Klinikbetrieb in der Pandemie

Ein Hygienekonzept macht Eltern-Kind-Kuren möglich

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Mo, 03. Mai 2021 um 17:53 Uhr

Feldberg

Dank vieler Justierungen sind Eltern-Kind-Kuren in der Klinik Schuppenhörnle möglich

Vielfach sind Mütter und Väter in familiärer und beruflicher Hinsicht starken Belastungen ausgesetzt. Und die Pandemie, die länger als ein Jahr andauert, bringt viele Familien an ihre Belastungsgrenzen. Gerade in dieser Zeit sind Mutter/Vater-Kind-Kuren besonders wichtig. Angeboten werden derartige Kuren trotz der Corona-Pandemie in der Vorsorge- und Rehaklinik Schuppenhörnle. Die Umsetzung eines Hygienekonzepts bedingt aber Veränderungen im Vergleich zum herkömmlichen Klinikbetrieb.

Schon in Zeiten vor Corona war der Bedarf an Mutter/Vater-Kind-Kuren groß, und in der Pandemie ist er nicht geringer geworden. Nach einigen Wochen der Schließung bietet die Fachklinik Schuppenhörnle nun wieder entsprechende Kuren an. Hauptsymptomatik der Patienten, die die Klinik aufsuchen, sind psychosomatische Erkrankungen (Reha-Bereich), aber im Rahmen der Vorsorge werden auch Patienten mit orthopädischen Erkrankungen, Stoffwechsel-, Haut- und Atemwegssymptomatiken behandelt. 45 Zwei-Zimmer-Apartments mit zusammen 125 Betten stehen normalerweise zur Verfügung, in Coronazeiten wurde die Belegung auf etwa 80 Prozent reduziert.

Selbstverständlich ist, auch für Kinder ab sechs Jahren, das Tragen von Masken, die den Patienten täglich zur Verfügung gestellt werden. Die Therapiegruppen wurden geteilt, um die Einhaltung des erforderlichen Abstands gewährleisten zu können, sagt Anna Volk, die in der Klinikleitung für die Verwaltung verantwortlich ist. Es sei in personeller Hinsicht eine große Herausforderung und erfordere viel Aufwand, die entsprechenden Therapie- und Anwendungspläne aufzustellen, ergänzt Benjamin Nickelsen, Geschäftsleiter und Vorstandsmitglied des die Klinik betreibenden Deutschen Arbeitskreises für Familienhilfe. Wegen fehlender Räumlichkeiten mussten zudem zahlreiche Anwendungen wie die Rückenschule von drei auf fünf reduziert werden. Einige Gesprächsgruppen oder auch die Rückenschule können bei gutem Wetter im Freien stattfinden, was Volk zufolge als sehr positiv empfunden wird.

Deutlich kleiner sind auch die Gruppen der zu betreuenden Kinder, die Zahl der Gruppen wurde um zwei auf sechs aufgestockt. Zusätzlichen Personals bedarf es jedoch nicht, denn statt drei betreuen nun jeweils nur noch zwei Mitarbeiter die Gruppen. Wurden die Kinder zuvor unabhängig von der Anreise je nach Alter auf die Gruppen verteilt, erfolgt die Einteilung nun nach der wöchentlich erfolgenden Anreise. Die Kinder in den Gruppen bleiben dadurch während der dreiwöchigen Dauer der Kuren beieinander.

Änderungen gibt es in den Speisesälen. Haben früher alle Patienten zeitgleich die Mahlzeiten eingenommen, gibt es nun zwei gestaffelte Zeiten für die Mahlzeiten. Zudem wurde die Zahl der Tische reduziert, für jede Familie steht ein Tisch zur Verfügung. Auf das Buffet wird verzichtet, die Mahlzeiten werden am Tisch serviert. Diese Regelungen erfordern eine höhere Disziplin aller Beteiligen, da es laut Volk bei den Mahlzeiten angesichts der gestaffelten Zeiten und der Therapietermine nicht zu einem Verzug kommen darf. Die Mahlzeiten seien früher entspannter gewesen, auf der anderen Seite werde die größere Ruhe in den Speisesälen als positiv empfunden.

Die Freizeitangebote sind stark eingeschränkt, beispielsweise auf die beliebten Zirkusvorführungen, das Filzen oder das Korbflechten muss verzichtet werden.

Vieles hat sich in den vergangenen Monaten verändert, aber nicht nur zum Negativen. Ziel sei, was sich bewährt habe, möglichst nach Corona beizubehalten, sagt Anna Volk und nennt als Beispiel die Gesprächsgruppen im Freien. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten im Hinblick auf die Integration der Kinder die Gruppeneinteilung nicht nach Alter, sondern nach Anreisedatum sowie die kleineren Gruppen als sehr positiv empfunden. Die Verwaltungschefin sieht hier Probleme mit den Räumen, fünf Gruppen werde man aber ins Auge fassen.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeute die Situation natürlich eine zusätzliche Belastung, sagt Volk, "aber sie gehen damit gut um, Beschwerden sind selten". Und die Patienten seien sehr dankbar, trotz der Pandemie in die Klinik kommen und von den Belastungen des Alltags und finanziellen Sorgen vorübergehend abschalten zu können.