es beim Palmöl, das zur Herstellung des "umweltfreundlichen" Benzins E10 benötigt wird. Jürgen Welke, Freiburg