Ein Herbst mit einigen Tücken

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 09. September 2021

Efringen-Kirchen

Herbstversammlung der Markgräfler Winzer eG: Winzer werden im Rebberg und auf dem Markt mit Herausforderungen konfrontiert.

. Die Winzer in der Region stehen in den Startlöchern: Die Lese wird einige Herausforderungen bringen – das wurde auf der Herbstversammlung der Genossenschaft der Markgräfler Winzer in Ballrechten-Dottingen sehr deutlich. Der Witterungsverlauf war für den Weinbau nicht günstig, diverse Krankheiten machten den Reben zu schaffen. Nun ist bei der Ernte Sorgfalt gefragt.

Die Markgräfler Winzer eG, vormals Bezirkskellerei Markgräflerland mit Sitz in Efringen-Kirchen, ist der größte Erzeugerbetrieb im Markgräflerland und zählt mit rund 940 Hektar Rebfläche über das gesamte Anbaugebiet verteilt und mehr als 1000 Mitgliedern auch deutschlandweit zu den größten Weinproduzenten. Es gilt also, eine beachtliche Weinmenge zu vermarkten und dabei aber auch einen möglichst hohen Qualitätsanspruch zu erfüllen – das jedenfalls machte Geschäftsführer Hagen Rüdlin in der gemäß den aktuellen Corona-Regeln mit gut 100 Mitgliedswinzern gefüllten Castellberghalle deutlich. Beim Thema Qualität gab es zuletzt Erfreuliches zu verkünden: Beim Gutedel-Cup belegten die Genossen in der Kategorie Qualitätswein Platz eins und zwei, diverse Auszeichnungen in Weinführern und Weinzeitschriften kamen unlängst dazu. Doch mit Blick auf die allgemeine Entwicklung auf dem Weinmarkt hatte Rüdlin auch Nachrichten im Gepäck, die darauf hindeuten, dass es immer herausfordernder wird, sich in einem härter werdenden Wettbewerb zu behaupten.

Für die Markgräfler Winzer eG ist der Lebensmitteleinzelhandel von den Vollsortimentern bis zu den Discountern ein wichtiger Absatzmarkt. Und hier gab es zwar von 2019 auf 2020 einen leichten Aufwärtstrend, der aber offenbar schon wieder vorbei ist oder sich möglicherweise gar ins Gegenteil verkehrt hat. Im Vergleich des jeweils ersten Halbjahres 2020 und 2021 waren überall – teils deutliche – Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Mit Blick auf die Rebsorten hat es die Markgräfler Leib- und Magensorte, den Gutedel, besonders hart getroffen. Rüdlin betonte zwar, dass sich dies in den Zahlen für die Markgräfler Winzer eG nicht widergespiegelt habe, "doch unsere Verhandlungsposition gegenüber dem Handel wird durch so eine Entwicklung nicht leichter", so Rüdlin.

In diesem nicht gerade einfachen Umfeld gilt es nun einen Herbst in den Keller zu bringen, der auch so seine Tücken bereit hält. Kellermeister Martin Leyh nannte am Dienstagabend in Ballrechten-Dottingen fünf potenzielle Probleme beim Lesegut, auf die nun bei der anstehenden Ernte zu achten sei: der echte und falsche Mehltau (Oidium und Peronospora), die Schimmelfäule Botrytis, die Rebholzkrankheit Esca sowie nicht zuletzt ein häufig noch ziemlich ungleicher Fortschritt bei der Reife der Weinbeeren.

Mit Blick auf die Weinqualität ist besonders Oidium kritisch, machten von Leyh deutlich. Befallene Trauben dürften nicht im Lesegut landen, weil sonst die Gefahr von Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigungen drohe. Leyh und auch Rüdlin appellierten an die Disziplin und Solidarität der Winzer, hier sorgfältig und gewissenhaft vorzugehen.

Der uneinheitliche Reifezustand der Beeren wiederum macht das Timing des Leseablaufs noch schwieriger, hinter dem im Fall der Markgräfler Winzer eG eine beachtliche Logistik steckt. Mitte kommender Woche soll die Hauptlese starten. Auf der einen Seite wären vielfach noch höhere Mostgewichte wünschenswert, auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass bereits angeschlagenes Lesegut weiter leidet.

Durchaus zu spüren war auf der Versammlung, dass die Stimmung unter den Winzern angesichts dieser Fährnisse aktuell nicht die beste ist. Was erschwerend hinzu kommt sind teils heftige Kostensteigerungen bei für die Produktion nötigen Verbrauchsmaterialien wie etwa Europaletten oder Flaschenverschlüsse.